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Verbot inhaltlicher Zensur schließt kostenpflichtige Dienstpriorisierung nicht aus BCC münzt Netzneutralität auf kommerzielles Netzwerkangebot um

| Autor / Redakteur: Dirk Srocke / Dipl.-Ing. (FH) Andreas Donner

BCC betreibt ein eigenes Hochleistungs-Backbone, vernetzt Standorte zahlender Geschäftskunden per MPLS-VPN und nutzt das Thema Netzneutralität zur Werbung in eigener Sache. Laut Lesart des Unternehmens sollen Inhalte zwar nie zensiert werden; kostenpflichtig priorisierte Datenverkehre hält der Anbieter jedoch für wenig anrüchig.

Zum Thema Netzneutralität gehören politische Kontroversen und pragmatische Kostenfragen.
Zum Thema Netzneutralität gehören politische Kontroversen und pragmatische Kostenfragen.
( Archiv: Vogel Business Media )

Die von Netzaktivisten eisern geforderte Netzneutralität gibt es eigentlich nicht, behauptet die Business Communication Company (BCC), Anbieter von Managed Services. Dabei verweist der Dienstleister beispielsweise auf iPhones, die sich erst nach zusätzlich aufgebuchten Tarifen mit dem VoIP-Dienst Skype nutzen lassen. Ähnlich verhalte es sich mit Providern ohne gegenseitige Peering-Verträge. Die müssten für den Transport eigener Daten durch fremde Netze unter Umständen bereits heute zusätzliche Kosten entrichten.

Für Geschäftskunden bedeutet das im Klartext: Durchgängig priorisierte Daten und garantierte Dienstgüten sind schon jetzt kostenpflichtig. Sollen derlei Verbindungen über das Internet realisiert werden, müssen dedizierte Bandbreiten oder Leitungen gebucht werden.

Für Kunden, denen die BCC-Infrastruktur genügt, bietet Dienstleitster BCC zwei Optionen. Zum einen können Anwender ihren Traffic mit Labels versehen, also durch entsprechend konfigurierte, eigene LAN-Switches klassifizieren. Ein Customer Edge (CE) Router zwischen Kunden-LAN und BCC-Netz erkennt die Labels und sorgt für eine entsprechende Weiterleitung. Alternativ bietet BCC Kunden an, Daten auf Basis des jeweils genutzten Übertragungsprotokolls einer Verkehrsklasse zuzuordnen.

Die skizzierte, zuverlässige Priorisierung in der eigenen Infrastruktur bietet BCC unter den Bezeichnungen VPN und BCC Yournet an. Die versprochene „BCC-weite Netzneutralität“ beschränkt sich dabei auf das Netz des Anbieters und beinhaltet paradoxerweise bereits Priorisierungsvorgaben. Diese sind aber immerhin für den Kunden transparent.

Ideologisch ist man jedoch ganz nah bei den Netzaktivisten. BCC-Geschäftsführer Josef Glöckl-Frohnholzer meint plakativ: „Aus unserer Sicht darf kein Provider nach inhaltlichen Kriterien Einfluss auf die Verfügbarkeit oder Priorität von Daten aus dem Netz nehmen.“

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