AWS Summit 2015 in Berlin Amazon Web Services expandiert in Deutschland

Autor / Redakteur: Michael Matzer / Florian Karlstetter

Amazon Web Services (AWS) will in Deutschland über die nächsten sechs Monate 130 neue Jobs schaffen. Wie Managing Director Martin Geier auf dem AWS Summit in Berlin sagte, liege der Grund darin, dass die AWS-Region EU mit ihrem Rechenzentrum in Frankfurt/Main, gestartet vor acht Monaten, unter den 30 Amazon-Regionen die am schnellsten wachsende sei.

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Große Pläne für Deutschland und Europa: Werner Vogels ist nicht nur Vice President und Chief Technology Officer (CTO) von Amazon.com, sondern auch die treibende Kraft hinter Amazon Web Services (AWS).
Große Pläne für Deutschland und Europa: Werner Vogels ist nicht nur Vice President und Chief Technology Officer (CTO) von Amazon.com, sondern auch die treibende Kraft hinter Amazon Web Services (AWS).
(Bild: Amazon Web Services)

Neben neuen Kunden stellte das Internet-Unternehmen auf dem AWS Summit 2015 in Berlin eine Reihe neuer Services vor. „Einer der Gründe für das rasante Wachstum der Frankfurt Region“, so Geier, „liegt darin, dass deutsche Unternehmen die Vorteile der Cloud erkannt haben und Produktions-Workloads - also nicht bloß Entwicklung und Testumgebungen - zu AWS umziehen.“ Nachdem bereits DAX-Unternehmen wie Siemens, Bayer und SAP bereits AWS angenommen hätten, konnte AWS nicht ohne Stolz auch den Automobilhersteller Audi als Neukunden vorstellen.

Bettina Bernhardt, Managing Director der Audi Business Innovator GmbH, sagte den rund 3.000 Besuchern der Konferenz: „Das Auto wird künftig eine wichtige Drehscheibe für Services für den Fahrer sein, und für Audi on-demand wird die Cloud gebraucht.“ Das Auto verbinde sich mit dem Smartphone, mit Wearables, mit dem Internet, und das Angebot „Audi on-demand“ sei auf die AWS-Services angewiesen, damit Audi-Kunden künftig Autos überall und jederzeit mieten, nutzen und zurückbringen könnten - alles per mobiler App.

Dieser Dienst ist seit April 2015 in San Francisco verfügbar. Mit Audi Unite betreiben die Ingolstädter einen Carsharing-Service in Stockholm, mit Shared Fleet ein Flotten-Management. Audi Select und Audi at home sind zwei weitere Dienste. „Wir benötigten leichtere, schnellere Prozesse in der Entwicklung“, berichtete Bettina Bernhardt. Deshalb wurde bei Audi die alte Hierarchie ersetzt: „Der Kunde steht im Mittelpunkt, und Design Thinking bestimmt das Design.“

Wie so häufig in deutschen Cloud-Projekten war auch für Audi Business Innovator Geschwindigkeit von wesentlicher Bedeutung, aber auch die Möglichkeit, gleichzeitig einen weltweiten Roll-out der eigenen Dienste auszuführen. „Geringe Latenzzeiten sind wichtig für die Big-Data-Konnektivität, ebenso null Downtime“, so Bernhardt. „Beides ermöglicht uns das neue AWS-Rechenzentrum in Frankfurt.“ Um die Daten seiner Kunden zu schützen, nutzt Audi die Virtual Private Cloud (VPC) von AWS ebenso wie die Elastic Computing Cloud sowie die Multiple Availability Cloud.

Werner Vogels, CTO bei Amazon.com, verkündete, dass AWS mittlerweile 1 Million aktive Nutzer habe, und konstatierte: „Die Cloud ist der neue Standard geworden (the new normal).“ Start-ups würden die etablierteren Industrieunternehmen herausfordern, wie man an Uber (Taxi) oder Airbnb (Übernachtungsmöglichkeiten) sehen könne. In München sagte Marc Benioff, CEO von Salesforce: „Nun kommt es darauf an, nicht 'Uber-isiert' zu werden.

Success Stories: Amazon Web Services in der Praxis

Praktisch jedes Startup in Deutschland setzt nicht mehr auf interne IT-Infrastruktur, sondern mietet sie aus der Cloud. Rocket Internet, die Holding der Samwer-Brüder, empfiehlt nun allen ihren Töchtern AWS. „Wir wollen 5,4 Milliarden Menschen erreichen“, sagte Oliver Samwer, CEO von Rocket Internet. Das geht eben nur mithilfe der Cloud.

Zalando berichtete von seinem europaweiten Wachstum, das (nur) durch die Skalierbarkeit der Cloud-Infrastruktur ermöglicht worden sei. Nun setze man auf Innovation und Kreativität in kleinen Teams und flachen Hierarchien, genau wie Audi. Foodpanda, Lamudi und Helpling setzen ebenso auf AWS wie das Berliner Start-up Tado. Dessen Marketingleiter Leopold von Bismarck stellt smarte Thermostaten vor, die mithilfe von Geodaten und Personen-Registrierung per Mobil-App in der Lage sind, ein Smart Home intelligent zu heizen bzw. zu kühlen. Tado nutzt die Services „Kinesis“, für Stream-Verarbeitung, und „Lambda“ für ereignisgesteuerte Anwendungen in Geräten usw.

Um die Berliner Start-up-Szene weiter zu fördern, so Martin Geier, werde AWS im Oktober ein sogenanntes Pop-up Loft veranstalten. „Über vier Wochen hinweg können dabei Entwickler und Gründer direkt mit Solution Architects von AWS sprechen und ihre Ideen ausprobieren.“

Neue Dienste und Services

„Die deutschen Kunden wollen Zugang zum Sonntagsbraten mit allen Beilagen“, summierte Werner Vogels die Kundenwünsche. Durch die Anzahl und Vielfalt an Funktionen will sich AWS gegenüber anderen IaaS-Anbietern profilieren. „Wir haben im Jahr 2014 516 neue Dienste und Funktionen gestartet, während es 2013 nur 280 waren“, so der CTO.

Zu den Neuerungen zählt Vogels den Zugriff auf ein Shared File System (à la NetApp, denn AWS biete nun das Amazon Elastic File System als Managed Service an. „Es ist mit EC2 integrierbar, basiert auf schnellen SSDs und weist daher eine geringe Latenzzeit auf. Wie immer zahlt der Kunde nur für Storage-Kosten.“ Eine Preview gibt es hier. Jeff Barr von AWS erwartet, dass EFS für Content Repositories, Entwicklungsumgebungen, Web Server Farmen, Verzeichnisse und Big Data Anwendungen genutzt wird.

Im E-Commerce und anderen Branchen erfordern Empfehlungen und Vorhersagen Machine-Learning. Das ist nach den Worten Vogels' „eine Form von Künstlicher Intelligenz, die immer wichtiger wird“. Deshalb stellte er in Berlin den neuen Machine-Learning (ML) Dienst Machine Learning Service vor. ML eigne sich für Erstellung prädiktiver Modelle, sei leicht bedienbar, echtzeitfähig und unterstütze breite Palette von Datenquellen. Interessant ist die Möglichkeit einzustellen, wie hoch die Toleranz des ML Service gegenüber False Positives sein darf.

Weil Entwicklungsarbeit künftig mit kleineren Blöcken und Containern (à la Docker) erfolge, so Vogels, unterstützt AWS diese Entwicklung nun mit dem bereits verfügbaren EC2 Container Service, der sich mit dem PaaS Application Management AWS Beanstalk integrieren lässt. Ein neuer Scheduler Service soll künftig für Lastausgleich sorgen.

Datensicherheit in der Cloud

Deutsche Mittelständler machen sich häufig Sorgen um die Sicherheit ihrer Daten in der Cloud. Zu den AWS-Tools, die Datensicherheit bieten, gehört, wie Bettina Bernhardt von Audi schon erwähnt hat, die Virtual Private Cloud (VPC). Stephen Schmidt, der Chief Information Security Officer (CISO) von AWS, erklärt: „Die Amazon Virtual Private Cloud ermöglicht die Bereitstellung eines logisch isolierten Bereichs der Amazon Web Services (AWS)-Cloud, in dem Sie AWS-Ressourcen in einem von Ihnen definierten virtuellen Netzwerk ausführen können. So können Sie beispielsweise Ihre Datenbank in Ihrem eigenen virtuellen Netzwerk isolieren und Ihre lokale IT-Infrastruktur mit den Branchenstandards entsprechenden verschlüsselten IPSec VPNs verbinden.“

Der Nutzer habe die vollständige Kontrolle über seine virtuelle Netzwerkumgebung, so etwa bei der Auswahl seines eigenen IP-Adressbereichs, dem Erstellen von Subnetzen und der Konfiguration von Routing-Tabellen und Netzwerk-Gateways. *Sie können mehrere Sicherheitsebenen einrichten, darunter Sicherheitsgruppen und Netzwerk-Zugriffskontrolllisten (ACLs), die den Zugriff auf Amazon EC2-Instances in den einzelnen Subnetzen steuern“, erläutert Schmidt. „Darüber hinaus können Sie eine sichere Hardware-VPN-Verbindung zwischen Ihrem Unternehmensrechenzentrum und Ihrem VPC einrichten und die AWS-Cloud als Erweiterung Ihres Unternehmensrechenzentrums einsetzen.“

Damit werde beispielsweise auch das Hybrid-Modell der Cloud-Nutzung unterstützt. „Die Migration in die Cloud erfordert keine Entweder-oder-Entscheidung“, erklärte Vogels. „Auch das hybride IT-Modell funktioniert, etwa mit AWS DirectConnect und VMware Image Moving: Hybrid IT ist Teil der Reise, nicht die Endstation.“

Identity and Access Management

Ein weiterer wichtiger Service für die Datensicherheit und v.a. den Datenschutz ist laut Schmidt das AWS Identity and Access Management (IAM). „IAM ermöglicht es, sicher den Zugriff auf AWS-Services und -Ressourcen für die Benutzer zu steuern.“ Mithilfe von IAM könne der Kunde AWS-Benutzer und -Gruppen anlegen und verwalten und mittels Berechtigungen deren Zugriff auf AWS-Ressourcen zulassen oder verweigern.

Auf die Frage, ob mit weiteren Ausfällen von Amazon zu rechnen sei, antwortete Schmidt, dass Amazon jetzt seinen Lastenausgleich im Griff habe. Und was den Zugriff der geheimen US-Behörde FISC auf Kundendaten anbelange, so verweist er darauf, dass Amazon die Daten seiner Kunden nur verwalte, nicht aber besitze.

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