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Die Cloud ist nur langsam im Kommen Computacenter sieht nicht Big Data sondern Service-Desk als Geschäft

Autor / Redakteur: Das Interview führte Sarah Maier / Florian Karlstetter

Reiner Louis, Sprecher der Geschäftsführung bei Computacenter Deutschland hat einen etwas anderen Blick für die Cloud und glaubt nicht, dass diese so schnell kommt. Zudem berichtet der Geschäftsführer über die jüngsten Pläne des Kerpener IT-Dienstleisters.

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Reiner Louis, Sprecher der Geschäftsführung bei Computacenter Deutschland
Reiner Louis, Sprecher der Geschäftsführung bei Computacenter Deutschland
(Bild: Computacenter)

CloudComputing-Insider: Im Herbst 2012 hat sich die Computacenter-Gruppe europäischer aufgestellt. Dazu gehört, dass die IT-Leistungserbringung nun zentral in den drei Bereichen Group Operations, Group Commercial und Group Business Services aufgehängt ist. Die einzelnen Landeseinheiten kümmern sich in erster Linie um den Vertrieb, das Service Management und Consulting. Wie hat die deutsche Organisation diese Änderungen aufgenommen?

Louis: Wir haben jetzt eine starke europäische Ausrichtung bei der Zusammenarbeit mit den Herstellerpartnern und den zentralen Erbringungsstrukturen. Beispielsweise haben wir die Bereiche Logistic, Maintenance, Remote Operations und die Help-Desk-Strukturen über alle Länder hinweg in einer einheitlichen Organisationsstruktur gebündelt. Das war ein gewaltiger kultureller und teilweise auch mentaler Schritt, da diese bis dato immer in der Verantwortung eines Landes und einer Einheit lag. Insgesamt ist die Umstrukturierung mittlerweile erfolgreich abgeschlossen.

Allerdings sind nicht alle Mitarbeiter diesen Schritt mitgegangen. Mit Oliver Tuszik und Hans-Georg Freitag haben unter anderem auch zwei Vorstände das Unternehmen verlassen. Wie werten Sie das?

Louis: Zwei Kollegen aus dem Top-Management und fünf von circa hundert Mitarbeitern aus der mittleren Management-Ebene haben das Unternehmen in den letzten zwölf Monaten verlassen. Die Entscheidungen waren für mich immer nachvollziehbar, zumal sich durch die Neuorganisation für manche das komplette Aufgabenfeld verändert hat. Wir haben also eine mehr oder weniger normale Fluktuation.

Welche Vorteile hat die Neuorgnisation gebracht?

Louis: Wir können den Kundenanforderungen mehr Rechnung tragen, insbesondere bei Unternehmen mit internationalen und globalen Anforderungen. Diesem Bedarf können wir nun besser gerecht werden, was in den lokalen Strukturen nur bedingt möglich war. Der Vertrieb orientiert sich außerdem vermehrt an Gruppenstandards, besetzt aber weiterhin die Schnittstelle zum Kunden, beispielsweise beim Key-Account-Management. Zusätzlich helfen auf Vertriebsseite die Kolleginnen und Kollegen aus dem Line of Business Sales. Das sind Spezialisten, die Kunden mit ihrem Know-how in einem bestimmten Fachgebiet unterstützen.

Die Bilanzzahlen des abgelaufenen Geschäftsjahres 2013 zeigten für Deutschland, Luxemburg und die Schweiz eine Gewinnsteigerung von fast 49 Prozent auf 36,1 Millionen Euro, bei einem Anstieg des Gesamtumsatzes von nur 6,5 Prozent auf rund 1,5 Milliarden Euro. Das mutet etwas seltsam an. Liegt es daran, dass das Jahr zuvor das Ergebnis wegen einiger kritischer Service-Verträge so niedrig war?

Louis: Zu einem großen Teil ja. Die damals herausfordernden Service-Verträge sind nun wieder in der Spur. Wir haben keinen der Kunden verloren, vielmehr wurden die meisten Verträge mittlerweile verlängert. Für die drei defizitären Verträge haben wir 2013 Rückstellungen gebildet, so dass sie keine negativen Auswirkungen mehr auf das aktuelle Ergebnis haben.

Wichtig im Geschäft sind die Margen. Wie sieht es hier aus?

Louis: Bei Computacenter gibt es quasi drei Portfolio-Bereiche. Das ist das Supply Chain Business, also alles was sich um Produktversorgung rankt, das schon seit langem unter Druck ist. Der Wettbewerb ist hier sehr aggressiv. Wir werden allerdings keine Geschäfte machen, bei denen wir kein Geld verdienen können. Bei den Professional-Services, also alles rund um Projekte und Consulting, erwarten die Kunden High Skills und sind auch bereit, dafür zu zahlen. Im dritten Bereich Managed Services/Outsourcing sind dort, wo wir uns von anderen differenzieren können, noch auskömmliche Margen zu erzielen. Bei Commodity-Leistungen ist der Druck jedoch groß.

Wie stehen sie zu dem allgegenwärtigen Thema Cloud?

Louis: Der Zug rollt, aber langsamer als erwartet. Wie sehen uns als Aggregations-Player – einem Integrator zwischen den Public-Cloud-Providern und den individuellen Bedürfnissen der Kunden – und wir werden nicht in die Public Cloud gehen. Unser Fokus liegt auf dem Aufbau von Private Clouds beim Kunden oder in unserem Rechenzentrum und der Integration von Public-Cloud-Angeboten. Vielleicht haben einige IT-Dienstleister darauf spekuliert, dass die Cloud schneller kommt. Wir gehen derzeit aber nicht davon aus, dass alle Kunden so bald in die Public Cloud gehen. Es ist aktuell noch eine Illusion, dass die Cloud das komplette Geschäft eines Kunden revolutionieren wird.

Lesen Sie auf der nächsten Seite, welche Pläne Computacenter in nächster Zeit verfolgt.

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