Service Measurement Index soll Enterprise-Apps bewerten CA Cloud Commons – der Appstore für Unternehmen, Teil 1

Autor / Redakteur: Dietmar Müller / Ulrich Roderer

Stellen Sie sich iPhones und iPads mal ohne zugehörigen AppStore vor. Macht wenig Sinn, nicht wahr? Genauso sieht Cloud Computing heute aus. Deshalb bauen CA-Entwickler wie wild die CA Cloud Commons - eine Art AppStore für die Cloud. Kann das erfolgreich sein?

Anbieter zum Thema

CA baut mit CA Commons einen eigenen Marktplatz für Cloud-Applikationen. (Bild: CA)
CA baut mit CA Commons einen eigenen Marktplatz für Cloud-Applikationen. (Bild: CA)

Im Mai 2010 präsentierten die Entwickler anlässlich der damaligen CA World 2010 erstmals die Infrastruktur für die Plattform plus den zugehörigen Bewertungsmaßstab "Service Measurement Index" (SMI). Denn der AppStore – in diesem konkreten Fall "MarketPlace" genannt – sollte als Besonderheit ein Rating-System für und durch die Nutzer enthalten.

So könnten sich die Commons von bestehenden Cloud-Directories, gerne auch Cloud Brokerage Services genannt, abheben und zur einzigen Anlaufstelle für alle Cloud-Interessierte der Welt werden, sagt Adam Famularo, Chef der Enterprise and Cloud Solutions bei CA Technologies. .

Unabhängiger Makleransatz

Eigentlich eine gute Idee. "Der Cloud-Markt benötigt die Funktionalität analog der CA Cloud Commons, als einen unabhängigen (!) Makler-Ansatz, der das Angebot so umfassend und vollständig wie möglich sichtbar macht und jede Qualitätseinschätzung zulässt", bestätigt Roger Albrecht, Analyst der OrgSource Unternehmensberatung und ehemaliger Deutschlandchef von Gartner.

Der MarketPlace der Commons verzeichnet verschiedene Cloud-Angebote, die sich zunächst in die Bereiche E-Mail, E-Commerce und Infrastructure as a Service untergliederten. Neue Angebote werden ähnlich wie bei Amazon von den Herstellern selbst beworben.

Sie stammen neben CA vor allem aus dem Open Source-Lager. Das CA-Projekt erscheine daher zunächst eher als ein Marktplatz für eigene Lösungsangebote, so Albrecht, denn als unabhängiger Makler-Ansatz.

weiter mit: Der Service Measurement Index

Der Service Measurement Index

Dem kann möglicherweise der Service Measurement Index (SMI) abhelfen. Der Bewertungsmaßstab wird unter der Regie der Carnegie Mellon University in Pittsburgh entwickelt.

Aus den durchschnittlichen Wertungen für ein Angebot soll nach und nach ein allgemeingültiger Bewertungsmaßstab für Cloud-Offerten erwachsen. Vergleichbare Kriterien wären etwa Qualität, Kosten oder Sicherheit, man könnte auch an Integrierbarkeit oder Performance denken.

Seit diesem Herbst ist das Cloud Commons Developer Studio verfügbar, mit dem nur per Mausklicks eine komplette Cloud-Lösung, egal ob private oder public, zusammengestellt werden können soll. In einer Entwicklungsumgebung kann das Ganze sofort getestet werden. Diese "Cloud Commons WorkBench" basiert auf FusionForge, nutzt einen "Cloud Commons' Grid Scheduler" und setzt zwingend den Einsatz des CA AppLogic Developers' Kit voraus.

Darüber hinaus finden sich in den Cloud Commons Funktionen, die die Zusammenarbeit und das Networking unter Gleichgesinnten erleichtern sollen, im Wesentlichen handelt es sich dabei um Kommentarfunktionen. Begleitet wird das Ganze von Blogs und Fachartikeln, Umfragen und Whitepapers.

Konzentration auf den Store

"Unser Schwerpunkt liegt mehr auf dem Store als auf der App", sagt Nils Meyer, Principal Consultant für Enterprise-Systeme bei CA. "Schließlich bieten wir PAAS, SAAS, IAAS, Content, Managed Services, und so weiter. Das ist sehr viel komplexer als ein einfacher Download einer App."

Dabei kommen Abrechnungssysteme und komplexe Lizenzmodelle zum Einsatz, die das Zusammenstellen komplexer Lösungen auch mit Material unterschiedlicher Anbieter ermöglichen sollen. Diese Lösungen können vom Auftraggeber geladen – oder von einem Service Provider gehosted werden. Auch kann ein gekaufter Service weiter vertrieben werden, etwa von ISPs.

Aber wie ernst ist es CA mit seinen Cloud Commons? Können sich der Marktplatz und sein Bewertungssystem in der Branche durchsetzen? Oder wird es sich gar als erstes Produkt erweisen, dass CA als "White Label" vertreiben kann? Das wäre dann ein ganz neues Geschäftsmodell für das auf IT-Management spezialisierte Unternehmen. DataCenter-Insider.de fragte bei Machern und Analysten nach.

weiter mit: Erfolg und Chancen von Cloud Commons

Erfolg und Chancen von Cloud Commons

"Anfang Dezember verfügten die CA Cloud Commons über 2204 Mitglieder. Ich gehe davon aus, dass diese Zahl sprunghaft steigen wird, da wir doch gerade das Developer Studio und den Marketplace frei gegeben haben", berichtet Jeffrey Abbott, Product Marketing Manager in der Cloud-Business Unit von CA. Er sitzt in Framingham in der Nähe von Boston.

Seinem Wissensstand nach findet sich noch kein deutscher Partner im Commons-Netzwerk, man habe allerdings auch erst im November mit der Vermarktung hierzulande begonnen. Sein deutscher Kollege Meyer kann sich als Partner durchaus große Hoster wie Strato oder 1&1 Vorstellen.

Jetzt Newsletter abonnieren

Täglich die wichtigsten Infos zu Cloud Computing

Mit Klick auf „Newsletter abonnieren“ erkläre ich mich mit der Verarbeitung und Nutzung meiner Daten gemäß Einwilligungserklärung (bitte aufklappen für Details) einverstanden und akzeptiere die Nutzungsbedingungen. Weitere Informationen finde ich in unserer Datenschutzerklärung.

Aufklappen für Details zu Ihrer Einwilligung

Dabei wäre prinzipiell auch denkbar, dass CA selbst als Hoster für die in Cloud Commons angebotenen Lösungen auftritt. Das wäre ein vergleichsweise überraschender Schritt, aber, so Meyer: "In den 90er Jahren sind wir schon einmal mit unseren Mainframes als Hoster aktiv gewesen. Warum sollten wir nicht noch einmal in ein lukratives Geschäft einsteigen? Statt Mainframes nun eben AppLogic-Grid.“ Aktuell lote man die Bereitschaft der Kunden für solch ein Angebot aus.

Beschränkte App-Anzahl

"Bisher gibt es im Marktplatz 80 Einträge (Stand 15. Dezember 2011). Das heißt, er steckt noch sehr in den Kinderschuhen", urteilt Karin Henkel, Senior Research Director bei Strategy Partners. Es bedürfe noch einiges an Marketing, bis die Aufmerksamkeit der Branche so groß sei, um die Commons auch als White Label vertreiben zu können.

Diese Aufmerksamkeit muss erst ein paar Hürden nehmen: "Meine Recherchen haben ergeben, dass jeder der bei Cloud Commons angemeldet ist, auch einstellen kann. Allerdings muss man sich zuerst als Mitglied anmelden und die AGBs sowohl für den Marktplatz als auch für das Developer Studio akzeptieren. Außerdem muss man vor der Zertifizierung eine Checkliste ausfüllen." Das ist dann doch etwas ausführlicher als im AppStore von Apple.

Ehrgeizige Ziele

Allerdings: Nach der Selbstzertifierung können die Apps sofort genutzt werden. Diese sind zum Teil kostenlos, zum Teil kostenpflichtig. Die Preise variieren ziemlich zwischen 9 bis hin zu 10.000 Dollar per Monat und User. Jede App ist ausgepreist, zumeist inklusive Mengenrabatt.

CA-Manager Abbott beteuert, dass man die Commons mit allem gebotenen Eifer angehe: "Aktuell beschäftigt CA rund 20 Mitarbeiter, die ausschließlich die Cloud Commons betreuen, diesen wird von einer Vielzahl an Kollegen aus den unterschiedlichsten Abteilungen zugearbeitet", so Abbott. Man sei also sehr engagiert, genauso wie viele Drittanbieter, die ihre Angebote bei den Commons einstellten.

Der Autor:

Dr. Dietmar Müller ist ein freier Autor aus München.

(ID:31311170)