Hans-Dietrich Genscher spricht auf der Cloudforce Cloud Computing und der Wandel in der Welt

Autor / Redakteur: IT-BUSINESS / Dr. Stefan Riedl / Dr. Stefan Riedl

Was der Arabische Frühling und die weltweiten Proteste gegen die Finanz-Oligarchie mit Cloud Computing im Allgemeinen und Salesforce.com im Besonderen zu tun haben, erschließt sich nicht von selbst. Diesen Zusammenhang stellte das Unternehmen dafür auf der Hausmesse Cloudforce her.

Der ehemalige Außenminister Hans-Dietrich Genscher sprach in der Keynote über das Thema „Wandel“.
Der ehemalige Außenminister Hans-Dietrich Genscher sprach in der Keynote über das Thema „Wandel“.

Wer auf die Cloudforce 2011 in München, der Hausmesse von Salesforce.com mit der U-Bahn anreiste, wurde an der Haltestelle „Messestadt West“ erst einmal von Microsoft-Mitarbeitern „abgefangen“. Sie wollten einem außerhalb des Messegeländes Konkurrenzprodukte aus dem Dynamics-Portfolio vorstellen. Bei über 1.500 Besuchern – und damit deutlich mehr im Vorjahr – dürfte sich dieser Aufwand gelohnt haben.

Dynamische Stimmung

Auf der Cloudforce angekommen, wurde das heiß diskutierte Thema „Cloud Computing“ dann mit Wucht und Schmackes präsentiert. Als sich die Besucher in den großen Saal zur Keynote bewegten, dröhnte Metallica aus den Boxen. Und zwar keine alten Balladen wie „Sad but True“, sondern die treibenden Gitarrenriffs vom schnellen, wütenden Album „St. Anger“. Die Stimmung könnte man wie folgt zusammenfassen: „Wir haben einen sehr dynamischen Markt und viel auf der heutigen Agenda, also schnell auf zur Keynote.“

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Politprominenz

Nach einer kurzen Ansprache der Gastgeber, Salesforce-Chef Joachim Schreiner und Produktmarketing-Leiter Mani Pirouz, sprach der ehemalige Bundesaußenminister Hans-Dietrich Genscher. Die Brücke zwischen der Genscher-Rede zum „weltweiten Wandel“ und dem Messethema „Cloud Computing“ schlugen Schreiner und Pirouz noch im Vorfeld: Die Consumer- und Business-IT ändere sich durch Cloud-Anwendungen und Social-Media-Einflüsse immens, ebenso wie sich die Welt gerade immens durch Bewegungen wie den Arabischen Frühling oder durch Occupy Wallstreet ändere. Letzten Endes seien es die neuen Kommunikationsmöglichkeiten, die das Internet biete beispielsweise Facebook und Twitter, mittels derer sich die Massen für den Wandel organisierten. Fotos von „Thank-you, Facebook“-Graffiti aus arabischen Revolutionsgebieten sollten diesen Zusammenhang verdeutlichen (siehe Kommentar auf Seite 48). Auch wenn die Verbindung zwischen Salesforce und der Demokratie- und Occupy-Bewegung etwas weit hergeholt erscheint, konnte das Unternehmen mit seinem so genannten 1-1-1-Modell durchaus auf eigene gute Taten verweisen: „Ein Prozent der Produkte werden gemeinnützigen Unternehmen kostenfrei zur Verfügung gestellt. Ein Prozent des Umsatzes wird gespendet, und ein Prozent der Arbeitszeit – also etwa drei bis fünf Tage im Jahr – arbeiten unsere Mitarbeiter für gemeinnützige Organisationen“, so Schreiner.

Gemeinsamer Nenner des Wandels

Genscher stürzte sich sofort auf die großen Themen, die allesamt für einen großen Wandel stünden, in dem sich die Menschheit gerade befinde, so der beliebte Ex-Außenminister und Ex-Vizekanzler.

Der in Brüssel beschlossene Euro-Rettungsschirm, der Wettkampf der politischen Systeme, der mit Demonstrationen in Ostdeutschland und dem deutschen Mauerfall endete, der Arabische Frühling, die Occupy-Bewegung und der Aufstieg der Piratenpartei – Genscher sprach alle Themen an, die mit dem Wandel der Gesellschaft zu tun haben und das Zeug dazu haben, emotional zu bewegen. Genscher fand sogar einen gemeinsamen Nenner: Die Herrschaft der Informationen stehe hinter den verschiedenen Ausprägungen des Wandels.

Erst neue Kommunikationsmöglichkeiten in arabischen Ländern hätten es ermöglicht, „die Massen für den Wandel zu organisieren“, so Genscher. Genauso, wie bei den Demos in Leipzig letztlich die Informationsherrschaft der ausschlaggebende Faktor gewesen sei: Über das Westfernsehen, das über erste Demos berichtete, sei die Bewegung auf andere Städte übergeschwappt.

Die komplette Rede des Ex-Außenministers wurde als Web-Video auf Youtube hochgeladen.

Das Post-PC-Zeitalter

Nach der Keynote und Genschers spannendem geschichtlichen Rundumschlag wurde es dann schnell erheblich technischer. Man könnte sagen, dass Salesforce.com im Taumel der eigenen Umsatzsteigerungen das Post-PC-Zeitalter ausrief. Auf den Breakout-Sessions präsentierte das Unternehmen, wie es sich in den vergangenen Jahren stark in Richtung App-Entwickler-Community und Social Media gewandelt hat (siehe Kasten „Was macht Salesforce?“).

Nachdem das ASP-Modell etwa zur Jahrtausendwende wegen fehlender Bandbreite gescheitert ist, zeigte Salesforce, warum unter dem Buzzword „Cloud“ nun so große Wachstumsraten zu erwarten sind und wie man die einhergehenden Trends kommerziell nutzen will.

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Das Buzzword „Cloud“

Joachim Schreiner erläuterte im Gespräch mit IT-BUSINESS, wie differenziert man heutzutage die Cloud betrachten sollte: Das gescheiterte Application Service Providing könne man der Kategorie „Private Cloud“ zuordnen. Für Salesforce.com gebe es jedoch nur eine Cloud: eine multi-tenant Public Cloud. An diesem Mehrmandantensystem in einer Public Cloud sei der Vorteil, dass alle Kunden hinsichtlich der Infrastruktur und Datenhaltung gleich behandelt werden. Das sei letzten Endes der Grund, warum Salesforce.com so innovationsfreudig in Sachen Unternehmens-Anwendungen sei. „So ist es kein Problem, unsererseits dreimal oder noch öfter im Jahr verbesserte Versionen auszuliefern. Wäre der Kunde für Upgrades verantwortlich, müssten wir zehn oder mehr verschiedene Versionen pflegen“, sagte Joachim Schreiner.

Milliarden-Umsatz

Salesforce.com strotzte vor seinen Messegästen bewusst vor Kraft und stellte sich als erstes Cloud-Unternehmen mit Milliarden-Umsatz vor. 2,1 Milliarden US-Dollar Jahresumsatz könnten es dieses Jahr werden. „Dünne Bretter bohrt man woanders“, war eine Kernbotschaft des Gastgebers auf der Cloudforce.

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