Dritte Erhebungswelle des HP Cloud Index Cloud-Einsatzgrad steigt und wird weiter steigen

Redakteur: Elke Witmer-Goßner

Immer mehr nutzen Cloud-Angebote und immer mehr beschäftigen sich mit dem Thema an sich. Zu diesem Ergebnis kommt der dritte HP Cloud Index, den HP Deutschland zusammen mit dem Analysten Techconsult für 2011 erhoben hat.

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Der HP Cloud Index zeigt klar, wohin die Reise 2012 geht: An Cloud Computing kommen mittelständische Unternehmen nicht mehr vorbei. (© frank peters - Fotolia)
Der HP Cloud Index zeigt klar, wohin die Reise 2012 geht: An Cloud Computing kommen mittelständische Unternehmen nicht mehr vorbei. (© frank peters - Fotolia)

Mit der Befragung vom November/Dezember 2011 ist die dritte Erhebungswelle des HP Cloud Index Mittelstand erfolgreich abgeschlossen und erlaubt einerseits den direkten Vergleich mit den im Jahresverlauf erhobenen Daten, andererseits eine Prognose der zukünftigen Entwicklung von Cloud Computing im deutschen Mittelstand.

Für die Studie wurden quartalsweise je 200 Unternehmen in einer Größenklasse von 20 bis 2.000 Mitarbeitern befragt. Neben den Cloud-Einsatzgraden bewerteten die Studienteilnehmer die Vorteile von Cloud-Lösungen sowie ihre eigene Cloud-Fitness. Die Ergebnisse stellen insofern sowohl für Anbieter als auch Anwender einen richtungsweisenden Gradmesser für die Akzeptanz und Marktreife von Cloud-Computing-Angeboten dar.

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Der positive Trend, der sich bereits 2010 abzeichnete, setzte sich im vergangenen Jahr fort. Der Cloud-Einsatzgrad erreichte mit 16 Prozent den höchsten Wert seit Beginn der Befragung. Im Vergleich zum vierten Quartal 2010 wuchs der Markt innerhalb von zwölf Monaten um 60 Prozent. Doch nicht nur der Cloud-Einsatzgrad stieg im Jahresverlauf 2011 deutlich an, auch das Interesse an der Cloud stieg kontinuierlich und wird den Analysten zu Folge den Cloud-Einsatz in diesem Jahr weiter vorantreiben.

Wenig „Cloud only“

Die befragten Unternehmen gaben an, dass sie insbesondere Software-as-a-Service-Angebote (SaaS) im vergangenen Quartal stärker genutzt haben. Diese kommen bei über zwölf Prozent der Unternehmen zum Einsatz. Dabei werden bevorzugt Standardanwendungen wie Groupware-/Collaboration-, Office- oder CRM-Lösungen genutzt – allerdings häufig ergänzend zu traditionell betriebenen IT-Systemen.

Dieses Vorgehen – so die Unternehmen – biete den Vorteil, dass die Lösungen im laufenden Betrieb dauerhaft und belastbaren Tests unterzogen werden könnten, um so eine bessere Einschätzung über den tatsächlichen Mehrwert zu erhalten. Gleichzeitig wachse das Cloud-Wissen der IT-Mitarbeiter, die auch die Akzeptanz der Lösungen bei den Endanwendern prüfen.

Für die meisten Nutzer von Cloud-Services steht die Gewährleistung des laufenden Betriebes und die bestmögliche Unterstützung der Geschäftsprozesse im Vordergrund. In einzelnen Fällen berichteten Teilnehmer der Studie aber auch von grundlegenden Umstrukturierungen der Geschäftsabläufe im Zuge des Cloud-Einstiegs, mit dem Ziel, agiler und reaktionsschneller auf Veränderungen reagieren zu können. Hier wurde die Initiative zur Cloud-Einführung zu wesentlichen Teilen von der obersten Führungsebene getragen.

Warum PaaS für viele zu nebulös ist und wie sich die einzelnen Cloud-Modelle entwickelt haben, lesen Sie nach dem Umblättern.

Viele IT-Entscheider tun sich mit Platform-as-a-Service-Angeboten schwer. Denn dieser Bereich spaltet sich immer mehr auf, um die verschiedenen Anforderungen der Anwender abzudecken. So ist es für viele nicht leicht, die richtige Wahl zu treffen. Deshalb war die fehlende Überschaubarkeit des Paas-Marktes nicht selten ein Ausschlusskriterium – gepaart mit Zweifeln über die Reife der Lösungsangebot oder die Investitionssicherheit.

So vertrauten viele Mittelständler eher darauf, eigene Anwendungen auf selbst-administrierten Infrastruktur-Umgebungen in einer Public Cloud laufen zu lassen, als auf eine originäre PaaS-Lösung aufzusetzen. Auch aus Angst, die Kontrolle über die IT zu verlieren. Denn auf eigene IaaS-Kapazitäten können Anwender in weitgehend gewohnter Manier zugreifen und die auch administrieren. Die PaaS-Infrastruktur dagegen wird dem Kunden abstrahiert und automatisiert bereitgestellt.

Private – Public – Hybrid

Die Bereitsstellungsform Public Cloud verzeichnete im letzten Quartal 2011 eine deutliche Zunahme. Das Wachstum fiel damit intensiver aus, als die Prognosen vermuten ließen. Vor allem Angebote aus den Bereichen Software-as-a-Service wurden stark nachgefragt. Hier trieb auch der gestiegene Paas-Einsatz das Public-Cloud-Modell voran.

Vor allem als Einstiegsmodell ist die Private Cloud noch immer sehr wichtig. Dabei spielt neben dem tatsächlichen Betrieb innerhalb der Unternehmen, auch immer wieder die Bereitstellung durch einen externen Dienstleister eine Rolle. Steht letzteres zur Debatte, betonten die Teilnehmer jedoch, Public-Cloud-Angebote als Vergleichswerte heranzuziehen.

Wiederholt betrachteten die Ansprechpartner die Hybrid Cloud als leistungsfähigstes Modell. So überrascht es auch nicht, dass dieses Angebot im vierten Quartal 2011 wieder ein deutliches Wachstum verzeichnen konnte – in der Regel auf Kosten eines dedizierten Private-Cloud-Einsatzes.

Der goldene Mittelweg

So positiv sich der Cloud-Markt darstellt: Die meisten Studienteilnehmer wollen auch in Zukunft IT-Leistungen nicht vollständig über ein Public-Cloud-Modell beziehen. Sie sind überzeugt, dass nur der Einstieg in die Cloud-Welt über den Aufbau einer Private Cloud erlaube, die Individualität aufrecht zu erhalten und trotzdem von den Vorteilen des Cloud Computings zu profitieren.

Den entscheidenden Beitrag zur Flexibilisierung bietet die Weiterentwicklung in eine Hybrid Cloud, in der das Unternehmen sich auf seine Kernkompetenzen konzentrieren kann und von Routineaufgaben in standardisierten Bereichen entlastet wird.

Weiter mit: Cloud und Mittelstand

Mittelständler beschäftigen sich bereits intensiv mit den Grundbedingungen für einen Cloud-Aufbau im eigenen Unternehmen. Haben sich Ende 2010 drei Viertel der Umfrageteilnehmen nur oberflächlich oder gar nicht für das Thema Cloud interessiert, sind es zum Jahresende 2011 mehr als ein Drittel, die sich inzwischen intensiv mit Cloud Computing auseinandersetzen – meist getrieben von den IT-Abteilungen.

Daher lässt sich im Jahresverlauf 2011 auch eine deutliche Zunahme von Virtualisierungs-, Standardisierungs- und Automatisierungsanstrengungen beobachten. Deshalb sind auch sehr viele Teilnehmer überzeugt, dass ihre IT zu über 50 Prozent standardisiert sei – ein Wert der angesichts der häufig historisch gewachsenen Heterogenität der Systeme überrascht.

Virtualisierung gehört zwar auch im Mittelstand zum grundlegenden Werkzeug der IT-Abteilungen, allerdings wird sie von vielen Unternehmen nur eingeschränkt auch im Unternehmen eingesetzt. Um die Verfügbarkeit unternehmenskritischer Systeme zu garantieren, werden sie von der Virtualisierung oft ausgeklammert oder Anwendungen auf virtualisierter Grundlage siloartig fortgeführt, ohne zu einer deutlichen Steigerung der Auslastung der zugrundeliegenden Infrastruktur zu führen.

Cloud im Plan

In diesem Jahr wollen knapp ein Drittel der befragten Unternehmen konkrete Cloud-Vorhaben oder werden Cloud-Services weiter in Anspruch nehmen. Die meisten Teilnehmer haben – während im Frühjahr vorigen Jahres nur Lastspitzen mit Cloud-Lösungen abgefedert wurden – Cloud-Services inzwischen fest in ihrer IT-Infrastruktur verankert und passen diese dem tatsächlichen Bedarf an. Das liegt zum einen daran, das Private Cloud aufgebaut wurden, zum anderen die Nutzung externer Services längerfristig angelegt ist.

Die feste Inkorporierung der Angebote in die IT-Abläufe ist aber auch weiteren Punkten geschuldet: Einerseits bieten viele Cloud-Anbieter Vergünstigungen bei Mindestvertragslaufzeiten, andererseits bevorzugen viele Teilnehmer der Befragung eine sichere Planbarkeit des Bezuges und verbinden mit kontinuierlichen und langfristigen Vereinbarungen ein gewisses Sicherheitsgefühl.

Dagegen spielt das Thema vollständige Skalierbarkeit bei der Bewertung von Angeboten kaum eine Rolle. Die Unternehmen können ihre Nutzerzahlen und den Einsatz der Cloud-Services in der Regel auch über einen längeren Zeitraum planen oder scheuen den Aufwand, um den tatsächlichen Bedarf zeitnah zu ermitteln. So schöpfen viele die Vorteile des Cloud Computing gar nicht aus.

Unaufhaltsamer Siegeszug

Ulrich Seibold, Sales Manager Channel & SMB Customer Enterprise Business HP Deutschland GmbH.
Ulrich Seibold, Sales Manager Channel & SMB Customer Enterprise Business HP Deutschland GmbH.
Der Trend zu mehr Cloud in Unternehmen ist also ungebrochen; auch im Mittelstand wird die Cloud immer mehr zum strategischen Element und festen Angebot lokaler IT-Dienstleister. So werden die letzten Cloud-Skeptiker dieses Jahr ihre Meinung ändern müssen, ist Ulrich Seibold, verantwortlich für das Mittelstandsgeschäft bei HP, überzeugt: „Der bisherige Erfolg des Modells im Mittelstand wird die cloud-ablehnende Haltung vieler Entscheider ins Wanken bringen“ und auch innerhalb der Geschäftsführung bzw. den Fachabteilungen werde Cloud-Computing eine zunehmend wichtigere Rolle spielen und als Mittel gesehen, die Anforderungen der Geschäftsprozesse ideal und flexibel durch IT-Ressourcen unterstützen zu können.

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