HSP Summit 2016 – Sicherheit bleibt Top Thema

Alles ist nur eine Frage der Zubereitung

| Autor: Elke Witmer-Goßner

Sicherheitsmaßnahmen kann man schmackhaft machen, genau wie gesundes Essen.
Sicherheitsmaßnahmen kann man schmackhaft machen, genau wie gesundes Essen. (Bild: Pixelot, Fotolia)

Die IT-Entwicklung der kommenden Jahre wird sehr stark bestimmt sein von politischen Entscheidungen und technischen Innovationen, insbesondere aber auch von den Erwartungen der Kunden. Sebastian von Bomhard, Vorstand der SpaceNet AG, Beiratsmitglied des Hosting & Service Provider Summit und ausgewiesener Branchenkenner, über aktuelle Trends und Zukunftsvisionen.

Viele Anbieter setzen ihre Hoffnung auf die sogenannte YouTube-Generation, als Impulsgeber für zukunftweisende Fortentwicklungen. Gibt es sie bereits, die „Business-YouTuber“, die mit konkreten Ideen, sogar Forderungen auf Sie zukommen?

Sebastian von Bomhard: YouTube ist ein Jugendphänomen. Auch wenn einige der erfolgreichen YouTuber vierzig Jahre und älter sind, so sind doch die intensiven YouTube-Nutzer eher unter zwanzig. Das heißt, wir haben noch Zeit, um unser Marketing umzustellen. Letztlich waren die YouTuber aber ein Beispiel für den beständigen Wandel. Gerade haben wir E-Mail überall eingeführt, da nutzen es die Jüngeren nur noch geschäftlich.

Das Stichwort „digitale Transformation“ ist gerade in aller Munde. Macht hier nur ein Marketing-Buzzword die Runde oder sind ohne digitale Transformation tatsächlich Wettbewerbsfähigkeit und Zukunftsentwicklung der Unternehmen gefährdet?

Von Bomhard: Es gibt Unternehmen, die tatsächlich sehr weit hinter den modernen Möglichkeiten zurückgeblieben sind, aber das hat nicht unbedingt etwas mit der Digitalen Transformation zu tun, sondern eher damit, dass Unternehmen gegründet werden, wachsen, stagnieren, schrumpfen und sich auflösen. Ich halte die Konzentration auf das Schlagwort für übertrieben. Schon oft wurden die Pioniere im Lauf der Zeit überholt, durch Firmen aus der zweiten Reihe, die Themen besonnen angehen. Natürlich gilt meine Sympathie den Pionieren! Aber die öffentliche Debatte um dieses Thema ist unangemessen schrill.

Sie machen keinen Hehl daraus, dass Sie kein Freund sind von Sicherheitsversprechen á la „Deutsche Cloud“. Nun stehen Anbieter wie Anwender vor der neuen Situation: Nach „Safe Harbor“ ist vor „EU-US Privacy Shield“. Wie schätzen Sie dieses neue Abkommen ein?

Ergänzendes zum Thema
 
HOSTING & SERVICE PROVIDER SUMMIT 2016

Von Bomhard: Ich sehe nicht, womit die Probleme mit Safe Harbor nur dadurch ausgeräumt sein sollen, dass eine neue Vereinbarung geschlossen wird, unter neuem Namen. Das Problem ist doch eher grundsätzlicher Natur. In den Vereinigten Staaten hat der Datenschutz einen erheblich niedrigeren Stellenwert als bei uns und wird sofort ausgesetzt, wenn jemand die Sicherheit gefährdet sieht. Darüber hinaus ist das neue Abkommen noch nicht einmal fertig. Viele Regelungen fehlen einfach noch, weswegen die Klage noch nicht wieder aufgenommen wurde. Kurz, es besteht die unmögliche Situation, dass sich tausende Firmen in Europa sträflich inkorrekt verhalten, weil sie auf verantwortungslose Meldungen, das Problem sei gelöst, gesetzt haben. Das ist in der Schwere, fürchte ich, auch unseren Politikern nicht ganz klar.

Abgesehen von der Sicherheitsfrage: Was können Sie uns über die Sorgen Ihrer Kunden verraten? Konnten die Probleme der Vergangenheit ausgeräumt werden, was erscheint sogar unlösbar?

Von Bomhard: Das Auffälligste ist, dass mit der steigenden Abhängigkeit von IT die Angst vor Ausfällen, Angriffen und systematischen Fehlern eher abgenommen hat. Das hat einerseits mit einem Generationenwechsel zu tun, andererseits aber auch mit der gestiegenen Qualität. Wer merkt heute schon, wenn eine Festplatte einfach den Geist aufgibt? Jedenfalls keiner, dessen IT nicht schon vor der Sintflut angeschafft wurde. Unlösbar ist aber das allgemeine Sicherheitsproblem. Viele nehmen es war, aber sie verdrängen es. Hat früher der Staat sich noch in der Verantwortung gefühlt, den Bürgern väterlich zu raten, wie sie ihre Daten am besten schützen, denkt er heute eher darüber nach, wie er im Rahmen von Big Data an möglichst viele Daten der Bürger kommt und scheut nicht vor echten Hackermethoden zurück. Das Argument: Öffentliche Sicherheit schlägt private Sicherheit. Daher stagniert das Thema und die Bürger müssen sich selbst schützen. Hier kommt aber der Konflikt Bequemlichkeit versus Sicherheit ins Spiel. Aber: Ebenso wie gesundes Essen sehr wohl gut schmecken kann, so gibt es auch verträgliche Sicherheitslösungen.

Wohin muss Ihrer Meinung nach die Entwicklung gehen? Haben Sie eine „Lieblings“-Vision, die aber vielleicht technisch nie umsetzbar sein wird?

Sebastian von Bomhard, Vorstand SpaceNet AG.
Sebastian von Bomhard, Vorstand SpaceNet AG. (Bild: SpaceNet)

Von Bomhard: Ich hoffe auf Triumphe in der Medizin, vor allem bei der Prothetik und der Nanotechnik. Ich wünsche mir die Wiederbelebung der geschwungenen Formen und der Verzierungen in der Architektur und generell im Design, wie sie dem 20. Jahrhundert zum Opfer gefallen sind. Genährt wird die Hoffnung durch die Weiterentwicklung des 3D-Drucks. Meine Lieblings-SciFi-Vision ist Hard- und Software oder generell Technik, die erkennt, ob sie zu guten oder zu bösen Zwecken eingesetzt wird und dann dem Bösen die Zusammenarbeit verweigert. Wie man das umsetzt, ist nicht so einfach, aber Sie wollten ja was potenziell Unlösbares….

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