Cisco Expo 2012 – Die Cloud bringt neue Anforderungen für IT-Verantwortliche Auf was Sie bei der Umsetzung von Cloud-Projekten achten müssen

Autor / Redakteur: Ulrich Hamm / Dipl.-Ing. (FH) Andreas Donner

Von der Theorie in die Praxis. Während IT-Verantwortliche sich bislang vorwiegend um Strategiekonzepte, Kosteneinschätzung und die Bewertung möglicher Cloud-Varianten kümmerten, geht es nun um die konkrete Umsetzung von Projekten. Doch was ist hier zu beachten und was sind die aktuellen Trends?

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Mit Cloud Computing kommen viele neue Anforderungen auf das IT-Personal zu – aber auch immense Möglichkeiten! (Bild: © frank peters - Fotolia.com)
Mit Cloud Computing kommen viele neue Anforderungen auf das IT-Personal zu – aber auch immense Möglichkeiten! (Bild: © frank peters - Fotolia.com)

Geschäftsmodelle auf Basis von Cloud Computing revolutionieren zunehmend die IT-Landschaft in Unternehmen. Im Gegensatz zu traditioneller IT mit Betriebsmodellen wie Colocation, Hosting oder Outsourcing mit einer Wertschöpfungssteigerung durch Skalierungseffekte, zeichnet sich ein Cloud-Service durch attraktive Eigenschaften für den Anwender aus.

Dieser kann selbständig Dienste einrichten, erhält Zugriff über verschiedene Medien, fast unbegrenzte Kapazitätsbereitstellung seitens des Providers, schnelle und elastische Modifikation des Portfolios sowie völlige Transparenz im Hinblick auf Bereitstellung und Abrechnung der genutzten Ressourcen.

Auch für Provider stellt Cloud Computing einen Paradigmen-Wechsel dar. Sie können durch Public Clouds sowie Virtual Private Clouds ihre Wertschöpfungskette deutlich verkürzen und ihre Dienste sowie Kapazitäten Kunden wesentlich schneller zur Verfügung stellen. Dies liegt daran, dass die Erstellung neuer Angebote unabhängig von der Infrastruktur verläuft und dafür wenige Eingaben in einer zentralen Management-Software ausreichen.

Im Zusammenspiel mit automatischen Technologien zur Ressourcenbereitstellung und zum Lastenaugleich sind die eingesetzten Kapazitäten genau in dem Moment verfügbar, in dem sie benötigt werden. Dafür ist der Einsatz von Virtualisierungstechnologien jedoch unabdingbar. Diese werden zwar seit Jahrzehnten in der IT genutzt, müssen jetzt aber durch einen Ende-zu-Ende-Ansatz mit weiteren Attributen zur Steuerung ergänzt werden.

Dies haben verschiedene Anbieter bereits erkannt und mit entsprechenden Strategien zielstrebig vorangetrieben. Den Ausgangspunkt bildet meist ein ganzheitlicher Systemansatz. Dieser vereint sämtliche Netzwerk-, Speicher- und Rechnerressourcen mit allen Diensten, Applikationen und Endgeräten zu einem gemeinsamen Cloud-System. Das Fundament dafür bildet das Netzwerk, da es alle Elemente der Cloud-Architektur miteinander verbindet. Dabei geht es aber nicht nur um innovative Infrastrukturkomponenten zum Umbau der IT, sondern auch um die Entwicklung darauf aufbauender Cloud-Lösungen zur Transformation von Business-Modellen und der Geschäftstätigkeit.

Um Service-Providern und Unternehmen abgestimmte Ende-zu-Ende-Lösungen für Cloud Computing anbieten zu können, müssen Hersteller eng mit wichtigen Technologie-Führern der IT-Branche zusammenarbeiten. Inwieweit solche Partnerschaften den weltweiten Cloud-Markt entscheidend mitgestalten, zeigt schon heute die Virtual Computing Environment Coalition (VCE). Unter dem Dach von VCE liefern Cisco, EMC und VMware gemeinsam umfassend getestete Infrastrukturpakete für den Aufbau von Private Clouds.

Die neue Welt für Provider

Für Provider bietet sich mit Cloud Computing die Chance, das Management bislang getrennt administrierter Server-, Storage- und Netzwerkbereiche komplett zu vereinheitlichen. Dies erleichtert die Virtualisierung auf allen Ebenen der Infrastruktur. Dies gilt sowohl für lokal und überregional als auch für weltweit tätige Provider. Sie nutzen alle im Prinzip die gleichen Technologien und Geschäftsmodelle, um ihre Services anzubieten. Daher müssen sie ich in Zukunft verstärkt durch unterschiedliche Kundenansprache, Zusatzangebote oder Support-Leistungen differenzieren.

So können regionale Provider zum Beispiel durch persönlichen Kundenkontakt und dem lokalen Rechenzentrum punkten, das sich eventuell sogar besichtigen lässt. Überregionale Provider können ihre Erfahrung mit unterschiedlichen Szenarien sowie den hohen Datenschutz durch nationale Rechenzentren herausstellen. Globale Anbieter dagegen können aufgrund der hohen Skalierbarkeit und der international einheitlichen Nutzung ihrer Dienste verstärkt international tätige Unternehmen ansprechen.

Public, Hybrid oder Private?

Doch welche Cloud-Variante sollten sie vorwiegend anbieten? Unternehmen und Organisationen sind derzeit zwar eher dazu bereit, Private Clouds zu nutzen, doch auch Public oder Hybrid Clouds können durchaus sinnvoll sein. Dies hängt in erster Linie von den Anwendungen und den dahinter liegenden Geschäftsprozessen ab.

Zum Beispiel gehören Applikationen mit persönlichen oder geheimen Daten auf jeden Fall in die Private Cloud. Denn hier stehen Datenschutz sowie die Sicherheit und Vertraulichkeit sensibler Unternehmensinformationen an erster Stelle. Sollen dagegen Anwendungen und Daten möglichst vielen Nutzern zur Verfügung stehen, etwa bei Online-Shops, Kundenauskunft oder Sozialen Netzwerken, ist die Public Cloud geeignet. Allerdings ist hier sicherzustellen, dass nur allgemein verfügbare Informationen und keinesfalls geheime Daten eingestellt werden.

Im Prinzip lassen sich also alle Anwendungen in die Cloud auslagern, es kommt nur auf die geeignete Lösung an. Entsprechend sollte sich die einzuführende oder eingesetzte Lösung in erster Linie auf die Bedürfnisse des Anwender-Unternehmens konzentrieren. So sollten Anbieter auch keine bestimmte Cloud-Variante bevorzugen, sondern sämtliche Formen einschließlich Mischanwendungen unterstützen – je nachdem, welche Art für den jeweiligen Kunden den maximalen Nutzen verspricht.

Das Netzwerk als Basis

Um Cloud Services effizient zu verwalten, ist eine einheitliche Managementlösung nötig. Die Basis dafür bildet das Netzwerk. Auch Performance und Ausfallschutz für kritische Cloud-Dienste kann nur das Netzwerk garantieren. Man denke etwa an dynamische Lastverteilung oder die automatisierte Re-Konfiguration von Cloud-Ressourcen. Eine inhärente Borderless RoutingInfrastructure (BRI) verbessert dank intelligenter Applikationserkennung die Performance kritischer Cloud-Anwendungen wie Video- oder Online-Konferenzen. Gleichzeitig bringen Wide Area Application Services (WAAS) sichere Cloud-Dienste in jede noch so weit entfernte Niederlassung.

Der Schlüssel für die Sicherheit liegt ebenfalls im Netzwerk. Denn es ermöglicht eine umfassende Richtliniensteuerung sowie Datenverschlüsselung sowohl auf Datenträgern als auch im Netzwerk. Die Dienste lassen sich nur dann umfassend sichern, wenn Schutz- und Abwehrmechanismen breit in allen Cloud-relevanten Netzwerksegmenten verankert sind. Dies gelingt beispielsweise, indem Zugriffsschutz und verschlüsselte VPN-Anbindung mit Cisco ASA (Adaptive Security Appliance) als Servicemodul direkt in einen Catalyst-Switch integriert werden. Bewährt hat sich dieser netzwerkzentrierte Security-Ansatz zum Beispiel überall dort, wo Mitarbeiter räumlich verteilt arbeiten und vielfältige mobile Endgeräte nutzen. Zudem stehen viele weitere Sicherheitslösungen zur Verfügung, zum Beispiel im Rahmen der TrustSec-Architektur.

weiter mit: Neuen Trends, Schritt für Schritt zur modernen Cloud und Ausblick

Neue Trends

Um die Services zu optimieren und das Management effizienter zu gestalten, steht derzeit die Automatisierung der Bereitstellungsprozesse im Vordergrund. Aktuelle Technologien dafür sind Service-Kataloge und Selbstbedienungs-Portale. Damit können Anwender auf praktische Weise durchsuchen, welche Services verfügbar sind, und diese Dienste on demand buchen. So greifen sie schneller und einfacher auf Cloud-Angebote zu. Über ein Cloud-Portal erhalten sie auch Zugang zu weiteren Services wie Software- und Plattformlösungen.

Durch die Übernahme von newScale hat Cisco seine Cloud-Angebote mit diesen Technologien vor kurzem erweitert. Die newScale FrontOffice Suite enthält eine Online-Broschüre, in der Unternehmen gewünschte Dienste finden können. Zudem bietet sie eine Website für automatische Anfragen und Ausführung von Aufträgen, die in der gesamten IT-Infrastruktur installiert werden kann, inklusive physikalischer und virtueller Server, Speichersysteme und Netzwerkgeräte. LifecycleCenter ermöglicht die Verwaltung von Service-Elementen sowie Workloads und DemandCenter das Management von Kosten, Abrechnungen und Service-Bedarf.

Außerdem benötigen Cloud-Angebote heute zielgruppengerechte Lösungen. Dies gilt sowohl für die Argumentation zur Einführung als auch für die konkrete Nutzung der Technologien und Services. So stellt der CEO häufig ganz andere Anforderungen an Cloud-Services als der Vertriebsmitarbeiter und der Systemadministrator andere als der IT-Architekt. Die unterschiedlichen Bedürfnisse sind durch entsprechend angepasste Oberflächen und Funktionsbereitstellungen zu berücksichtigen. So wird dem CEO zum Beispiel automatisch der Business Value angezeigt, während der Vertriebsmitarbeiter Kundendaten und Verkaufszahlen oder der Systemadministrator aktuelle Tools erhält.

Schritt für Schritt zur modernen Cloud

Die Akzeptanz durch Business-Entscheider und Anwender ist für den Erfolg von Cloud Computing entscheidend. Nur dann kann diese Technologie den Wertschöpfungsbeitrag der IT in Wirtschaft und Gesellschaft auf ein neues Niveau heben. Doch dies kann nicht sofort erfolgen. So sollte ein heutiges konventionelles Rechenzentrum mit Hilfe eines Transformationsmodells schrittweise in eine Cloud-fähige Serviceumgebung verwandelt werden. Dieses bietet zum Beispiel das Architektur-Portfolio Cisco Data Center Business Advantage, das aktuelle und künftige Anforderungen in allen Phasen der Cloud-Transformation adressiert.

Die erste Phase optimiert die konventionelle RZ-Architektur durch Konsolidierung und Virtualisierung der IT. Hier wird eine weitgehende Entkopplung von RZ-Leistung, wie Serverleistung, Speicherkapazität und Netzwerk, von einer direkten physischen Zuordnung hin zu einer virtuellen Ressource erreicht.

Darauf aufbauend folgt in Phase zwei die Standardisierung administrativer Abläufe mit regelbasierter Einrichtung von Server, Netzwerk und Speicher, Mandantenfähigkeit im Bereich virtuellem Load Balancings oder Firewalls. Bereitstellungszeiten und manueller Aufwand werden damit signifikant reduziert und die Systeme audit-fähig. Damit sind die Voraussetzungen für flexible Cloud-Geschäftsmodelle und die weitere Automatisierung der Prozesse erfüllt.

In Phase drei erfolgt schließlich die individuelle betriebswirtschaftliche Anbindung, bei der ein IT-Service-Katalog das Leistungsspektrum beschreibt und der Nutzer seinen entsprechenden Service abrufen und einrichten kann.

Ausblick

Doch inwieweit werden diese Ansätze in die Praxis umgesetzt? Dazu hat Visiongain eine Studie mit dem Titel „Cloud: Moving into the Realm of an Essential IT Strategy“ veröffentlicht. Demnach arbeiten jetzt schon 30 Prozent aller Unternehmen weltweit an wenigstens einer Cloud-Lösung. Im Jahr 2016 wird dieser Bereich einen Umsatz von 82,9 Milliarden Dollar erreichen. Obwohl aktuell zum größten Teil Software-as-a-Service genutzt wird, steigt künftig auch das Interesse an Infrastructure-as-a-Service und Platform-as-a-Service. Damit dürfte der Weg für einen umfassenden Einsatz von Cloud-Diensten bereitet sein.

Mehr zum Thema Cloud Computing gibt es auch auf der Cisco Expo, die am 02. und 03. Mai in der O2-Worldin Berlin stattfindet.

Über den Autor

Ulrich Hamm ist Consulting System Engineer Data Center and Virtualisation European Markets bei Cisco Systems

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