Qliktech und das Konzept „Natural Analytics“ Analysieren wie ein Pilzsammler mit Qlikview

Autor / Redakteur: Das Interview führte Dr. Stefan Riedl / Florian Karlstetter

Beim Analyse-Software-Hersteller Qliktech steht ein größerer Systemwechsel an. Hervorgehoben wird vom Unternehmen ein Analyseansatz, der sich „Natural Analytics“ nennt. Die Redaktion sprach mit Wolfgang Kobek, Managing Director für die DACH-Region, über Pilzsammler und deren Analysefähigkeiten.

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Die kommende Version der Analyse-Software von Qliktech sei „mehr als nur Qlikview 12“, so Kobek. Der Manager spricht von „Pionierarbeit“, einem „leistungsfähigeren Designansatz“ und vom Konzept „Natural Analytics“. Das spiegele sich auch in der Namensgebung wider: Statt „Version 12“ kommt „Qlikview Next“ auf den Markt. Das Unternehmen will damit die Lücke zwischen Visualisierungs- und Dashboard-Lösungen einerseits und komplexen BI-Plattformen andererseits schließen, die sich auf vordefinierte Berichtsstrukturen konzentrieren.

Qlikview Next

Bei Qlikview Next setzt der BI-Hersteller nach wie vor auf die bewährte In-Memory-Technologie, bei der große Datenmengen im Arbeitsspeicher ausgewertet werden. Weiterhin gilt: Keine Cubes müssen erstellt werden, bei denen man sich mittels Slicing und Dycing innerhalb eines Datenwürfels hindurchnavigiert. Bei diesem klassischen Verfahren stellen die Würfelachsen relevante Dimensionen dar, deren Zusammenhänge für den Analysten spannend sind, beispielsweise: Zeitraum, Region, Produkt und Verkäufer.

Keine Würfel

Arbeitet man ohne feste Würfel, sollen die Verbindungen im Datenmaterial vom Nutzer „intuitiv entdeckt“ werden. „Business Discovery“ nennt man bei Qliktech diesen Ansatz. Und der bleibt auch bestehen. Ergänzt wurde die Analyse-Software mit weiteren Team- sowie neuen mobilen Funktionen. Aber die wichtigste Neuerung fällt unter den Begriff „Natural Analytics“.

Natural Analytics

Doch was ist denn so grundlegend neu an „Qlikview Next“, was dieses „Next“ im Namen rechtfertigt. Hier bringt Qliktech einen neuen Designansatz und eine neue Core-Engine-Technologie ins Spiel. Das Konzept dahinter heißt „Natural Analytics“. Laut Unternehmen verbirgt sich dahinter folgendes: „Der Ansatz basiert auf der natürlichen menschlichen Fähigkeit, komplexe Informationen zu verarbeiten und unterstützt die menschliche Neugier, mit der man Assoziationen in Daten sucht, filtert und hinterfragt, um deren Bedeutung zu erfassen.“ Man kann sich darüber streiten, inwieweit hier nur ein neues Buzzword in den Markt geworfen wird. Im Grunde bedeutet „Natural Analytics“ , dass man sich bei der Benutzeroberfläche und -führung näher an den natürlichen Analyse- und Denkprozessen der Nutzer bewegen will.

Lesen Sie auf der nächsten Seite mehr über den Vergleich mit Pilzsammlern.

Die Denke des Pilzsammlers

„Natural Analytics“ baue auf drei Prinzipien für analytische Abläufe auf, die laut Qliktech der Natur des Menschen entsprechen: „Verbinden“, „Kategorisieren“ und „Vorhersagen“. Am Beispiel eines Pilzsammlers, der im Wald zu einem Ergebnis (Pilze) kommen will, kann man sich das wie folgt vorstellen:

Verbinden

Auf Erfahrung weiß der versierte Pilzsammler, dass sich bestimmte Pilze gerne unter bestimmten Bäumen ansiedeln. Er verbindet daher gedanklich bei der Pilzsuche die entsprechende Baumart mit dem zu findenden Pilz und kann sich bei der Suche an leichter zu entdeckenden Bäumen orientieren, statt nur den Boden nach dem gewünschten Ergebnis abzusuchen.

Kategorisieren

Bei der Suche nach essbaren Pilzen arbeitet der Pilzsucher mit gedanklichen Schubladen. Er kategorisiert beispielsweise sinnvollerweise zwischen „essbaren Pilzen“, „nicht essbaren Pilzen“. Oder zwischen „Pilzen, die er kennt“ und „Pilzen, die er nicht kennt“. Zu den vielen unbewussten analytischen Prozessen zählt dann beispielsweise: Pilzen mit rotem Hut fallen für den Sammler entweder in die Kategorie „nicht essbar“ (beispielsweise Fliegenpilz) oder „Pilze, die ich nicht kenne“, die damit auch kein brauchbares Ergebnis darstellen.

Vorhersagen

Zu den intuitiven Vorhersagen im Analyseprozess zählt für Pilzsammler beispielsweise der Gedanke: „Zu dieser Zeit und diesen Witterungsverhältnissen wird es in jener Gegend gute Sammelergebnisse geben.“ Auch hier spielen menschliche Erfahrungswerte sowie Intuition eine zentrale Rolle.

Raus aus dem Wald

Intuitive Prozesse, die auf Erfahrungen basieren, wie die im Pilzsammlerbeispiel genannten, würden sich auch stets in der Arbeit mit Analysesoftware wiederfinden. Wenn beispielsweise in einer Region der Gewinn zurückgeht, hat der versierte Nutzer bereits bestimmte Vorstellungen, Hypothesen und Intuitionen, die er in die Analyse einbringt: Wurde weniger abgesetzt? Falls nein: Sinkt die Handelsmarge? Falls ja: Wurde zu teuer eingekauft? Falls ja: Ist es wieder das Bauteil XYZ, welches großen Preisschwankungen unterliegt?

Indirekter Vertrieb

Die Vermarktung über den indirekten Vertriebskanal von Qlikview Next wird Anfang nächsten Jahres starten, stellte Kobek in Aussicht. Gegenwärtig läuft ein Early-Adopter-Programm bei dem eine Beta-Version bei einigen Kunden vorab genutzt wird. Qlickview 11 werde man in Hinblick auf den Wartungszeitraum statt der zwei üblichen Jahre diesmal drei Jahre parallel laufen lassen. „So können Kunden flexibel in ihrem eigenen Tempo und in Abstimmung mit ihren Geschäftszielen auf Qlikview Next umstellen“, heißt es aus dem Unternehmen. □

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