Europaweite Umfrage von IDG Connect Anwender bevorzugen hybride Cloud-Strategien

Autor / Redakteur: Ludger Schmitz / Ulrike Ostler

Der radikale Umstieg in die Cloud hat nicht stattgefunden, professionelle Anwender gehen bedächtiger an neue IT-Strategien heran. Erst einmal sind hybride Konzepte gefragt. Das ist das Ergebnis einer durch Interxion beauftragten Umfrage von IDG Connect unter 625 IT-Entscheidern in mittelständische und großen europäischen Unternehmen.

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Anwender favorisieren die gemischte Nutzung eigener Ressourcen mit verschiedenen Cloud-Angeboten.
Anwender favorisieren die gemischte Nutzung eigener Ressourcen mit verschiedenen Cloud-Angeboten.
(Bild: Thomas Jansa, Fotolia.com)

Im vergangenen Jahr stand bei gerade einmal fünf Prozent der europäischen Anwendern aus dem Mittelstand und Großunternehmen „Cloud only“ auf dem IT-Programm. Eine solche strategische Ausrichtung bleibt auch für die nahe Zukunft einer sehr kleinen Minderheit vorbehalten. Denn ebenfalls nur fünf Prozent wollen sie im Jahre 2016 verfolgen.

Gute Nachrichten für Hosting-Provider

Auf der Gegenseite der strategischen Maximen tut sich hingegen allerhand. Verfolgten 2014 noch genau die Hälfte des europäischen Anwender eine reine On-premise-Orientierung, so setzen für 2015 nur 15 Prozent ausschließlich auf ihr eigenes Rechenzentrum als Lieferant der IT-Services. Diese deutliche Verschiebung dürfte auf den gerade stattfindenden World Hosting Days in Rust für gehobene Stimmung sorgen.

Denn der Gewinner ist eine Ausrichtung, die den Hosting- und Cloud-Service-Providern eine gute Auftragslage verspricht: Eine hybride Ausrichtung der IT verfolgen in Europa jetzt schon rund die Hälfte der Unternehmen; 2016 sollen es vier von fünf Firmen sein. In dieser Gruppe soll die Mischung nach Ergebnissen der Umfrage von IDG Connect im europäischen Durchschnitt für 2016 so aussehen: 46 Prozent der IT-Dienste kommen aus dem eigenen Rechenzentrum vor Ort, 40 Prozent steuern Private Clouds bei, und 14 Prozent entfallen auf die Public Cloud.

Anbieter haben am Markt vorbei argumentiert

Die deutschen Unternehmen haben sich über die Jahre als sehr skeptisch gegenüber Public-Cloud-Angeboten gezeigt. Unter der Hand war bei US-amerikanischen Anbieter und ihren Apologeten der Vorwurf zu hören, das sei nachgerade „nationalistisch“. Der Vorwurf ignoriert datenschutzrechtliche Grenzen, an die sich europäische, insbesondere deutsche Unternehmen zu halten haben, und die spätestens seit den Snowden-Veröffentlichungen begründete Furcht vor Industriespionage. Prinzipiell sind die Anwender auf dem „alten Kontinent“ nicht so verbohrt, die Vorteile einer Flexibilisierung ihrer IT durch Cloud-Konzepte nicht zu erkennen.

Das zeigt nicht nur der europaweit stark wachsende Zuspruch für hybride Clouds. In Deutschland ist er sogar noch ausgeprägter. Setzten 2014 noch 45 Prozent der Firmen in Europa auf hybride IT, so waren es in Deutschland schon 58 Prozent. Für 2016 haben diese Orientierung 80 Prozent der Firmen in Europa angepeilt, in Deutschland so gut wie alle, nämlich 98 Prozent.

Private Clouds haben eine große Verbreitung

Strategische Ausrichtung ist eine Sache, Praxis eine andere. Aber auch hier sind die Zahlen ähnlich. Tatsächlich genutzt haben 55 der deutsche und 38 Prozent der europaweit befragten Unternehmen Public-Cloud-Services. Private-Cloud-Umgebungen verwenden 58 Prozent der deutschen und die Hälfte der Firmen insgesamt in Europa. Insgesamt will gut die Hälfte über die nächsten fünf Jahre mehr Workloads in die Public Cloud verschieben. Allerdings sollen bei 44 Prozent das eigenen Rechenzentrum bleiben, vor allem für geschäftskritische und sensible Daten.

Sicherheit ist unverändert die höchste Hürde für die Cloud-Nutzung. 53 Prozent der Befragten melden diesbezüglich Zweifel an. Für 41 Prozent ist Governance, also die Einhaltung von Regeln für Datenschutz und Corporate Governance, ein Hinderungsgrund. Bei einem Drittel sprechen firmeninterne Vorgaben gegen die Nutzung nicht firmeneigener IT-Ressourcen. Und das wichtigste technische Problem ist die Netzwerk-Performance, genannt von 47 Prozent der Befragten und damit insgesamt die zweitwichtigste Hinderungsgrund.

Könnten bessere Netzwerke der Public Cloud mehr Zuspruch bringen?

Bei den Bedenken unterscheiden sich deutsche Anwender kaum von anderen in Europa. Die einzige auffallende Differenz gibt es bei der Kritik an den Netzwerken. Sie wird in Deutschland nämlich von 32 Prozent der Befragten genannt. Das ist im Europavergleich (47 Prozent) zwar ein deutlich besserer Wert. Aber es wäre interessant hierzu einmal die kleinen Firmen zu befragen. Und die sollten ja von der Cloud am meisten profitieren, so jedenfalls deren Werbeversprechen.

Bei besseren Netzen würde die Cloud auf jeden Fall besser dastehen. Denn gäbe es damit keine Probleme würden im europäischen Durchschnitt 77 Prozent der Befragten Workloads in die Cloud bringen, in Deutschland sogar 89 Prozent. Umgerechnet würde sich die Cloud-Verbreitung von jetzt 25 auf 42 Prozent erhöhen.

Das Internet ist eine ungeliebte Netzwerk-Basis

Das Internet nutzen zwar 59 Prozent für ihre Cloud-Anbindungen. Aber im Gegenschluss heißt das auch, dass es für 41 Prozent nicht akzeptabel ist. Im Detail arbeiten 23 Prozent lieber mit Direktverbindungen und 18 Prozent über Wide Area Networks. Allerdings reflektieren diese Werte auch den hohen Verbreitungsgrad von Private Clouds.

In diesen letzten Daten steckt ein kritisches Moment. Denn sie lassen sich gut gegen das bisherige freie Internet mit seinen nicht garantierbaren Antwortzeiten verargumentieren. Nach dem Motto: Schnelle, exklusive Internetverbindungen machen die Zukunft der IT erst möglich. Der eigentlich politischen Debatte darüber haben IDG Connect und Interxion so nebenbei auch wieder Futter geliefert.

* Ludger Schmitz ist freiberuflicher Journalist in Kelheim.

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