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Frans Kaashoek erhält Preis für Forschungen um sichere und robuste Betriebssystem-Architektur ACM-Infosys Foundation Award würdigt Exokernel-OS und DIFC

| Redakteur: M.A. Dirk Srocke

MIT-Forscher Frans Kaashoek erhält 2011 den ACM-Infosys Foundation Award für Informatik. Der mit 150.000 US-Dollar dotierte Preis würdigt Kaashoeks Verdienste um das Design robuster, sicherer und flexibler Software. So beeinflussten Exokernel-OS und Decentralized Information Flow Control (DIFC) Entwickler von Hypervisoren und eingebetten Systemen.

Kaashoeks Forschungsbeiträge werden in Filesharing-Plattformen und Enterprise-Systemen umgesetzt.
Kaashoeks Forschungsbeiträge werden in Filesharing-Plattformen und Enterprise-Systemen umgesetzt.
( Archiv: Vogel Business Media )

Der mit 150.000 US-Dollar dotierte ACM-Infosys Foundation Award geht dieses Jahr an Frans Kaashoek. ACM-Präsident Alain Chesnais begründet die Wahl mit Kaashoeks Einfluss auf die Entwicklung von Softwaresystemen und praktischen Anwendungen. Die offizielle Preisverleihung soll am 4. Juni im kalifornischen San Jose stattfinden.

Gemeinsam mit seinen Mitstreitern hat Kaashoek eine neue Betriebssystemarchitektur entwickelt. Deren Herzstück ist der sogenannte Exokernel - ein verschlankter Systemkern, der wesentliche OS-Funktionen in Anwendungen auslagert. Die voneinander isolierten Anwendungen können direkt auf Hardware zugreifen.

Sicheres Betriebssystem durch DIFC

Eine Decentralized Information Flow Control soll dabei mehr Sicherheit bieten als herkömmliche Betriebssysteme. Implementiert wurde die Funktion bislang in den Prototypen „Asbestos“ und „Flume“.

Obwohl ihm bislang keine marktreifen Anwendungen der oben genannten Konzepte bekannt sind, glaubt Kaashoek im Gespräch mit CloudComputing-Insider, die moderne Informatik damit dennoch beeinflusst zu haben. Der Forscher will mit seinen Arbeiten den Grundstein für neuartige Denkansätze in Sachen Systemarchitektur und Security gelegt haben. Einige Ideen des Exokernel sieht Kaashoek beispielsweise in aktuellen Hypervisoren und portabler Software für eingebettete Systemen verwirklicht.

Distributed Hash Tables für P2P-Anwendungen

Zudem hat Kaashoek Distributed Hash Tables (DHT) beschrieben. Die Technik kann verteilte Systeme zuverlässiger und skalierbarer machen. Genutzt werden die Ansätze laut Kaashoek von Softwaresystemen bei Cisco oder Amazon. Auch Peer-to-Peer-Anwendungen (P2P), wie Filesharing-Systeme, verwenden DHTs. Zudem sind diese eine Grundlage der Infrastructure for Resilient Systems (IRIS), einem Projekt das Netzwerkanwendungen vor Angriffen schützen soll.

Frans Kaashoek ist Informatik-Professor am Massachusetts Institute of Technology, MIT. Seine Doktorwürde hat der heute 45-Jährige 1992 an der niederländischen Vrije Universität bei Andrew S. Tanenbaum erlangt. Kaashoek war Mitgründer von Sightpath, einem im Jahr 2000 von Cisco übernommenen Softwareanbieter; der Preisträger agierte zudem als Director für den 2009 von Riverbed Technology akquirierten Netzwerksicherheitsspezialisten Mazu Networks. Der Forscher gehört seit 2006 der National Academy of Engineering an und ist seit 2004 ein ACM Fellow.

Der 2007 ins Leben gerufene ACM-Infosys Foundation Award will die Verdienste von Nachwuchswissenschaftlern und Systementwicklern würdigen, die beispielhaft zu den bedeutendsten, aktuellen Entwicklungen in der Informatik beigetragen haben. Zu den Initiatoren des Preises gehört die Association for Computing Machinery, kurz ACM. Das Preisgeld stammt von der Infosys Foundation, einem gemeinnützigen Ableger des IT-Dienstleisters Infosys.

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