Netzwerk- und Anwendungsmonitoring Brauchen SAP-Kunden Performance Management?

Redakteur: Elke Witmer-Goßner

Anwendungen und Netzwerkprotokolle laufen zuverlässig, schnell und reibungslos, versprechen viele Anbieter. SAP gewährleistet zwar tatsächlich eine hohe Performance seiner Lösungen, doch Hardware, Rechenzentrumsinfrastruktur oder Cloud-Anbieter können trotzdem für Verzögerungen sorgen. Wo es wirklich hakt, erkennt nur eine umfassende Lösung für Application Performance Management.

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Wenn SAP-Probleme gar keine sind: Eine APM-Lösung ergänzt bestehende Toolsets wie beispielsweise den SAP Solution Manager und spürt Performance- und Verfügbarkeitsprobleme schnell auf.
Wenn SAP-Probleme gar keine sind: Eine APM-Lösung ergänzt bestehende Toolsets wie beispielsweise den SAP Solution Manager und spürt Performance- und Verfügbarkeitsprobleme schnell auf.
(Bild: Compuware)

Unternehmen möchten mit Hilfe der SAP-Software in der Regel wichtige, erfolgskritische Ziele erreichen: tägliche Arbeitsprozesse verbessern, die Produktivität erhöhen oder Betriebskosten senken. Dazu investieren sie meist erhebliche Summen. Damit die Rechnung aufgeht, muss die IT-Abteilung den schnellen, zuverlässigen Zugang zu SAP-Systemen und -Diensten sichern. Denn die erfolgreiche Nutzung der Lösungen hängt stark von ihrer Performance ab. Doch diese liegt nicht nur an der Anwendung selbst, sondern an den Systemen in der gesamten Service-Lieferkette.

Entsprechend nimmt das Thema Netzwerk- und Anwendungsmonitoring wirtschaftlich und technologisch Fahrt auf. So können einige Anbieter von Performance-Management-Systemen nun die gesamte Anwendungskette messen und überwachen: vom Bildschirm, Tablet oder Smartphone des Mitarbeiters, über das Web und die unternehmensinternen Angebote, die SAP- und Middleware-Ebene, hinunter in die Datenbanken, weiter in virtuelle Maschinen und Netzwerke bis schließlich in die Hardware inklusive Mainframe.

Der Teufel im Detail

Neben Hardware und Software können aber sehr viele andere Bestandteile im Netzwerk oder in der Infrastruktur für Verzögerungen sorgen. Ein großes Thema bei der Fehlersuche und -behebung sind zum Beispiel die immer zahlreicheren Schnittstellen zu Fremdsystemen, mit denen SAP-Kunden heute konfrontiert sind. Oft liegen die Fehler in versteckten Schnittstellen, in der Integration bestimmter Inhalte wie Anmeldefenster und Zugangsdaten, im Sign-on von zu vielen Usern oder ähnlichem. Auch weitere Faktoren, etwa jahreszeitliche Schwankungen der Lagerbestände, können erhebliche Probleme verursachen.

Application Performance Management (APM) gewinnt aber auch strategisch immer stärker an Bedeutung. Denn wie lassen sich die Datenfluten bändigen? Wie können Unternehmen trotz vieler Devices, strukturierter und unstrukturierter Daten, SAP-Anwendungen und anderer Lösungen ihre Systeme im Griff behalten? Wo entstehen Engpässe, wo sind ihre Netzwerke vielleicht sogar überdimensioniert und warum ist etwas nicht schnell genug verfügbar?

Ausschließlich mit SAP-Anwendungen wie dem Solution Manager ist für die Unternehmen eine holistische Analyse daher meist nicht möglich. Sie bieten zwar die notwendigen Einblicke in das SAP-System selbst, jedoch nicht in externe oder Nicht-SAP-Applikationen. Daher ist der Einsatz eines umfassenden Tools für Application Performance Management nötig, das die gesamte Infrastruktur und die komplette Service-Lieferkette aus Sicht des Nutzers prüft. Dazu muss die APM-Lösung mit möglichst vielen Systemen kompatibel sein. Dies gilt sowohl für SAP-Lösungen als auch für Software und Hardware von Drittanbietern. Nur dann lassen sich anhand meist unklarer Symptome die wahren Fehlerursachen schnell und gezielt identifizieren.

Mit einer solchen APM-Lösung lässt sich das gesamte IT-System sofort überblicken und analysieren. Die Daten werden dabei übersichtlich in Dashboards angezeigt – sowohl für die IT-Abteilung als auch für die Geschäftsführung. So können zum Beispiel Administratoren Fehler entdecken und beheben, bevor sie der Nutzer bemerkt. Und Führungskräfte verstehen, welche Anwendungen wie genutzt werden, wo sie investieren müssen und welche Einsparpotenziale bestehen. Entsprechend können überflüssige Hardware und Software entfernt, selten gebrauchte Systeme reduziert und täglich genutzte flexibel angepasst werden. So sorgt APM für konkrete Kosteneinsparungen.

Alle Infrastrukturebenen im Fokus

Durch die Ermittlung der Nutzungs- und Performance-Werte lässt sich auch feststellen, wie eine höhere Produktivität und Effizienz zu erreichen ist. Vor allem geschäftskritische Prozesse stehen dabei im Fokus, die in eine Serie einzelner Schritte aufgeteilt werden. Auf Basis der dadurch gewonnenen Transparenz lässt sich dann für jeden Schritt des Geschäftsprozesses ermitteln, inwieweit Optimierungen möglich sind. Selbst kleine Verbesserungen können eine große Wirkung haben, vor allem bei häufigen oder geschäftskritischen Transaktionen.

Immer wichtiger wird dabei die mobile Nutzung. Gerade hier beschränken niedrige Bandbreiten sowie die oft geringere Kapazität der Mobilgeräte von vornherein die Performance. Selbst kleine Engpässe führen dann umso schneller zu unzufriedenen Nutzern. Doch APM-Lösungen müssen nicht nur mobile Anwendungen kontrollieren können, sondern sich auch selbst per App oder Web-Client über mobile Endgeräte verwenden lassen.

Ein modernes APM-System bietet dabei detaillierten Aufschluss über die tatsächlich vom Anwender erfahrenen Antwortzeiten bei der Interaktion mit den Anwendungen. Zudem liefert es eine genaue Zuordnung, welche Transaktion von welchem Teil der Anwendungslieferkette wie beeinträchtigt wurde.

Dazu misst man beim synthetischen Monitoring die Antwortzeiten geschäftskritischer Anwendungen mit Hilfe automatisierter Agenten, die regelmäßig Transaktionen durchführen und überwachen. Damit lassen sich Performance-Engpässe proaktiv entdecken und beheben. Ergänzt wird dieses Messverfahren durch Real User Monitoring, das jeden Nutzer einer Applikation in die Analyse einbezieht. Hierbei überwachen nichtinvasive Sensoren im Netzwerk die Performance von Transaktionen aus Nutzersicht. Auf Basis der gewonnen Erkenntnisse lässt sich unmittelbar an der richtigen Stelle innerhalb der Applikationsinfrastruktur mit der Fehlersuche beginnen.

Der Rundumblick auf alle Systeme

Um diese zu erleichtern, empfehlen sich einfach nutzbare und intuitiv verständliche Dashboards, die einen schnellen Überblick geben. Jeder Verantwortliche kann genau erkennen, wie viele Nutzer oder welche Standorte von einem bestimmten Problem betroffen sind und welchen Einfluss dieses auf das Business hat. Die Sicht auf die Messwerte wird dabei individuell gestaltet, etwa für den Service-Manager, den IT-Betrieb, den Leiter des Anwendungssupports oder der Fachabteilung. Sie können sogar aus den gesammelten Performance-Daten Trends entdecken, um Prognosen zur künftigen Leistungsfähigkeit zu treffen.

Die Auswertung und Anzeige der Daten erfolgt nahezu in Echtzeit. Denn bei einer Rund-um-die-Uhr-Überwachung der Systeme erstellt die APM-Lösung Grundlinien und Toleranzgrenzen, die bei Überschreitungen oder Änderungen zu Alarmmeldungen führen. Meist lässt sich aus diesen schon der Ort der Problemursache feststellen. Die detaillierten Prüfungen mit Hilfe des Dashboards grenzen den Fehler dann in wenigen Minuten genauer ein. So lässt sich dieser meist schnell und auch remote beheben.

Christian Ambach, Compuware GmbH.
Christian Ambach, Compuware GmbH.
(Bild: Compuware)
* Der Autor Christian Ambach ist seit 2013 als Head of Center of Excellence for SAP bei Compuware tätig. In dieser Rolle verantwortet er im Bereich APM den weiteren Ausbau der Zusammenarbeit mit SAP. Seit zwei Jahren ist Big Data ein weiterer Themenschwerpunkt seiner Tätigkeit.

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