Suchen

IDC-Studie „Cloud Computing in Deutschland 2013“

Cloud-Anbieter über Vorzüge und Hürden von Cloud-Services für Fachabteilungen

Seite: 2/2

Firmen zum Thema

Kraus: Welche Hürden sind zu überwinden, wenn die Fachabteilungen und deren Geschäftsprozesse mit Cloud-Services optimal unterstützt werden sollen?

Volkmann: „Unternehmen müssen als erstes klären, welche Art von Sourcing für welchen Zweck die beste Lösung ist. Mit Cloud Services in Form von Software-as-a-Service unterstützen wir Geschäftsprozesse und –funktionen. So können beispielsweise Marketing-Entscheider mit IBM Social Media Analytics eigenständig Kundenverhalten und Stimmungen in Social Media Kanälen analysieren. Geschäftsprozesse wie Payment Services können auch komplett als Lösungen aus der Cloud bezogen werden. Eine weitere grundsätzliche Entscheidung betrifft die Art, wie Cloud-Services erbracht werden: Aus einer Public Cloud heraus oder mittels einer Private Cloud. Wir empfehlen, Daten und Prozesse zu klassifizieren und auf dieser Basis zu entscheiden, was im Unternehmen in einer Private Cloud bleibt und was nach außen in eine Public Cloud gegeben wird. Auch ist nicht jeder Prozess dazu geeignet, durch Cloud-Services unterstützt zu werden.“

Dangl: „Die häufigsten Fragen bei der Nutzung von Cloud-Services kommen aus den Bereichen Sicherheit, Integrierbarkeit und Anpassbarkeit. Diese Themen erfordern tiefgreifendes technisches Knowhow, dem entsprechend werden Kompetenzen der IT-Abteilung notwendig. Hier kommt der IT eine konstruktive Beraterrolle zu, je aufgeschlossener sie ist desto einfacher gelingt die Transition in die Cloud. Auf technischer Ebene haben Business-Cloud-Services einen hohen Reifegrad erreicht, es werden umfassende Sicherheitskonzepte geboten.

Die Lokation der Daten kann bei einzelnen Diensten frei vom Anwender, aber verbindlich für den Anbieter gewählt werden. Wesentlich ist die Integration eines Cloud-Dienstes in die Sicherheitsinfrastruktur des Unternehmens: Anwender wollen Single-Sign-on bei der Nutzung, Administratoren wollen Kontrolle über die Zugehörigkeit von Mitarbeitern zur Firma, um beispielsweise im Falle eines Austritts klare Nachfolge-Regelungen definieren zu können, so dass in einem solchen Fall der Firma keine Information verloren geht. Da in den seltensten Fällen ein Cloud-Dienst einen Geschäftsprozess für sich komplett und ganzheitlich abdeckt, ist es notwendig, die Cloud in bestehende On-premise-Dienste wie ERP oder ECM integrieren zu können. Oftmals stößt man bei Cloud Services rasch an funktionale Grenzen: Um eine hohe Usability zu gewährleisten, beschränken sich viele Cloud-Anbieter auf die notwendigsten Funktionen. Wenn aber Unternehmen wertschöpfende Prozesse in die Cloud auslagern, dann muss es möglich sein, diese Prozesse an individuelle Bedürfnisse anpassen zu können. Hier helfen standard-basierte Modellierungstools wie BPMN (Business Process Modeling Notation), die es den Mitarbeitern in der Fachabteilung erlauben, selbst Anpassungen agil und ohne Programmierung durchführen zu können.“

Beckereit: „Fachabteilungen sind keine IT-Profis und können daher die jeweils optimalen Angebote nur sehr schwer bewerten. Die Bandbreite an Cloud Services wird jeden Tag größer und die Auswahl des richtigen Anbieters erfordert profundes Know-how rund um Leistungsbeschreibungen, Vertragsmanagement, rechtliche Aspekte und Compliance sowie Integration und Sicherheit. Viele Fachabteilungen sind sich dieser Aufgaben und Probleme nicht recht bewusst und buchen oftmals externe Services einfach direkt und quasi „an der IT vorbei“. Hier muss die IT-Abteilung möglichst früh im Entscheidungsprozess den Fachbereichen Unterstützung und Hilfe anbieten. Ebenso ist es sinnvoll, den Auswahl- und Beschaffungsprozess zu formalisieren und die Organisation sowie die Budgetierung an die neuen Gegebenheiten anzupassen. Flexible Kostenmodelle klingen gut, sind aber in vielen Budgetprozessen nicht abbildbar und damit nur schwer nutzbar. Auch die IT-Abteilung ist gefragt, sich anzupassen. Externe Anbieter von speziellen SaaS-Angeboten für Fachbereiche müssen als Ergänzung des eigenen Angebots, und nicht als Bedrohung wie in vielen Fällen, gesehen und unterstützt werden. Schließlich ist die Datensicherheit und –integrität durch geeignete Maßnahmen regelmäßig zu prüfen und sicherzustellen; hier kann sich die IT Abteilung auch als Cloud-Broker oder Cloud-Manager anbieten, um die Integration von internen IT- und Cloud-Angeboten in optimaler Weise sicher zu stellen.”

Schreiner: „Das Wichtigste ist, sich vorab ein klares Bild zu schaffen über das, was erreicht werden soll. Der Kunde muß im Mittelpunkt stehen. Die Prozesse und der Informationsfluss sollten darauf ausgerichtet sein, eine optimale Kundenerfahrung zu bieten – egal über welchen Kanal. Wenn man diese Klarheit hat, kann das Vernetzen von Mitarbeitern und Partnern mit den Kunden beginnen und sogar neue Produkte mithilfe von sozialen und mobilen Cloud-Diensten entstehen.“

Kraus: Welche Vorgehensweise empfehlen Sie Unternehmen, die mit Hilfe von Cloud-Services die Fachabteilungen und deren Geschäftsprozesse besser unterstützen möchten?

Volkmann: „Zunächst einmal eine Zusammenarbeit mit der eigenen IT-Abteilung und bei Bedarf mit externen Beratern und Partnern. Der Aufbau einer „IT-Schattenwirtschaft“ kann nicht im Interesse eines Unternehmens sein! Wenn Fachabteilungen die zentrale IT-Organisation umgehen und Cloud-Services selbst beziehen, entstehen neue Silos und bringen dann nur eine Suboptimierung. Hier ist die IT-Abteilung gefordert, diesen zukunftsorientierten Weg mitzugehen und im eigenen Interesse mit zu gestalten. Gemeinsam mit den Fachabteilungen muss erarbeitet werden, wo und wie Mehrwerte und Vorteile durch Cloud-Computing-Ansätze gehoben werden können. Es geht um Wettbewerbsvorteile, Effizienzen und Innovationen, die erreicht werden sollen.“

Dangl: „Viele Cloud-Services bieten Freemium-Modelle oder Trial-Perioden, so dass sich die Mitarbeiter aus der Fachabteilung selbst einen Eindruck über Angebote, die für ihre Business-Anforderungen passen, verschaffen können. Gemeinsam mit der IT-Abteilung sollten die Anforderungen hinsichtlich Sicherheit und Integrierbarkeit definiert und getestet werden. Bei der Auswahl helfen Zertifizierungen wie z.B. ISO 27001 und ISO 20000. Manche Anbieter lassen von unabhängigen Institutionen regelmäßige Audits durchführen, die neben den technischen auch die organisatorischen Aspekte im Bereich Sicherheit überprüfen. Ein internationaler hochwertiger Standard für solche Audits ist ISAE 3402.“

Beckereit: „Viele Empfehlungen gehen davon aus, zunächst den Bedarf zu ermitteln und dann zentral und strukturiert die Auswahl und Beschaffung anzugehen. Leider scheitert dieses Modell an den selben Problemen, aus denen die interne IT bislang selten ausreichende Unterstützung für viele Fachbereichsanwendungen bieten konnte: Zeit, Geld und Kompetenz. Wesentlich sinnvoller ist es daher, zuerst die Prozesse und Strukturen für die Beschaffung und Auswahl von Cloud Services bereitzustellen, so dass die Fachabteilungen auf diese Unterstützung zurückgreifen können. Der eigentliche Auswahlprozess und die fachliche Bewertung der Cloud Services bleiben damit in der Fachabteilung, die Prozesse und Strukturen stellen dabei aber sicher, dass alles im Rahmen der Unternehmens-Compliance abgewickelt wird.“

Schreiner: „Auch wenn es aus technischer Sicht vielleicht gar nicht notwendig ist, empfehlen wir immer einen Schulterschluss zwischen Fachabteilung und IT. Inseln bauen bringt langfristig nichts. Neue Lösungen müssen in der Gesamtstruktur passen – alte Systeme müssen ersetzt werden und in vielen Fällen müssen die neuen Anwendungen auch mit Back-Office-Systemen verknüpft werden. Die salesforce.com-Lösungen lassen sich sehr einfach mit solchen Systemen integrieren. So entsteht ein agiles Front-Office für die Fachabteilungen und die alten Investitionen bleiben erhalten.“

Fazit

Die Ergebnisse der Befragung und die Kommentare der Anbieter zeigen deutlich, dass IT und Fachbereiche bedeutend enger als bisher zusammenarbeiten müssen, um mit Cloud Services eine optimale Unterstützung der Geschäftsprozesse zu erreichen. Alleingänge der Fachabteilungen können nicht nur ein unkalkulierbares Risiko darstellen, sie führen auch eine in eine Sackgasse, da mit der Schatten-IT auch neue IT-Inseln entstehen - und genau dies versuchen IT-Lenker seit Jahren zu verneiden. Erst wenn mit Unsterstützung der IT-Abteilung die verschiedenen Unternehmensapplikationen und Datenquellen miteinander verknüpft werden, können Geschäftsprozesse automatisiert und damit optimiert werden. Die Rolle des IT-Leiters muss sich spätestens jetzt ändern: er ist nicht länger nur für die "Technik" zuständig. Vielmehr muss er zum kompetenten Berater der Fachbereiche werden, der die Unternehmensziele und Betriebsabläufe bestens kennt und neue Anforderungen schnell und sicher mit Lösungen wie Cloud Services erfüllt.

Eine Zusammenfassung der aktuellen Studie erhalten Anwenderunternehmen kostenfrei unter: http://bit.ly/14dOoxx

(ID:42250826)