Gehälter von IT-Fachkräften liegen im Branchenvergleich hoch Bitkom signalisiert: 43.000 offene Stellen für IT-Experten

Redakteur: Ulrike Ostler

In Deutschland gibt es derzeit rund 43.000 offene Stellen für IT-Experten. 5.000 mehr als im Vorjahr. Das Ergebnis entstammt einer repräsentativen Umfrage, die das Meinungsforschungsinstitut Aris im Auftrag des Branchenverbands Bitkom unter 1.500 Geschäftsführer und Personalleiter von Unternehmen unterschiedlicher Branchen erhoben hat.

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Im Auftrag des Bitkom hat das Meinungsforschungsinstitut Aris 1.500 Geschäftsführer und Personalleiter von Unternehmen unterschiedlicher Branchen befragt. Die Umfrage ist repräsentativ für die Gesamtwirtschaft.
Im Auftrag des Bitkom hat das Meinungsforschungsinstitut Aris 1.500 Geschäftsführer und Personalleiter von Unternehmen unterschiedlicher Branchen befragt. Die Umfrage ist repräsentativ für die Gesamtwirtschaft.
(Quelle: Bitkom)

Der Anstieg der offenen IT-Stellen von 2011 auf dieses Jahr beträgt 13 Prozent. Innerhalb von drei Jahren hat sich damit die Zahl der unbesetzten Stellen um 23.000 mehr als verdoppelt.

Bitkom-Präsident Dieter Kempf kommentiert „Die etwas eingetrübten Wachstumsaussichten der Gesamtwirtschaft haben noch keine Auswirkungen auf den IT-Arbeitsmarkt.“ Somit bleibt der Fachkräftemangel nach Einschätzung der befragten Unternehmen ein gravierendes Problem.

Jedes zweite Unternehmen (50 Prozent) gibt an, dass aktuell ein Mangel an IT-Spezialisten herrscht. Das sind zwar etwas weniger als im Vorjahr mit 58 Prozent, allerdings erwartet auch jedes zweite Unternehmen (50 Prozent), dass sich in Zukunft der Fachkräftemangel weiter verschärft. Nur acht Prozent der Unternehmen meinen, dass fehlende Fachkräfte künftig eine geringere Rolle spielen wird.

Rund 18.000 der unbesetzten Stellen gibt es in der Informations- und Kommunikationstechnik selbst, 15.000 davon bei den Anbietern von Software und IT-Dienstleistungen. Weitere 2.400 IT-Experten werden von Hardwareherstellern und Produzenten von Unterhaltungselektronik gesucht, 600 von Anbietern von TK-Dienstleistungen.

Am meisten gesucht: Software-Entwickler

Diese Verteilung spiegelt sich auch in den gesuchten Qualifikationsprofilen wieder. Drei Viertel (75 Prozent) der ITK-Unternehmen, die freie Stellen haben, suchen Software-Entwickler. Mit deutlichem Abstand folgen IT-Berater (24 Prozent), Marketing- und Vertriebsspezialisten (23 Prozent), Anwendungsbetreuer und Administratoren (20 Prozent). Ebenfalls häufig gesucht werden Projekt-Manager (8 Prozent) und IT-Sicherheits-Experten (7 Prozent).

Erstmals wurde in der Umfrage untersucht, für welche Aufgabenbereiche die IT-Spezialisten benötigt werden. Ganz oben stehen mit 31 Prozent betriebswirtschaftliche Anwendungen. Dicht dahinter folgen IT-Sicherheit mit 28 Prozent und Cloud Computing mit 27 Prozent.

Ebenfalls eine kräftige Nachfrage gibt es bei den Themen Social Media mit 13 Prozent sowie Programmierung von mobilen Webseiten und Apps mit 12 Prozent. Der Boom bei Tablets und die Absatzrekorde bei Smartphones schlagen hier unmittelbar auf den Arbeitsmarkt durch, so die Studie.

Acht von zehn suchen Administratoren und Applikationsbetreuer

Die Informations- und Kommunikationstechnik (ITK) sorgt für neue Arbeitsplätze.
Die Informations- und Kommunikationstechnik (ITK) sorgt für neue Arbeitsplätze.
(Quelle: Bitkom/Bundesnetzagentur/Bundesanstalt für Arbeit)
Weitere 25.000 unbesetzte Stellen gibt es bei den Anwendern von ITK-Lösungen in den übrigen Branchen. Fast acht von zehn Unternehmen (79 Prozent), die freie IT-Stellen haben, suchen Administratoren und Anwendungsbetreuer.

Mit deutlichem Abstand folgen IT-Berater mit 24 Prozent sowie Software-Entwickler mit 11 Prozent. Auch bei den Anwendern wurde erstmals gefragt, für welche Aufgabenbereiche IT-Spezialisten gesucht werden. 62 Prozent suchen IT-Experten für betriebswirtschaftliche Anwendungen. Mit großem Abstand folgen die Themen IT-Sicherheit (30 Prozent) und Cloud Computing (12 Prozent).

Die Gehälter in der ITK-Branche sind im Branchenvergleich „außerordentlich gut“, teilt Bitkom mit und beruft sich auf eine Auswertung von Daten des Statistischen Bundesamtes. Im Jahr 2011 erhielten Vollzeitbeschäftigte in der ITK-Wirtschaft ein Bruttojahresgehalt von durchschnittlich rund 59.000 Euro.

Es winken gute Verdienstmöglichkeiten

Damit liegt die Hightech-Branche rund 5.000 Euro vor dem Fahrzeugbau, 6.000 Euro vor der chemischen Industrie und sogar etwa 8.000 Euro vor dem Maschinenbau. Nur in der Energieversorgung, die allerdings anders als die mittelständisch geprägte ITK-Branche von großen Konzernen dominiert wird, wird mit 60.850 Euro etwas mehr gezahlt.

Bitkom-Präsident Kempf dazu: „Unsere Untersuchung belegt, wie dynamisch der IT-Arbeitsmarkt in Deutschland ist und welche Bedeutung er für Wachstum und Wohlstand hat. Die Beschäftigtenzahl in der Branche könnte noch viel höher sein, wenn mehr Fachkräfte vorhanden wären, um den Bedarf der Unternehmen zu decken, ergänzt er.

Der Verband habe deshalb eine Drei-Säulen-Strategie vorgeschlagen. Sie bestehe aus einer Reform des Bildungssystems, einer Qualifizierungsoffensive, mit der unter anderem mehr weibliche Fachkräfte gewonnen werden können, und verstärkter Zuwanderung.

Qualifizierung und Anwerbung im Ausland

Jetzt gibt es bereits zu wenig IT-Fachkräfte, in Zukunft wächst das Problem.
Jetzt gibt es bereits zu wenig IT-Fachkräfte, in Zukunft wächst das Problem.
(Quelle: Bitkom)
So begrüße der Bitkom, dass seit 1. August freie Stellen leichter durch hochqualifizierte Ausländer aus Nicht-EU-Ländern besetzt werden können. Die Bundesregierung habe dazu die „Blaue Karte EU“ in deutsches Recht umgesetzt und so unter anderem die Verdienstgrenzen gesenkt.

„Vor allem für kleine und mittelständische Unternehmen ist das von entscheidender Bedeutung“, sagt Kempf. „Die Politik hat damit auf die Kritik der Wirtschaft reagiert. Auf Basis des alten Zuwanderungsrechts lag die Zahl der IT-Spezialisten, die zuletzt aus Ländern außerhalb der EU nach Deutschland kamen, bei weniger als 2.500 pro Jahr.“

Neben einer verstärkten Zuwanderung muss aus Bitkom-Sicht das Interesse an technischen Berufen und der Informatik bereits in der Schule geweckt werden. Kempf fordert deshalb ein Pflichtfach Informatik in der Sekundarstufe I.

Mehr Informatik an und in die Schulen!

Dabei sei von entscheidender Bedeutung deutlich zu machen, dass Informatik mehr ist als Programmieren. IT sei eine Querschnittstechnologie, die alle Lebensbereiche berührt. Es gehe bei der Arbeit mit Computern um Kreativität, Gestaltung und den Kontakt mit Menschen.

An den Hochschulen haben im vergangenen Jahr zwar 48.000 Studenten ein Studium der Informatik begonnen, aber bei einer Abbrecherquote von rund 50 Prozent werden in einigen Jahren nur 20.000 bis 25.000 Absolventen übrig bleiben. Der Bitkom fordert deshalb eine ausreichende Mittelausstattung an den Hochschulen, und parallel dazu eine Anpassung der Lehre an das veränderte Lernverhalten der Studenten. Intelligente Bildungsnetze seien eine Möglichkeit, Ressourcen zu teilen und effizient einzusetzen.

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