Es muss nicht immer Luca sein Besuchermanagement aus der Cloud boomt

Autor / Redakteur: Dr. Dietmar Müller / Elke Witmer-Goßner

Nicht erst, aber doch gerade durch Corona hat das Thema Besuchermanagement für Unternehmen, Kliniken, Behörden und andere Organisationen vehement an Bedeutung gewonnen. Ein Überblick über große und kleine Lösungen abseits der vielbeworbenen Luca-App.

Durch Corona hat das Thema Besuchermanagement vehement an Bedeutung gewonnen.
Durch Corona hat das Thema Besuchermanagement vehement an Bedeutung gewonnen.
(Bild: gemeinfrei© TheDigitalArtist / Pixabay )

Die Luca-App geistert gefühlt durch jede zweite Sondersendung zum Corona-Virus – ist also medial dauerpräsent. Die von Michael Bernd Schmidt alias Smudo, einem Sänger der Fantastischen Vier, beworbene Anwendung bietet unter Federführung der neXenio GmbH, einer Ausgründung des Hasso-Plattner-Instituts, eine Möglichkeit der Kontaktnachverfolgung. So können Besucher eines Restaurants, einer Bar oder bei einer Veranstaltung ihre Anwesenheit vergleichsweise einfach dokumentieren.

Das geht so: Anwender verschlüsseln mit der Luca-App ihre persönlichen Daten und erstellen daraus einen temporären QR-Code. Nur das Gesundheitsamt kann diesen decodieren. Die Kontaktdatenübermittlung erfolgt verschlüsselt durch den Scan des QR-Codes. Die Betreiber versprechen, dass die Informationen entsprechend ISO-27001 zweifach verschlüsselt, auf deutschen Servern gespeichert und nach maximal 30 Tagen gelöscht werden.

Alternativen zu Luca

Das Konzept überzeugt – zuallererst das Land Mecklenburg-Vorpommern, das Anfang März eine Lizenz für die Nutzung erworben hat. Aber es gibt jede Menge Alternativen:

  • Die „Herein!“-App verwandelt beispielsweise ebenfalls Kontaktdaten in einen QR-Code, der in Clubs, Restaurants und allen Geschäften, die Herein! Unterstützen, eingescannt werden kann. Eine zentrale Speicherung der persönlichen Informationen finde nicht statt.
  • Die „Darfichrein“-App ging aus dem WirVSVirus-Hackathon der Bundesregierung hervor und wird u.a. vom bayerischen Digitalministerium unterstützt. Die Anstalt für Kommunale Datenverarbeitung (AKDB) & DEHOGA Bayern als Betreiber erstellen den QR-Code des Gastes direkt im Browser, ganz ohne App. Auch hier gibt es eine Ende-zu-Ende Verschlüsselung, die Daten werden im Hochsicherheitsrechenzentrum der AKDB abgelegt.
  • Die „Vida“-App kann das auch alles, wirbt aber zusätzlich damit, dass es sich auch ohne Smartphone nutzen lässt: Anwender können den QR-Code auf eine sogenannte VIDAcard ziehen und diese beispielsweise im Portemonnaie mitführen.
  • Das Dresdner Unternehmen eKiosk hat erst vor kurzem seine erste Eigenentwicklung für das automatisierte Besuchermanagement „redpengoo“ vorgestellt. Auch diese App setzt auf QR-Code-Scanner.

Besuchermanagement der besonderen Art findet seit September vergangenen Jahres in der Wisag Zentrale in Frankfurt am Main statt. Dort begrüßt ein digitaler Besucherassistent namens Hugo gemeinsam mit seinen menschlichen Kollegen die Gäste am Empfang – es handelt sich um einen humanoiden Roboter, der gemeinsam mit dem Service-Robotics-Hersteller pi4_robotics entwickelt wurde.

Der digitale Besucherassistent Hugo unterstützt Empfangsteams bei Routineaufgaben.
Der digitale Besucherassistent Hugo unterstützt Empfangsteams bei Routineaufgaben.
(Bild: Wisag)

Die Besuchermanagement-Software stammt von EnterSmart – mit ihr kann Hugo angekündigte Besucher eigenständig anmelden und in etwa zwei Minuten den kompletten Check-in-Prozess vollautomatisch durchführen. Er begrüßt Gäste mit Sprachausgabe, scannt Ausweise, gleicht Gesichter ab, gibt Besucherkarten aus und erklärt bei Bedarf den Weg durchs Haus. In Corona-Zeiten durchaus interessant.

Das geht noch besser – Besuchermanagement für Firmen

Generell erfreuen sich die genannten Anwendungen aktuell großer Aufmerksamkeit. Dabei ist das Besuchermanagement ein alter Hut, schließlich kontrolliert jedes vernünftige Unternehmen den Zugang zu seinem Betrieb. Lang gediente Anwendungen sind beispielsweise ALICE Receptionist, Autonix, CONCIERGEpad, CoReceptionist, Donesafe, EVA Check-in, Gate Sentry, Greetly Digital Receptionist, HID WorkforceID Visitor Manager, Ident-A-Kid Visitor Management, Lobbipad, MRI Software, Proxyclick, Raptool, ScholarChip, Sine, Sign In App, SwipedOn, Teamgo, The Receptionist for iPad, TrackTik, Traction Guest, Veristream, Villo, Vizito, Vizitor, Visitors (Envoy), Visitor Management (Bisner), Visitor Management (iLobby), VisitUs Reception, WhosOnLocation, iOFFICE oder Teem – um nur ein paar aus buchstäblich Tausenden von Möglichen zu nennen.

Die SB-Einlass-Einheit „Speedy“ von Aditus inklusive Scanning-Terminal.
Die SB-Einlass-Einheit „Speedy“ von Aditus inklusive Scanning-Terminal.
(Bild: Aditus)

Die Messen in München und Hannover – altgedienten IT-lern nur zu gut durch Systems und CeBIT bekannt – setzen beispielsweise auf Aditus und seine ausgedruckten Tickets mit Barcode, die es natürlich auch als E-Tickets gibt. Herzstück des Besuchermanagements ist die SB-Einlass-Einheit „Speedy“: Ein Scanning-Terminal mit integriertem Online-Registrierungs- und Ticketingsystem kombiniert mit einem Hochleistungsbadgedrucker, der auf ein Drehkreuz montiert ist. Quasi im Vorbeigehen werden registrierte Besucher anhand ihres E-Tickets erkannt.

Ganz im Zeichen von Corona steht das Einlasskontrollsystem ViCo („Visitor Control“) von dimedis, das im vergangenen Jahr mit dem Digital Champions Award in der Kategorie „Digitale Transformation Mittelstand“ ausgezeichnet wurde. ViCo steuert den Einlass durch akustische und audiovisuelle Kommunikation und stellt so sicher, dass alle eintretenden Personen einen Mund-Nasen-Schutz tragen. Dabei werden auch Besucherstatistiken erfasst. Das System kommt bereits im Kölner Zoo zum Einsatz.

Zutrittskontrolle mit ViCo von dimedis im Kölner Zoo.
Zutrittskontrolle mit ViCo von dimedis im Kölner Zoo.
(Bild: dimedis)

Entrust VMaaS

Zurück zum „normalen“ Besuchermanagement: Gerade erst hat Entrust mit dem „Visitor Management as a Service“ (VMaaS) eine neue, cloud-basierte Lösung vorgestellt. Auch hier wird aus den persönlichen Daten von Anwendern ein individueller QR-Code erstellt, der dann auf das Smartphone geladen wird. Exemplarisch stellen wir sie an dieser Stelle vor:

Sobald Gäste ein Gebäude betreten, scannen sie den QR-Code oder melden sich manuell über einen Touchscreen-Kiosk an. Das Benutzermenü am Kiosk lässt sich an spezifische Bedürfnisse anpassen – zum Beispiel hinsichtlich der angebotenen Sprachen oder zusätzlicher COVID-19-Sicherheitsverfahren. Nach erfolgreichem Einchecken werden Ausweise für die Besucher gedruckt.

Entrust VMaaS lässt sich über API in bestehende Systeme wie LDAP, SAML 2.0, Azure AD, Outlook-Plug-in, Active Directory und Cisco ISE integrieren Das Verfahren erfüllt Compliance- und Reporting-Anforderungen inklusive C-TPAT, GDPR, HIPAA, OSHA, JCAHO, ITAR, SOC 2, FSMA und GLBA.

„Unser cloud-basierter Ansatz für das Besuchermanagement bietet eine zeitgemäße und komfortable Lösung, um die Sicherheit von Mitarbeitern zu gewährleisten und bei Notfällen schnell zu reagieren“, so Jagdish Rebello, PhD, Senior Manager of Software Products bei Entrust.

Fazit

Das Angebot ist riesig – in Zeiten der Corona-Panik können Unternehmen unter einer Vielzahl an Apps und Systemen für das Besuchermanagement wählen – selbstredend aus der Cloud. Diese sorgen nicht nur für die Nachverfolgbarkeit von Personen, sondern liefern zusätzlich auch wertvolle Informationen über die liebe Kundschaft. Wenn da bloß der lästige Datenschutz nicht wäre…

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Über den Autor

Dr. Dietmar Müller

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Journalist