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IDC-Studie „Cloud Computing in Deutschland 2013“ Cloud-Anbieter über Vorzüge und Hürden von Cloud-Services für Fachabteilungen

Redakteur: Katrin Hofmann

Anlässlich der Vorstellung der Ergebnisse der Studie „Cloud Computing in Deutschland 2013“ sprach Matthias Kraus, Research Analyst bei IDC und Projektleiter der Studie mit verschiedenen Anbietern aus dem Cloud-Umfeld über die Vorzüge und Hürden von Cloud-Services für Fachabteilungen. Auch nach Tipps für die Einführung von Cloud-Services hat der Analyst gefragt.

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Matthias Kraus, Research Analyst bei IDC in Frankfurt, sprach mit den Anbietern.
Matthias Kraus, Research Analyst bei IDC in Frankfurt, sprach mit den Anbietern.
(IDC)

Ende Juli 2013 stellte IDC die Ergebnisse einer aktuellen Befragung unter 260 IT- und Fachabteilungsentscheidern aus deutschen Unternehmen vor. Ziel der Studie war es, die aktuellen Trends und Pläne bei der Nutzung von Cloud-Services zu ermitteln. Der Schwerpunkt liegt dabei auf der Betrachtung des Themas aus Sicht der Fachbereiche und der Frage, wie Geschäftsprozesse mittels Cloud-Services besser unterstützt werden können.

Die Fachbereiche deutscher Unternehmen fordern von der IT-Abteilung eine bessere Unterstützung ihrer dynamischen Geschäftsprozesse. Kann die IT die Anforderungen nicht erfüllen, bezieht sie Cloud-Services oftmals im Alleingang an der IT vorbei. Das kann schnell gefährlich für das Gesamtunternehmen werden und ist daher ein Grund mehr für IT-Entscheider, Cloud-Services künftig stärker als bisher an den Bedürfnissen des Business auszurichten. Dabei gibt es zahlreiche nicht-technische Hürden zu überwinden, doch der Aufwand lohnt sich, so das Fazit der neuen IDC-Studie „Cloud Computing in Deutschland 2013“.

Anlässlich der Vorstellung der Ergebnisse der Studie „Cloud Computing in Deutschland 2013“ sprach Matthias Kraus, Research Analyst bei IDC und Projektleiter der Studie mit verschiedenen Anbietern aus dem Cloud-Umfeld.

Matthias Kraus, IDC: Cloud Services (Public, Private, Hybrid) setzen sich immer weiter durch und verändern grundlegend die Art und Weise, wie IT bezogen und zur Verfügung gestellt wird. Welche Vorzüge bieten Cloud-Services speziell für die Fachabteilungen?

Susan J. Volkmann, Cloud Computing Leader Deutschland, Österreich, Schweiz (DACH) bei IBM Deutschland: „Fachabteilungen profitieren von Cloud-Services, weil sie schneller auf aktuelle Geschäftsentwicklungen reagieren können. Wir beobachten, dass IT-Entscheidungen zunehmend von der gesamten Entscheider-Ebene oder auch nur einer Fachabteilung getroffen werden, nicht mehr nur vom CIO oder IT-Leiter. Denn mit zunehmender Digitalisierung und kundenzentrierten Geschäftsmodellen geht es um schnelle Reaktion und Aktion. Verschiedene Aspekte des Cloud Computing können dabei punkten: Das sind zum einen Flexibilität und Agilität in der Bereitstellung der IT-Kapazitäten oder in den Geschäftsprozessen. Zudem etabliert sich die Cloud immer mehr als Wegbereiter neuer Geschäftsmodelle. Zeit und Agilität spielen dann eine wesentliche Rolle, wenn es darum geht, Feedback und Erfahrungen von Kunden auszuwerten und direkt in Innovationen sowie aktuelle Produkt- und Marktentwicklungen einfließen zu lassen. Unternehmen können Time-to-Market und Time-to-Value erheblich verkürzen und ihren Vorteil gegenüber dem Wettbewerb ausbauen.“

Andreas Dangl, BU Executive Cloud Services bei Fabasoft: „Neben den kommerziellen Aspekten zum Einsatz von Cloud-Services wie die Reduktion von Investitionskosten und ein flexibles Abrechnungsmodell nach tatsächlich verbrauchter Leistung steht vor allem die Agilität bei der Umsetzung und Anpassung von Geschäftsprozessen für Fachabteilungen im Vordergrund. So sind zeitaufwendige und komplexe IT-Projekte nicht mehr notwendig. Die Fachabteilungen können eigenständig jene Services einsetzen, die ihr Geschäft am besten unterstützen. Einen ganz wesentlichen Vorteil von Cloud Services bringt die Tatsache, dass diese Dienste außerhalb des Korsetts der Unternehmens-IT laufen, wenn in die Prozesse Organisations-externe Teilnehmer integriert werden. Dass diese Prozesse existieren und notwendig sind, ist unbestritten, allerdings werden diese heute hauptsächlich über E-Mail abgewickelt. Neben Sicherheitsthemen können Cloud-Dienste vor allem zwei Bereiche wesentlich effizienter adressieren: Der Aufwand zur Konsolidierung von Informationen, die in solchen Prozessen verteilt und bearbeitet werden, wird erheblich reduziert. Der zweite Punkt betrifft das Knowledge Management der Information, die in solchen Prozessen entsteht. Dieses Wissen, wie Prozesse laufen und welche Informationen involviert sind, ist in den Mailboxen der beteiligten Personen ‚begraben‘.“

Frank Beckereit, Geschäftsbereichsleiter Data Center Solutions bei Dimension Data: „Fachabteilungen benötigen meist spezielle Anwendungen und Dienste. Die interne IT ist dagegen meist auf die Bereitstellung von Standard-Office-Umgebungen, Arbeitsplatz-PCs und das ERP System ausgerichtet. SaaS-basierte Cloud Services können hier die ideale Plattform bieten, um diese Lücke zu schließen und die interne IT von vielen solcher speziellen Nischenaufgaben zu entlasten. Ob CRM im Vertrieb, CAD/CAM in der Entwicklung, PPS in der Fertigung oder Personalakten in HR; alles Funktionen und Services, für die in der internen IT meist nur wenig Knowhow und oft auch zu wenig Budget verfügbar ist. Spezialisierte Anbieter können hier mit kompletten SaaS-Lösungen einen besseren Service zu günstigen Kosten anbieten. Diese Cloud Services liefern dann auch optimierte Modelle für Betrieb, Wartung und Support, wie sie die interne IT für diese speziellen Lösungen häufig nicht liefern kann.“

Joachim Schreiner, Senior Vice President Central Europe bei Salesforce.com Deutschland: „Private oder Hybrid Cloud Services sind keine ‚echten‘ Clouds. Sie bieten nicht die Vorteile einer Public Cloud, sondern sind nur ein anderer Name für bereits da gewesene Modelle. Durch das Bereitstellungsmodell der Public Cloud mit einer Multi-tenancy Architektur müssen Fachabteilungen sich nicht um Upgrades, Maintenance, Releases, etc. kümmern. Stattdessen können sie sich auf ihre Kernaufgabe im Unternehmen konzentrieren. Die Verwaltung von Userdaten, das Auf- und Abskalieren, wenn sich die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen ändern; die Anpassung des Systems an geschäftsspezifische Prozesse – all dies funktioniert per Mausklick. Die intuitive und mobile Nutzung der Daten in Echtzeit sorgt außerdem für sehr hohe Nutzerakzeptanz bei unseren Kunden.“

Mehr über die Herausforderungen bei der Unterstützung der Fachabteilungen mit Cloud-Services und einige Ratschläge erfahren beziehungsweise erhalten Sie auf der nächsten Seite.

Kraus: Welche Hürden sind zu überwinden, wenn die Fachabteilungen und deren Geschäftsprozesse mit Cloud-Services optimal unterstützt werden sollen?

Volkmann: „Unternehmen müssen als erstes klären, welche Art von Sourcing für welchen Zweck die beste Lösung ist. Mit Cloud Services in Form von Software-as-a-Service unterstützen wir Geschäftsprozesse und –funktionen. So können beispielsweise Marketing-Entscheider mit IBM Social Media Analytics eigenständig Kundenverhalten und Stimmungen in Social Media Kanälen analysieren. Geschäftsprozesse wie Payment Services können auch komplett als Lösungen aus der Cloud bezogen werden. Eine weitere grundsätzliche Entscheidung betrifft die Art, wie Cloud-Services erbracht werden: Aus einer Public Cloud heraus oder mittels einer Private Cloud. Wir empfehlen, Daten und Prozesse zu klassifizieren und auf dieser Basis zu entscheiden, was im Unternehmen in einer Private Cloud bleibt und was nach außen in eine Public Cloud gegeben wird. Auch ist nicht jeder Prozess dazu geeignet, durch Cloud-Services unterstützt zu werden.“

Dangl: „Die häufigsten Fragen bei der Nutzung von Cloud-Services kommen aus den Bereichen Sicherheit, Integrierbarkeit und Anpassbarkeit. Diese Themen erfordern tiefgreifendes technisches Knowhow, dem entsprechend werden Kompetenzen der IT-Abteilung notwendig. Hier kommt der IT eine konstruktive Beraterrolle zu, je aufgeschlossener sie ist desto einfacher gelingt die Transition in die Cloud. Auf technischer Ebene haben Business-Cloud-Services einen hohen Reifegrad erreicht, es werden umfassende Sicherheitskonzepte geboten.

Die Lokation der Daten kann bei einzelnen Diensten frei vom Anwender, aber verbindlich für den Anbieter gewählt werden. Wesentlich ist die Integration eines Cloud-Dienstes in die Sicherheitsinfrastruktur des Unternehmens: Anwender wollen Single-Sign-on bei der Nutzung, Administratoren wollen Kontrolle über die Zugehörigkeit von Mitarbeitern zur Firma, um beispielsweise im Falle eines Austritts klare Nachfolge-Regelungen definieren zu können, so dass in einem solchen Fall der Firma keine Information verloren geht. Da in den seltensten Fällen ein Cloud-Dienst einen Geschäftsprozess für sich komplett und ganzheitlich abdeckt, ist es notwendig, die Cloud in bestehende On-premise-Dienste wie ERP oder ECM integrieren zu können. Oftmals stößt man bei Cloud Services rasch an funktionale Grenzen: Um eine hohe Usability zu gewährleisten, beschränken sich viele Cloud-Anbieter auf die notwendigsten Funktionen. Wenn aber Unternehmen wertschöpfende Prozesse in die Cloud auslagern, dann muss es möglich sein, diese Prozesse an individuelle Bedürfnisse anpassen zu können. Hier helfen standard-basierte Modellierungstools wie BPMN (Business Process Modeling Notation), die es den Mitarbeitern in der Fachabteilung erlauben, selbst Anpassungen agil und ohne Programmierung durchführen zu können.“

Beckereit: „Fachabteilungen sind keine IT-Profis und können daher die jeweils optimalen Angebote nur sehr schwer bewerten. Die Bandbreite an Cloud Services wird jeden Tag größer und die Auswahl des richtigen Anbieters erfordert profundes Know-how rund um Leistungsbeschreibungen, Vertragsmanagement, rechtliche Aspekte und Compliance sowie Integration und Sicherheit. Viele Fachabteilungen sind sich dieser Aufgaben und Probleme nicht recht bewusst und buchen oftmals externe Services einfach direkt und quasi „an der IT vorbei“. Hier muss die IT-Abteilung möglichst früh im Entscheidungsprozess den Fachbereichen Unterstützung und Hilfe anbieten. Ebenso ist es sinnvoll, den Auswahl- und Beschaffungsprozess zu formalisieren und die Organisation sowie die Budgetierung an die neuen Gegebenheiten anzupassen. Flexible Kostenmodelle klingen gut, sind aber in vielen Budgetprozessen nicht abbildbar und damit nur schwer nutzbar. Auch die IT-Abteilung ist gefragt, sich anzupassen. Externe Anbieter von speziellen SaaS-Angeboten für Fachbereiche müssen als Ergänzung des eigenen Angebots, und nicht als Bedrohung wie in vielen Fällen, gesehen und unterstützt werden. Schließlich ist die Datensicherheit und –integrität durch geeignete Maßnahmen regelmäßig zu prüfen und sicherzustellen; hier kann sich die IT Abteilung auch als Cloud-Broker oder Cloud-Manager anbieten, um die Integration von internen IT- und Cloud-Angeboten in optimaler Weise sicher zu stellen.”

Schreiner: „Das Wichtigste ist, sich vorab ein klares Bild zu schaffen über das, was erreicht werden soll. Der Kunde muß im Mittelpunkt stehen. Die Prozesse und der Informationsfluss sollten darauf ausgerichtet sein, eine optimale Kundenerfahrung zu bieten – egal über welchen Kanal. Wenn man diese Klarheit hat, kann das Vernetzen von Mitarbeitern und Partnern mit den Kunden beginnen und sogar neue Produkte mithilfe von sozialen und mobilen Cloud-Diensten entstehen.“

Kraus: Welche Vorgehensweise empfehlen Sie Unternehmen, die mit Hilfe von Cloud-Services die Fachabteilungen und deren Geschäftsprozesse besser unterstützen möchten?

Volkmann: „Zunächst einmal eine Zusammenarbeit mit der eigenen IT-Abteilung und bei Bedarf mit externen Beratern und Partnern. Der Aufbau einer „IT-Schattenwirtschaft“ kann nicht im Interesse eines Unternehmens sein! Wenn Fachabteilungen die zentrale IT-Organisation umgehen und Cloud-Services selbst beziehen, entstehen neue Silos und bringen dann nur eine Suboptimierung. Hier ist die IT-Abteilung gefordert, diesen zukunftsorientierten Weg mitzugehen und im eigenen Interesse mit zu gestalten. Gemeinsam mit den Fachabteilungen muss erarbeitet werden, wo und wie Mehrwerte und Vorteile durch Cloud-Computing-Ansätze gehoben werden können. Es geht um Wettbewerbsvorteile, Effizienzen und Innovationen, die erreicht werden sollen.“

Dangl: „Viele Cloud-Services bieten Freemium-Modelle oder Trial-Perioden, so dass sich die Mitarbeiter aus der Fachabteilung selbst einen Eindruck über Angebote, die für ihre Business-Anforderungen passen, verschaffen können. Gemeinsam mit der IT-Abteilung sollten die Anforderungen hinsichtlich Sicherheit und Integrierbarkeit definiert und getestet werden. Bei der Auswahl helfen Zertifizierungen wie z.B. ISO 27001 und ISO 20000. Manche Anbieter lassen von unabhängigen Institutionen regelmäßige Audits durchführen, die neben den technischen auch die organisatorischen Aspekte im Bereich Sicherheit überprüfen. Ein internationaler hochwertiger Standard für solche Audits ist ISAE 3402.“

Beckereit: „Viele Empfehlungen gehen davon aus, zunächst den Bedarf zu ermitteln und dann zentral und strukturiert die Auswahl und Beschaffung anzugehen. Leider scheitert dieses Modell an den selben Problemen, aus denen die interne IT bislang selten ausreichende Unterstützung für viele Fachbereichsanwendungen bieten konnte: Zeit, Geld und Kompetenz. Wesentlich sinnvoller ist es daher, zuerst die Prozesse und Strukturen für die Beschaffung und Auswahl von Cloud Services bereitzustellen, so dass die Fachabteilungen auf diese Unterstützung zurückgreifen können. Der eigentliche Auswahlprozess und die fachliche Bewertung der Cloud Services bleiben damit in der Fachabteilung, die Prozesse und Strukturen stellen dabei aber sicher, dass alles im Rahmen der Unternehmens-Compliance abgewickelt wird.“

Schreiner: „Auch wenn es aus technischer Sicht vielleicht gar nicht notwendig ist, empfehlen wir immer einen Schulterschluss zwischen Fachabteilung und IT. Inseln bauen bringt langfristig nichts. Neue Lösungen müssen in der Gesamtstruktur passen – alte Systeme müssen ersetzt werden und in vielen Fällen müssen die neuen Anwendungen auch mit Back-Office-Systemen verknüpft werden. Die salesforce.com-Lösungen lassen sich sehr einfach mit solchen Systemen integrieren. So entsteht ein agiles Front-Office für die Fachabteilungen und die alten Investitionen bleiben erhalten.“

Fazit

Die Ergebnisse der Befragung und die Kommentare der Anbieter zeigen deutlich, dass IT und Fachbereiche bedeutend enger als bisher zusammenarbeiten müssen, um mit Cloud Services eine optimale Unterstützung der Geschäftsprozesse zu erreichen. Alleingänge der Fachabteilungen können nicht nur ein unkalkulierbares Risiko darstellen, sie führen auch eine in eine Sackgasse, da mit der Schatten-IT auch neue IT-Inseln entstehen - und genau dies versuchen IT-Lenker seit Jahren zu verneiden. Erst wenn mit Unsterstützung der IT-Abteilung die verschiedenen Unternehmensapplikationen und Datenquellen miteinander verknüpft werden, können Geschäftsprozesse automatisiert und damit optimiert werden. Die Rolle des IT-Leiters muss sich spätestens jetzt ändern: er ist nicht länger nur für die "Technik" zuständig. Vielmehr muss er zum kompetenten Berater der Fachbereiche werden, der die Unternehmensziele und Betriebsabläufe bestens kennt und neue Anforderungen schnell und sicher mit Lösungen wie Cloud Services erfüllt.

Eine Zusammenfassung der aktuellen Studie erhalten Anwenderunternehmen kostenfrei unter: http://bit.ly/14dOoxx

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