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Modulare SAP ERP-Erweiterungen Brachliegende Innovationen in Enhancement Packages nutzen

Autor / Redakteur: Dr. Andreas Hufgard * / Florian Karlstetter

SAP entwickelt ihre Produkte und Lösungen immer weiter. Der Softwarehersteller aus Walldorf stellt seinen Kunden neue Funktionalitäten in Form von so genannten ‚Enhancement Packages‘ (EHP) zur Verfügung. Diese bilden somit einen wichtigen Ast in der umfangreichen Innovationsbibliothek, die SAP den Anwenderunternehmen bereitstellt.

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SAP bietet mit den Enhancement Packages regelmäßig modulare Erweiterungen mit einer Vielzahl neuer Funktionen und technischen Verbesserungen. Allerdings müssen die Neuerungen auch in geeigneter Form kommuniziert und den Fachabteilungen näher gebracht werden.
SAP bietet mit den Enhancement Packages regelmäßig modulare Erweiterungen mit einer Vielzahl neuer Funktionen und technischen Verbesserungen. Allerdings müssen die Neuerungen auch in geeigneter Form kommuniziert und den Fachabteilungen näher gebracht werden.
(© michaelstockfoto - Fotolia.com)

Die Enhancement Packages für die SAP-ERP-Anwendung beinhalten in aller Regel zahlreiche verbesserte Softwarefunktionen, die sich modular implementieren lassen. Umfangreiche Upgrade-Projekte sind daher beispielsweise nicht mehr nötig. Die Kernsoftware der Unternehmen bleibt also unbeeinträchtigt, weil sie aus einer Vielzahl neuer Funktionen und technischen Verbesserungen nur jene aktivieren können, die sie auch wirklich benötigen. Soweit die Theorie.

In der Praxis erzeugt jedoch nicht jede funktionale Neuerung auch automatisch eine Verbesserung des Geschäftsablaufs in den Unternehmen. Diese stehen demnach vor der betriebswirtschaftlichen Herausforderung, ähnlich wie bei der Implementierung einer SAP-Lösung, aus einer Vielzahl an neu zur Verfügung gestellten Funktionen, die für sie relevanten zu identifizieren und entsprechend zu bewerten.

Funktionale Erweiterungen unterliegen Primat der Technik

Fragt man die SAP-Verantwortlichen in verschiedenen Anwenderunternehmen, woran sich aus ihrer Sicht die betriebswirtschaftlichen Innovationspotenziale der Enhancement Packages identifizieren lassen, kommen interessante Antworten zum Vorschein. Viele von ihnen sind der Ansicht, dass der Umgang mit EHPs im Unternehmen hauptsächlich in der IT-Abteilung verantwortet und infolgedessen auch von dieser gesteuert wird. Zudem geben die Verantwortlichen zu Protokoll, dass die Aktivierung der so genannten ‚Business Functions‘ eines Erweiterungspaketes primär von technischen Anforderungen und Parametern bestimmt wird. Schlussendlich sind sich die Befragten darin einig, dass die Impulse für neue funktionale Erweiterungen ausschließlich aus dem IT-Bereich kommen.

Diese Antworten lassen folgende Schlussfolgerung zu: Da in keinem der uns bekannten Fälle eine Person aus den Fachbereichen dafür zuständig war, sich kontinuierlich mit den neuen Funktionalitäten der Enhancement Packages zu beschäftigen, liegt die Vermutung nahe, dass hier viel ungenutztes Potenzial schlummert.

Die von SAP zur Verfügung gestellten Erweiterungspakete liefern viele Funktionalitäten, die den Unternehmen durchaus einen Nutzen bringen würden. Wenn die Fachexperten im Unternehmen nur davon wüssten.

Fachexperten überzeugen (können)

Selbstredend ist es Aufgabe der SAP, ihre Neuerungen in geeigneter Form zu kommunizieren und gut zu erklären. Hier gibt es unserer Ansicht nach sicherlich noch viel zu tun. Allerdings gibt es auch in den Anwenderunternehmen selbst Handlungsbedarf. Sowohl die IT als auch die Fachbereiche haben hier einige Hausaufgaben zu erledigen. So gilt es zu klären, wie der richtige Ansprechpartner im Fachbereich identifiziert werden kann? Darüber hinaus ist es empfehlenswert, dass sich die SAP-Verantwortlichen darüber im Klaren sind, welche Informationen bereitgestellt und umgekehrt evaluiert werden müssen.

Oder anders formuliert: Die IT-Abteilung mit ihrem umfangreichen SAP-Wissen muss ihre internen „Kunden“ aus den einzelnen Fachbereichen auch erreichen und überzeugen können. Ein Lösungsbaustein um diese Herausforderung zu meistern, ist es, mittels einer systembasierten Nutzungsanalyse – beispielsweise mit RBE Plus – im produktiven SAP-System des Unternehmens die richtigen Ansprechpartner in den Teilprozessen einzugrenzen und zu ermitteln. Wenn es beispielsweise in einem Unternehmen nur fünf Anwender gibt, die ‚Anzahlungen‘ bearbeiten, ist es sinnvoll, gezielt diese Fachanwender über die entsprechenden Neuerungen, die ein Enhancement Package dafür bereitstellt, zu informieren und sich mit ihnen abzustimmen.

Ein weiterer unternehmensspezifischer Aspekt, den es unseres Erachtens in diesem Zusammenhang zu berücksichtigen gilt, wäre eine Wirtschaftlichkeitsbetrachtung. Kosten- und Nutzenstrukturen können sich bei den Unternehmen sehr stark unterscheiden und es wird somit weit mehr Input, beispielsweise Angaben über Mengengerüste oder zu strategischen Anforderungen, für eine umfassende und belastbare Wirtschaftlichkeitsbeurteilung benötigt. Auch hier unterstützt eine systembasierte Nutzungsanalyse zuverlässig und wirkungsvoll.

Zu guter Letzt kann eine solche Vorgehensweise auch auf vollkommen neue Produkte, die nicht im Rahmen von EHPs zur Verfügung gestellt werden und für die zusätzliche Lizenzkosten anfallen, eingesetzt werden. Unabhängig davon empfehlen wir jedoch, dass die Unternehmen gut beraten sind, wenn sie mindestens einmal im Jahr ihr Augenmerk auf die über die Erweiterungspakete der SAP zur Verfügung gestellten Innovationen richten. Schließlich sind diese funktionalen Erweiterungen bereits verfügbar und lizenziert. Also sollten die Anwenderunternehmen alles daran setzen, dass deren Nutzen nicht einfach brachliegt.

Dr. Andreas Hufgard, Leiter der IBIS Labs bei der IBIS Prof. Thome AG
Dr. Andreas Hufgard, Leiter der IBIS Labs bei der IBIS Prof. Thome AG
(Bild: IBIS Prof. Thome AG)

Der Autor

Dr. Andreas Hufgard ist Leiter der IBIS Labs bei der IBIS Prof. Thoma AG

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