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Lünendonk-Whitepaper Banken-IT in Bedrängnis

| Autor / Redakteur: Dr. Dietmar Müller / Elke Witmer-Goßner

Laut einer Analyse von Lünendonk & Hossenfelder ist der Wandel im Banking zur digitalen Plattform-Ökonomie in vollem Gange, aber einige Banken laufen der Entwicklung hinterher.

Der Banksektor sei seit einigen Jahren von Disruption wie Google, Amazon, Facebook und Apple bedroht.
Der Banksektor sei seit einigen Jahren von Disruption wie Google, Amazon, Facebook und Apple bedroht.
(Bild: gemeinfrei© TheDigitalArtist / Pixabay )

Die IBM-Manager Andreas Wodtke und Frank Theisen erklärten gerade erst, dass im Office-Bereich und in der HR-Abteilung heute auch in der Finanzbranche auf breiter Front cloud-gestützte Lösungen laufen. Ein anderes Bild zeige sich allerdings in der Tat bei Funktionalitäten, die enger an die Kernservices von Banken heranrücken. Für den Kernbank-Bereich gebe es Vorreiterinstitute, aber die Anwendungsfälle für Software-as-a-Service oder vergleichbare Funktionalitäten lägen derzeit noch im einstelligen Prozentbereich.

Auch die Marktforscher von Lünendonk & Hossenfelder berichten in ihrem Whitepaper „Die Banken-IT in der Transformation zu digitalen Ökosystemen“, dass viele Banken in der Vergangenheit ihre Transformationsvorhaben im Hinblick auf mehr digitale Geschäftsmodelle nicht hoch genug priorisiert und fokussiert verfolgt haben. Erfolgreiche, rein digitale und plattformbasierte Geschäftsmodelle im Banking seien im deutschsprachigen Raum bisher eher selten und kämen überwiegend von Neobanken und Start-ups, die auch neue Maßstäbe bei digitalen Kunden-Touchpoints und der Customer Experience setzten.

Google, Amazon, Facebook und Apple graben Banken das Wasser ab

Der Banksektor sei seit einigen Jahren von Disruption wie Google, Amazon, Facebook und Apple bedroht. Neobanken, Zahlungsdienstleister wie Klarna oder PayPal sowie eine ganze Reihe an Fintechs zielten mit innovativen digitalen Produkten und hoher Customer Experience auf die Bankkunden.

Daneben käme auf die Banken seit 2019 ein verstärkter Handlungsdruck durch den Gesetzgeber zu: Banken sind durch die Zahlungsdienstleisterrichtlinie PSD2 verpflichtet, ihre Schnittstellen gegenüber Drittanbietern zu öffnen. Somit können beispielsweise die Kunden einer traditionellen Bank auf digitale Angebote von Drittanbietern zugreifen. Durch PSD2 würden Banken nun stärker getrieben, ihre traditionellen Silostrukturen und die funktionale Trennung der Bankorganisation aufzulösen und sich als ein wie auch immer gearteter Teil von digitalen Plattformen und Ökosystemen weiterzuentwickeln.

„Banken müssen, wenn sie Teil der digitalen Plattform-Ökonomie sein wollen, eine offene Systemumgebung schaffen, durch die der Bankkunde nahtlos auf die eigenen Angebote als auch auf die von Drittanbietern zugreifen kann“, so Mario Zillmann, Partner bei Lünendonk & Hossenfelder und Autor des Whitepapers. „Dadurch ergeben sich für Banken neue Ertragsquellen, neue Möglichkeiten der Kundenbindung sowie neue Geschäftsmodelle. Banken müssen ihre IT-Architektur radikal an die veränderten Anforderungen anpassen sowie ihre IT-Systeme umbauen.“

Der Um- und Aufbau sowie die Einführung von Cloud-Plattformen könnten Banken aufgrund fehlender Skills und Erfahrungswerte nicht immer aus eigener Kraft stemmen, sie seien aber wegen der hohen Innovations- und Technologiegeschwindigkeit zum Handeln gezwungen. Folglich nehme der Bedarf an externer Unterstützung zu, wobei ganzheitliche Dienstleistungen – von der Konzeption über die Prozess- und IT-Architektur bis hin zu Bau und Implementierung von IT-Plattformen – stark an Bedeutung gewännen.

Voraussetzungen für eine erfolgreiche Bank-IT-Transformation

„Die digitale Transformation beschreibt einerseits, wie sich die Technik verändert, andererseits aber auch, wie sich die Kunden verändern und wie sie künftig Banking erleben möchten“, so Raphael Vaino, Managing Director bei Senacor. „Digitale Angreifer machen vor, wie Plattformen den Alltag von immer mehr Verbrauchern prägen und wie sie ihr Angebot in rasender Geschwindigkeit skalieren. Wenn die Banken sich nicht endgültig abhängen lassen wollen, müssen sie sich auf neue Technologien wie Cloud, Microservices und plattformunabhängige IT einlassen und sich so in die Lage versetzen, eines Tages selbst wieder den Ton mit angeben zu können.“

Das Lünendonk-Whitepaper ist in Zusammenarbeit mit der IT- und Managementberatung Senacor entstanden und kostenfrei verfügbar.

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Über den Autor

Dr. Dietmar Müller

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Journalist