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Digital Prototyping: Der Ingenieur als Simulant Autodesk findet pragmatischen Weg in die Cloud

Redakteur: Dr. Stefan Riedl

In der Ingenieursarbeit wird der Bau von Prototypen dort vermieden, wo auch Simulations-Software gute Ergebnisse liefern kann. Die „3D-Company“ Autodesk liefert Werkzeuge für diesen Trend. Chris Douglass, Director Manufacturing Sales, erläutert, warum Systemhäuser und die Cloud in dem Segment eine entscheidende Rolle spielen.

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Ingenieurwesen am PC: Autodesk-Software rendert ein Elektronikgehäuses mit Infrarot-Wärmeprofil und Flusslinien.
Ingenieurwesen am PC: Autodesk-Software rendert ein Elektronikgehäuses mit Infrarot-Wärmeprofil und Flusslinien.
(Bild:Autodesk)

Microsoft nennt seine Cloud-Bürosuite „Office365“ weil diese 365 Tage im Jahr zur Verfügung steht. Wenn Autodesk mit Sim360 und PLM360 in die Wolke geht, bedeutet das aber nicht, dass Nutzer hier auf fünf Tage im Jahr verzichten müssen. Autodesk könnte man als „3D-Company“ bezeichnen. Und die Zahl 360 bezieht sich auf den Winkelgrad des Rundumblicks.

Alles bewegt sich

Das Thema Cloud bedeutet aus Autodesk-Perspektive, „dass Kunden zusätzliche Cloud-Elemente nutzen können und damit mehr Handlungsmöglichkeiten bekommen“, so Chris Douglass, Director Manufacturing Sales, bei dem US-amerikanischen Unternehmen. Bei der Simulationslösung Sim360 kann beispielsweise über die Cloud Rechenleistung genutzt werden. Hier geht es um rechenintensive Simulationen im Rahmen von 3D-Modellen hinsichtlich der mechanischen Belastung, Vibration, Bewegungsenergie und Statik. Aber auch so genannte Fluid-Dynamik-Werkzeuge spielen eine Rolle. Dabei geht es um Flüssigkeitsströmungs-Simulationen oder auch thermische Einflüsse bei komplexen Systemen.

Rechnende Cloud

Mit Sim360 können beispielsweise die Luftströme in einem OP-Saal simuliert werden.
Mit Sim360 können beispielsweise die Luftströme in einem OP-Saal simuliert werden.
(Bild: Autodesk)
Statt selbst entsprechend leistungsstarke Rechner anzuschaffen, kann hierbei also über die Autodesk-Services auf Rechen-Ressourcen in der Cloud zurückgegriffen werden. So brauchen die eigenen Kapazitäten nicht auf seltene Spitzenlasten ausgerichtet werden, was den Investitionsbedarf minimiert. Simulations-Software im Ingenieurswesen verfolgt wie auch die 3D-Konstruktions- und Planungs-Software als Ganzes das Ziel des Digital Protoyping – also immer unabhängiger von physischen und damit teuren und zeitaufwendigen Prototypen zu werden. Die digital konstruierten Produkte sollen bereits in der simulierten Umgebung möglichst realitätsnah getestet werden. Dieser Weg hat seine Grenzen, kann aber auch Fehlentwicklungen verhindern und so Kosten und Zeit sparen.

Zentrales Datenmodell

Der Cloud-Service „BIM360“ beschäftigt sich mit dem Planungs- und Projektkonzept des „Building Information Modeling“. Diese Lösung für ein immer aktuelles Datenmodell von Bau- und Infrastrukturprojekten ermöglicht über Cloud-Services die standortunabhängige Zusammenarbeit von Architekten, Ingenieuren oder Bauunternehmen, wenn Konstrukteure gemeinsam an 3D-Modellen arbeiten.

Lesen Sie auf der nächsten Seite mehr zu Autodesks pragmatischem Weg in die Cloud.

Prozesse in der Wolke

Was die Autodesk-Lösung PLM360 angeht – einer Product-Lifecycle-Management-Lösung – werden Prozesse, die auch unternehmensübergreifend sein können, über Cloud-Services abgebildet. PLM-Lösungen verwalten Daten und können als Erweiterung von Produktdatenmanagement (PDM) aufgefasst werden. Beginnend bei Konstruktionsdaten, also vor allem CAD (Computer Aided Design) und Ingenieursberechnungen (Computer Aided Engineering), über die Produktionsplanung bis hin zu Verkaufsplanung, Logistik und Recycling-Management sind verschiedene Abteilungen und Unternehmen eingebunden. Über die Cloud wird über organisatorische Grenzen hinweg eine einheitliche Datenbasis etabliert.

Die Lizenzfrage

Was die Cloud-Strategie von Autodesk angeht, könnte man also formulieren, dass es bei Autodesk nicht um ein „entweder Cloud oder On-Premise “ geht, sondern vielmehr um ein sich ergänzendes Miteinander, ein „sowohl als auch“, dessen konkrete Nutzung die Kunden selbst bestimmen können. Genauso stellt sich bei der Lizensierung von Autodesk-Produkten nicht die Frage, ob „Subscription“ oder „ewige Lizenz“ zu erwerben sind, sondern es geht auch hier um On-Premise-Software, die um Cloud-Lösungen ergänzt wird.

Autodesk-Channel

Für die über 80 Produkte im Portfolio werden sich künftig sicherlich noch weitere Cloud-Services ergeben. Laut Douglass etablieren sich dadurch auch für die Channel-Partner des Unternehmens immer neue Möglichkeiten. Rund 90 Prozent des Autodesk-Umsatzes wird über Channel-Partner generiert. Die restlichen zehn Prozent, also das Direktgeschäft, besteht aus „Major Account Sales“, Großunternehmen also, wie Automobilkonzerne, die eine direkt Betreuung vom Hersteller wünschen. Doch auch hier bleiben Partner nicht zwingend außen vor, so Douglass. Häufig werden zwar Volumenverträge direkt abgeschlossen, Partner dann aber durch ihre besonderen Komptenzen in Projekte eingebunden.

Lesen Sie auf der nächsten Seite mehr über Autodesks Lead-Vergabepraxis und das Partnerprogramm.

Lead-Vergabe

Insbesondere in Hinblick auf Spezialwissen, beispielsweise aus den Bereichen Architektur, Maschinenbau oder Fabrikplanung, suche man weitere Channel-Partner bei Autodesk. Man fördere die Zusammenarbeit zwischen einzelnen Partnern im Channel – beispielsweise wenn verschiedene Spezialgebiete aufeinandertreffen – und verteile in der Partnergemeinde Leads. Vor allem der Standort und das zertifizierte Wissen spielen bei der Verteilung eine Rolle, so Douglass.

Partnerprogramm

Im Autodesk-Partnerprogramm sollen den beteiligten Systemhäusern und IT-Dienstleistern zunächst keine Hürden gesetzt werden. Das bedeutet, dass eingebundene Reseller im Grunde zunächst einmal das Recht haben, alle Autodesk-Produkte zu verkaufen. Allerdings lohnen sich Zertifizierungen und Spezialisierungen, wie für die Segmente Simulation, Design oder Verwaltung monetär. Im Rahmen von individuellen Business-Plänen, die jedes Jahr neu angepasst werden, ergeben sich Backend- und Frontend-Margen, wenn Partner ihr Wissen über Autodesk-Trainings erweitern.

Drei Druck-Dimensionen

Neue Impulse für das eigene Geschäft kommen derzeit vor allem durch Innovationen aus der 3D-Drucktechnologie. 3D-Printing im weiteren Sinne, findet inzwischen mit verschiedensten Materialen statt; neben Kunststoff wird auch Gummi oder Metall „ausgedruckt“, wenn man so will. Dieser Trend spielt wieder beim modernen Digital Prototyping eine gewichtige Rolle. Lässt sich nicht alles durchsimulieren, werden Modelle oder Teile für Prototypen immer häufiger ausgedruckt, statt aufwändig in Handarbeit oder teuer mit minimalen Losgrößen in der regulären Produktionsstätte hergestellt. □

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