German-Cloud-Gründer Götz Piwinger kommentiert

Cloud-Provider: Verzweifelt gesucht!

| Autor / Redakteur: Götz Piwinger* / Elke Witmer-Goßner

Beispiel 2: Das Bi-direktionale Wertschöpfungs-System: In diesem Fall ist der ISV Kunde beim IaaS, weil er seine Programme im Rechenzentrum des IaaS hostet. Gleichzeitig wird er aber auch zum Lieferant, weil der IaaS ihm verspricht, seine Lösung – also die Lösung seines Kunden – mit bei seinen eigenen Endkunden zu verkaufen. Ein Beispiel hierfür ist der „ISV Reselling und Enterprise Marketplace“ der T-Systems. Das Problem hierbei liegt darin, dass derartige Versprechen derzeit fast ausschließlich über einen digitalen Marktplatz eingelöst werden sollen. Aber eigentlich müssten die Verkäufer des IaaS auf das Angebot des ISV ausgebildet werden, um es im persönlichen Lösungskatalog bei sich zu haben. Hinzu kommt die Problematik, dass es zu jedem Thema mehrere Anbieter gibt. Am Ende bleibt kleineren Anbietern nur die Präsenz auf einem Web-Marktplatz.

Beispiel 3: Wertigkeit des SaaS-Angebotes erhöhen und erfolgreicher Marketing-Support: Auch wenn ich als Verfasser dieses Beitrages nicht unbefangen bin, muss ich sagen, das funktioniert recht gut: Der Hosting-Anbieter hat eine Partnerschaft mit einem Verband oder einer Institution, die über ein wirkungsvolles Marketing verfügen und zudem hohe Qualität verbürgen. Aus der Industrie kennen wir dazu beispielsweise den „Blauen Umweltengel“. In der IT ist dies zum Beispiel das German Cloud Zertifikat. Der IaaS-Anbieter zertifiziert seine Rechenzentren über das German Cloud-Audit. In der Verlängerung gilt dieser Teil dann logischerweise auch für seinen Kunden ISV. Dieser braucht dann nur noch einen Teil (Datensicherheit, Rechtslage und Service) bei German Cloud überprüfen zu lassen und wird in der Folge selbst zum German-Cloud-zertifizierten Anbieter.

Verträge, Verträge, Verträge…

Ein kleineres Softwarehaus kommt kaum auf die Idee, seinen Service bei sehr großen Systemhäusern, die auch IaaS sind, zum Hosting anzufragen. Erstens weil man glaubt, als Minikunde beispielsweise einer IBM oder T-Systems keine Betreuung zu erfahren und zweitens, weil die Furcht vor starren und umfangreichen Verträgen die unternehmerische Freiheit in Frage stellen könnte. Doch was wünscht sich der Kunde Softwarehaus? Er möchte eine technisch sichere Lösung und einen Ansprechpartner, der sein Vorhaben erfolgreich zu sein, unterstützt. Es darf keinesfalls ein Partner sein, der die Daten des Kunden ISV an die NSA weitergibt und seine Schlüssel an die US-Heimatschutzbehörde verhökert. Ja, am liebsten will der Kunde auch wissen, wo genau seine Daten liegen und verarbeitet werden. Und er hat das Recht dazu.

Um die Angebote der Hosting-Provider wirklich vergleichen zu können, ist die Auseinandersetzung mit den Anbieter-Verträgen unausweichlich. Man muss Verständnis dafür haben, dass ein IaaS-Anbieter nicht mit jedem Kunden einen individuellen Vertrag abschließen kann. Aber Serviceversprechen (SLA) sollten überprüfbar sein und Änderungen bei der Leistung – beispielsweise beim Umzug der Daten – nur mit Zustimmung des ISV möglich sein. Eine „Blauer Engel“ für die Cloud schafft Vertrauen beim Kunden und beschleunigt das Marketing.

Augenmerk ist gefragt

Vor dem Hintergrund des Aufwandes zum Vergleich von IaaS-Providern ist es nicht verwunderlich, dass Softwarehäuser einen „ungefähr guten“ IaaS-Anbieter ausgewählt haben. Aber es lohnt sich, noch einmal darüber nachzudenken. Man kann nicht nur seinen Stromanbieter, sondern auch den Hosting-Provider wechseln.

Götz Piwinger, German Cloud.
Götz Piwinger, German Cloud. (Bild. German Cloud)

* Der Autor Götz Piwinger ist Gründer der Initiative German Cloud.

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