Die Grenzen der Freiheit – Verfügbarkeit in der Cloud Cloud Computing erfordert neue Netze und Konzepte bei den Dienstanbietern

Autor / Redakteur: Torsten Mehl / Dipl.-Ing. (FH) Andreas Donner

Cloud Computing boomt! Gleichzeitig zeichnet sich ab, dass traditionelle Netzwerkstrukturen und Bereitstellungsmodelle diese rasanten Entwicklungen nicht mehr lange tragen können. Dienstanbieter benötigen in einer Cloud-dominierten Ära daher eine fundamental neue Sichtweise sowie intelligente, automatisierte und dienstleistungsorientierte Netzwerke.

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Torsten Mehl, Vertriebsleiter Unternehmenskunden bei Ciena Deutschland
Torsten Mehl, Vertriebsleiter Unternehmenskunden bei Ciena Deutschland
( Archiv: Vogel Business Media )

Die IT wandelt sich im heutigen Zeitalter so schnell wie kein anderer Bereich. Vor allem für Unternehmen entstehen immer mehr Möglichkeiten, die Vorteile der Globalisierung auszunutzen und dadurch mobil oder in länderübergreifenden Teams zu agieren. Es wird immer entscheidender Dokumente und Daten synchron und ortsunabhängig verfügbar zu haben. Die IT muss aber gleichzeitig flexibel, skalierbar und günstig sein sowie einen wirtschaftlichen Mehrwert bringen.

Immer mehr Unternehmen entscheiden sich daher für den Einsatz von Cloud Computing. Laut einer Umfrage von Finaki, einer europäischen ITK-Organisation, sieht jeder zweite befragte deutsche CIO einen sehr starken Trend zu Cloud Computing. Weitere 39 Prozent erwarten, dass sich Cloud Computing in den kommenden fünf bis zehn Jahren etabliert. Damit ist dieses Thema längst kein Hype mehr. Auch die Bundesregierung hat das große wirtschaftliche Potenzial, das im Cloud Computing steckt, erkannt. Sie hat vor Kurzem eine Initiative bekanntgegeben bei der innovative Projektideen gefördert werden sollen.

Die Vorteile des Cloud Computing liegen gerade in Krisenzeiten auf der Hand – wie beispielsweise die theoretisch unbegrenzte Skalierbarkeit der Dienste und die Option, IT-Services rasch an veränderte Anforderungen anzupassen. Nicht nur große, sondern auch kleine und mittlere Unternehmen können davon profitieren.

Wolkige Aussichten

Was aber die Umsetzung des Cloud Computing angeht, sind im jetzigen Stadium noch viele Fragen offen und die Aussichten noch etwas wolkig. Viele Unternehmen haben vor allem Bedenken in puncto Sicherheit und Verfügbarkeit oder gehen davon aus, dass die Technologie erhebliche Auswirkungen auf das IT-Service Management haben wird. Wer mit dem Gedanken spielt, Komponenten der Unternehmens-IT in die Wolke zu tragen, muss sich auch mit den möglichen Hürden auseinandersetzen.

Wer Teile seines Rechenzentrums auslagert und auf den Anbieter eines Cloud-Computing-Dienstes baut, gibt damit auch ein wenig Kontrolle ab. Die Daten sind nicht länger lokal gespeichert und der Datentransfer wird in das Internet verlagert. Die Internetverbindung, die gleichbedeutend mit Zugang zu den Diensten und Lösungen ist, wird dadurch zum entscheidenden Element der Unternehmens-IT. Mit der Wichtigkeit der ausgelagerten Anwendungen steigt die Bedeutung der Verbindung entsprechend. Der Dienstanbieter wird also indirekt zum Anbieter des Anwendungs-Zugangs. Das Unternehmen muss sich jederzeit darauf verlassen können, dass eine zuverlässige und leistungsstarke Verbindung besteht.

Auch die steigende Anzahl der Internetnutzer über mobile Endgeräte hat gravierende Auswirkungen auf die Geschäftsmodelle der Dienstanbieter – besonders in Hinblick auf die Anforderungen an Bandbreite und Netzwerke. Diese „neue“ Verfügbarkeit des Internets und somit der virtuellen Dienste sprengt die Reichweite klassischer, drahtloser Netzwerke. Darüber hinaus forcieren Geräte wie das iPhone, das Google-Phone und weitere Smartphones durch einfache Handhabung und zahlreiche Anwendungen von Drittanbietern diesen Trend.

Steigende Anforderungen an die Netzwerk-Architektur

Netzwerkanbieter müssen ihre Architektur, die allgemeine Infrastruktur und die Modelle für die Bereitstellung ihrer Dienste an die Anforderungen von Cloud Computing und Co. anpassen. Sie müssen die Architektur so optimieren, dass diese flexibel ist und über die Kapazitäten verfügt, rasch auf Kundenanforderungen reagieren zu können und die Zeit zwischen Auftrags- und Ertragseingang zu minimieren. Dies ist aber nur möglich, wenn die Netzwerk-Ressourcen dynamisch und mit minimalem personellem Aufwand umkonfiguriert werden können, um sich so auf neue Aufträge einzustellen.

Laut einer Studie der McKinsey Group „kann eine softwaregestützte Netzwerk-Architektur bei der Erstaufstellung von Diensten die Probezeit und die Zeit der Bereitstellung um 20 Prozent reduzieren – bei einer Optimierung der Leitungen (Bandbreite, Servicetyp, Quality-of-Service, etc.) sogar um bis zu 70 Prozent“. Gewissenhafter Planung und Netzwerk-Expertise kommt bei der Implementierung einer neuen Lösung daher eine entscheidende Bedeutung zu.

Grundsätzlich müssen Netzwerke dynamischer und verstärkt softwaregesteuert werden. Drei Punkte sind hierbei entscheidend:

  • Time-to-market: Netzwerkanbieter müssen in der Lage sein, ihre Dienste schnell zu entwickeln, zu aktivieren und bereitzustellen. Dies ist besonders relevant in Metro- und Access-Netzwerken.
  • Differenzierung von Diensten: Anbieter müssen ihre Dienste über Service Level Agreements (SLAs) abgrenzen, um verschiedene Anforderungsprofile zu identifizieren und im Endeffekt mehr Umsatz pro Kunde zu erzielen. Dafür müssen Dienstanbieter ein erhöhtes Service-Denken entwickeln, damit sie eine verbesserte Abstufung ihrer Dienste, beispielsweise über QoS, bieten können.
  • Flexibilität: Dienstanbieter müssen ihre Netzwerkkapazität ohne großen Aufwand bereitstellen und skalieren können, um dynamisch auf unvorhersehbare Schwankungen in der Nachfrage zu reagieren. Niemand kann mit Sicherheit sagen, welches Gerät, welche Anwendung oder welcher Dienst der nächste große Cloud-basierte „Bandbreitenfresser“ werden wird.

Fazit

Der Markt für Cloud Computing befindet sich in einer aktiven, wachstumsträchtigen Phase mit viel Potential. Laut Gartner soll Cloud Computing bis zum Jahr 2015 zum Massenprodukt und zur bevorzugten Lösung für viele Anwendungs-Entwicklungsprojekte werden. Gleichzeitig zeichnet sich ab, dass traditionelle Netzwerkstrukturen und Bereitstellungsmodelle diese rasanten Entwicklungen nicht mehr lange tragen können.

Deswegen benötigen Dienstanbieter in einer Cloud-dominierten Ära eine fundamental neue Herangehensweise – weg vom heutigen Modell des einfachen Bereitstellens von Anwendungszugängen, hin zu intelligenten, automatisierten und dienstleistungsorientierten Netzwerken. Damit die beteiligten Unternehmen aus den neuen Diensten Kapital schlagen können, muss sich die Infrastruktur flexibel an die durch Cloud Computing getriebenen Innovationen und Änderungen anpassen lassen.

Über den Autor

Torsten Mehl ist Vertriebsleiter im Bereich Unternehmenskunden bei Ciena Deutschland

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