Maßgeschneidert und doch expansiv Automatisch skalierbare Applikationen für effizientere Clouds

Autor / Redakteur: Stefan Schäfer und Nicolas Roger* / Elke Witmer-Goßner

Neue intelligente Anwendungen, die auf die automatische Skalierung von Infrastrukturen zugeschnitten sind, ermöglichen den Einsatz neuer Technologien und eine Ausweitung bisheriger Geschäftsmodelle. Um das wirtschaftliche Wachstum kontinuierlich anzutreiben bedarf es kontinuierlicher Innovation.

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Dezentral und intelligent entwickelte Anwendungen, die in Echtzeit automatisch skalieren können, passen ihren Umfang dem Nutzerverhalten an und halten die Infrastrukturkosten gering.
Dezentral und intelligent entwickelte Anwendungen, die in Echtzeit automatisch skalieren können, passen ihren Umfang dem Nutzerverhalten an und halten die Infrastrukturkosten gering.
(Bild: © sdecoret - stock.adobe.com)

Eine Weiterentwicklung der zugrundeliegenden Cloud-Technologie gehört natürlich auch dazu. Dazu zählen beispielsweise die Konzepte von Multi-Cloud und Hybrid-Cloud – also die Kombination von Public- und Private-Cloud-Lösungen oder von Cloud- und On-Premises-Lösungen. Sie ermöglichen es, Geschäftsprozesse in Abhängigkeit der speziellen Anforderungen an Bereiche wie Datensicherheit effizienter und flexibler zu gestalten.

Der Weg hin zu Multi- und Hybrid-Cloud-Szenarien erfordert ein Umdenken bei der Entwicklung von Anwendungen, die die entsprechenden Produkte und Services ermöglichen. Neue intelligente Anwendungen, die automatisch skalieren können oder sogar ihre eigene Infrastruktur automatisch erweitern, ermöglichen neue Geschäfts- und Technologiemodelle.

Kunde und seine Anwendungen im Mittelpunkt

Die Entwicklung von Applikationen ist nicht mehr bloß eine Aufgabe für Entwickler und Infrastrukturmanager. Mit dem Kunden im Mittelpunkt hängen Funktionalität und Benutzerfreundlichkeit mehr von dessen Bedürfnissen ab und weniger von der Wahl der Infrastruktur.

Ein Beispiel: Ein Unternehmen mit einer privaten Infrastruktur, privaten Netzwerken und einer On-Premises-Cloud möchte jederzeit die volle Kontrolle über Budget, Sicherheit und Technik haben. Dies führt zwangsläufig zu einer Einschränkung der Kreativität und Agilität der Anwendungsentwickler. Das Hinzufügen von Features oder die Bereitstellung der Anwendung in neuen Regionen erfordert eine Anpassung der Infrastruktur und der Netzwerke.

Der Zugang zu Daten und die Synchronisierung mit anderen Systemen sind die Voraussetzung für externe Zusammenarbeit und Partnerschaften mit anderen Unternehmen. Dabei gestalten sich sicherheitsrelevante Fragen in heterogenen Umgebungen komplexer. Die Einhaltung von vorher definierten Budgets und die effektive Interaktion eines Unternehmens mit seinem Partnernetzwerk bleiben als Grundanforderungen natürlich zusätzlich bestehen.

Doch was passiert, wenn man diesen Prozess umkehrt und zuerst an Anwendungen und Services denkt? Die Teams konzentrieren sich dann zunächst auf die Front-End-Spezifikationen. Einerseits also auf das, was der Kunde später sehen wird, und andererseits darauf, wie man ein neues Angebot in Web-, Mobil- und eingebetteten Anwendungen attraktiver und lesbarer macht. Erst dann stellt das Unternehmen die notwendigen Mittel zur Verfügung, um neue Innovationen zu schaffen. Dabei werden neue Lösungen und Anwendungen zuerst getestet, während sich das Unternehmen ansonsten vordergründig auf sein eigentliches Kerngeschäft und seine Rentabilität konzentriert.

Autoskalierungsfähig: der neueste Schrei

Der Infrastrukturmarkt ist heute in der Lage, Anwendungen zu ermöglichen und Backend-Services anzupassen, wenn sich die Anforderungen ändern. Ein Beispiel dafür sind die saisonalen Spitzen im E-Commerce, aber auch die Anpassung von Produkten und Dienstleistungen. Natürlich zählen dazu auch veränderte Nutzungsgewohnheiten, wie man sie aktuell durch die weltweite Pandemie beobachten kann.

Möglich wird dieser Paradigmenwechsel aber erst durch die Entwicklung dezentraler und intelligenter Anwendungen, die in Echtzeit automatisch skalieren können, um ihren Umfang an das Nutzerverhalten anzupassen und die Infrastrukturkosten im Pay-as-you-go-Modell zu optimieren. Dank öffentlicher Infrastruktur oder eines Multi-Cloud-Ansatzes können Anwendungen auch von einer Umgebung in eine andere verschoben werden. Dies ist auch in Bezug auf die Kriterien hinsichtlich des Datenstandortes und der Datensouveränität sehr wichtig.

Portabilität und Reversibilität werden durch Container- und Microservice-Ansätze ermöglicht, da die Anwendung alle für ihren Betrieb notwendigen Elemente wie Programmiersprachen, Frameworks oder Bibliotheken mitliefert. Schließlich befreien Automatisierungsmechanismen, wie sie von Anwendern von Kubernetes-Container-Orchestrierung eingesetzt werden, die technischen Teams von (fast) allen Aufgaben, die mit der Erstellung und Aktualisierung einer IT-Infrastruktur verbunden sind.

Dies ist ein wichtiger Punkt, denn hinsichtlich des physischen Schutzes von Geräten und der Einhaltung von Sicherheitsstandards, sollte dies den Entscheidern, die digitale Infrastrukturen industrialisieren wollen, bei der Verwaltung ihrer Daten und Anwendungen helfen. Letztendlich ermöglicht man somit Kunden, sich voll und ganz auf ihr Wachstum und ihre Innovationsfähigkeit zu konzentrieren.

Mehr Konnektivität und weniger Latenz

Grundsätzlich kann diese neue Generation von Autoscale-Anwendungen natürlich nicht ohne direkte Netzanbindungen zwischen den verschiedenen Akteuren in der Infrastruktur existieren. Interconnection-Plattformen ermöglichen es Unternehmen auf der ganzen Welt, ihre Anwendungen direkt mit Tausenden von Cloud-Service- und API-Anbietern zu verbinden und gleichzeitig alle relevanten Sicherheitsstandards einzuhalten. Dank dieses globalen Netzwerks und der direkten Glasfaserverbindung können sie jetzt leistungsstarke, latenzfreie Cloud-Anwendungen für Gaming, das Internet of Things und das vernetzte Gesundheitswesen entwickeln.

Stefan Schäfer, OVHcloud.
Stefan Schäfer, OVHcloud.
(Bild: bcc8)

Die Technologie zur Vernetzung und Hybridisierung, die solche Anwendungen überhaupt erst ermöglicht, ist bereits vorhanden, bedarf aber menschlicher Unterstützung, um sie auch wirklich umzusetzen. Die größte Herausforderung bleibt dabei jedoch bestehen: alle Beteiligten im Unternehmen an einen Tisch zusammen zu bringen, um neue, schnellere Wege für zukünftige Prozesse in Betracht zu ziehen.

* Die Autoren: Stefan Schäfer ist Leiter Global Product Marketing bei OVHcloud, Nicolas Roger arbeitet als Cloud Global Solutions Architect bei Equinix.

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