Suchen

Speicher, Synchronisationstool und universelle Jukebox in einem Apple holt Kunden kostenlos in die Cloud

| Redakteur: Harry Jacob

Mit seinem kostenlosen Dienst iCloud löst Apple im Herbst 2011 sein Online-Angebot „Mobile Me“ ab. Schon heute verzichtet Apple auf die Jahresgebühr von Mobile Me. Denn was es künftig umsonst gibt, übersteigt das heutige Angebot bei weitem.

Firmen zum Thema

Apples iCloud-Dienst startet im Herbst 2011.
Apples iCloud-Dienst startet im Herbst 2011.
( Archiv: Vogel Business Media )

In den vergangenen fünf Jahren hat sich die Zahl der Mac-Nutzer mehr als verdoppelt. Während der PC-Markt binnen Jahresfrist um ein Prozent geschrumpft sei, haben sich die Mac-Verkäufe um 28 Prozent erhöht, freute sich Phil Schiller, Marketing-Chef von Apple, angesichts der Entwicklerkonferenz WWDC in San Francisco.

27 Prozent der aktuell verkauften Geräte sind Desktops, 73 Prozent sind Notebooks. In den vergangenen fünf Jahren habe sich die Apple-Hardware stets besser verkauft als PCs im allgemeinen, so dass der Marktanteil kontinuierlich steigt.

Doch Konzern-Chef Steve Jobs ist trotz dieses erfreulichen Trends bereits dabei, das Unternehmen fit zu machen für die Post-PC-Ära. Jobs, der eigentlich im Krankenstand ist, ließ es sich nicht nehmen, die 5.200 Entwickler und die anwesenden 1.000 Apple-Programmierer persönlich zu begrüßen. Er stellte auch die wichtigste Neuerung des Abends vor. Die begann mit einer doppelten Abkündigung: Der „Digital Hub“ mit einem (Desktop-) Computer als zentralem Element, wie er vor zehn Jahren konzipiert worden war, laufe heute „nicht mehr rund“.

Digital Hub aus der Wolke

Mobile Geräte wie das iPhone und das iPad haben den Markt erobert, und es sei schwierig, die Inhalte aller Geräte synchron zu halten, wenn diese immer mit einem Computer verbunden werden müssen. Den ersten Versuch, dies zu ändern, den Online-Dienst Mobile Me, beerdigte Jobs bei dieser Gelegenheit auch gleich. Stattdessen kündigte er iCloud an. Von Mobile Me habe man in den vergangenen Jahren viel gelernt, deshalb können man nun einen Dienst bereitstellen, der wesentlich mehr biete und nutzerfreundlicher sei.

Und die iCloud hat es tatsächlich in sich. Zum einen ist iCloud ein Online-Storage-Dienst, der Apple-Kunden kostenfrei fünf Gigabyte Speichervolumen zur Verfügung stellt. Natürlich werden auch Mails, Adressen und Kalendereinträge, aber auch Bookmarks aus dem Browser, synchronisiert – anders als bei Mobile Me automatisiert und zuverlässig. Kalender können beispielsweise auch mit Freunden geteilt werden.

Doch iCloud kann weit mehr. So werden Fotos, die mit einem Gerät aufgenommen werden, automatisch an alle anderen Geräte des Nutzers übertragen. Bis zu 1.000 Bilder speichert iCloud für eine Dauer von maximal 30 Tagen. Auf Desktop-Rechnern bleiben sie automatisch erhalten, solange genügend Speicherplatz vorhanden ist. Auf mobilen Geräten muss der Nutzer innerhalb der Frist die Bilder in ein Album übertragen, wenn sie dauerhaft gespeichert werden sollen.

Was Nutzer sich wünschen

Ähnliches gilt für Anwendungen, die die iCloud-APIs nutzen, darunter die Apple-eigenen Office-Anwendungen Pages (Textverarbeitung), Numbers (Tabellenkalkulation) und Keynote (Präsentation), die gemeinsam die iWork-Suite bilden. Dokumente der iWork-Anwendungen werden ebenfalls in der iCloud gesichert und auf die anderen Geräte übertragen, so dass man jederzeit daran weiterarbeiten kann, egal welches Gerät man gerade benutzt.

Natürlich nimmt auch iTunes, der Medien-Shop von Apple, die iCloud in Anspruch. Musik, Filme und eBooks, die bei iTunes gekauft wurden und werden, aber auch Anwendungen aus dem App Shop stellt die iCloud ebenfalls auf allen Geräten zur Verfügung – bis zu zehn pro Nutzer sind erlaubt.

Ein weiteres Bonbon: wer sein Gerät wechseln will, kann eine vollständige Kopie der Daten inklusive aller Einstellungen vom alten Gerät aus in die iCloud stellen. Bei der Anmeldung des neuen Gerätes lassen sich diese Informationen auf das neue Gerät zurückspielen, so dass die aufwändige Konfiguration und Reorganisation der Daten entfällt.

Kostenpflichtiger Zusatz-Service

Bei den kostenlosen fünf Gigabyte Speichervolumen werden Apps und Fotos nicht angerechnet. Wer trotzdem mehr Speicher braucht, kann dies kostenpflichtig hinzubuchen. Und auch einen weiteren kostenpflichtigen Dienst stellte Steve Jobs bereits vor: iTunes Match, zunächst allerdings nur in den USA verfügbar. Mit iTunes Match werden Songs aus der heimischen iTunes-Bibliothek, soweit sie von iTunes erkannt werden, auch den anderen Geräten zur Verfügung gestellt.

Der Clou dabei: iTunes macht das, ohne sie vom heimischen Rechner erst in die iCloud zu befördern. Stattdessen werden sie direkt aus dem iTunes Store im DRM-freien AAC-Format mit einer Sampling-Rate von 256 kbps zur Verfügung gestellt. Nur die Songs, die iTunes nicht erkennt, werden in die iCloud übertragen und von dort aus an die anderen Geräte verteilt. iTunes Match wird 25 US-Dollar pro Jahr kosten.

Einfach, günstig, kundenfreundlich

Apple gibt mit der iCloud ein klares Signal an die anderen Anbieter von digitalen Marktplätzen, was die Lizenzierung von Content und Anwendungen betrifft: eine Lizenz pro Nutzer ist genug, und die Lizenzkosten bleiben niedrig. Ob der Anwender am Desktop-Mac oder am Macbook sitzt, das iPad nutzt oder das iPhone, er kann einmal gekaufte Anwendungen, Songs, Filme, Bücher etc. überall nutzen, ohne Einschränkungen und ohne zusätzliche Kosten.

Und Apple-Chef Steve Jobs betont zudem, dass er nicht einmal darüber nachdenken muss, wie er die Informationen auf die Geräte bekommt. „Es ist aktuell wirklich mühsam und sehr frustrierend alle Informationen und Inhalte geräteübergreifend auf dem aktuellen Stand zu halten,“ so Jobs. „iCloud hält alle wichtigen Informationen und Inhalte auf allen Geräten eines Anwenders auf dem aktuellsten Stand. Das alles passiert automatisch und kabellos, und da es in die Apps integriert ist, muss man keinen Gedanken daran verschwenden – es funktioniert einfach.“

Gestartet wird iCloud im Herbst, zusammen mit dem Update des Mobile-Betriebssystems iOS auf die Version 5.

Update vom 17.10.2011

Die iCloud wurde pünktlich am 12. Oktober 2011 gestartet. Um diesen Dienst nutzen zu können, braucht man ein Device mit iOS5 oder einen Mac-Rechner mit Lion in der Version MacOS X 10.7.2. Damit sind alle Apple-Notebooks und Desktop-Macs, die älter als fünf Jahre sind, aus der iCloud ausgesperrt. Denn Lion nutzt den 64-Bit-Modus, der die Intel-CPU Core 2 Duo oder eine nachfolgende Prozessorengeneration voraussetzt.

Der iMac wurde erstmals im September 2006 mit dieser CPU ausgestattet, im Oktober 2006 folgten die Macbooks und erst Mitte 2007 der Mac Mini. Geräte mit älteren CPUs – auch den Versionen Core Solo und Core Duo – können daher maximal bis zur Betriebssystemversion Snow Leopard (Mac OS X 10.6) aufgerüstet werden, die keine iCloud unterstützt.

(ID:2051820)