Neues Kapitel der Ära „Work from Anywhere“ 2022 im Fokus: Workspaces vs. Workplaces

Von Christy Wyatt*

Die chaotische Umstellung hin zur Tele- und Hybridarbeit hat die Arbeitswelt erheblich verändert. Für das nächste Kapitel der Ära „Work from Anywhere“ muss anstelle von herkömmlichen Workplaces (Arbeitsplätzen) der Aufbau von Workspaces (Arbeitsräumen) in den Fokus rücken.

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Unternehmen müssen ein Umfeld schaffen, in dem sich alle Mitarbeiter unabhängig von ihrem Standort wohlfühlen können.
Unternehmen müssen ein Umfeld schaffen, in dem sich alle Mitarbeiter unabhängig von ihrem Standort wohlfühlen können.
(Bild: © – fizkes – stock.adobe.com)

Wenn eines durchschlagend klargeworden ist, dann das, dass die Zukunft der Arbeit auf absehbare Zeit unklar bleiben wird, und dass wir im Jahr 2022 die Arbeitsplatzinfrastruktur – und ihre Auswirkungen auf die Erfahrung der Mitarbeiter – völlig anders betrachten müssen. Um den sich abzeichnenden Wandel in vollem Umfang zu nutzen und vielleicht sogar davon zu profitieren, müssen die Arbeitgeber die weiterreichenden Auswirkungen einer weit verteilten Belegschaft überdenken und neu definieren, wie der Workplace (Arbeitsplatz) aussieht.

Es geht um Verbindung, nicht um Vergütung

Oberflächlich betrachtet mag die große Kündigungswelle, die nach wie vor die Schlagzeilen beherrscht, wie ein Kampf um steigende Gehälter und Vergünstigungen für die Mitarbeiter aussehen. Wenn man jedoch etwas tiefer in die Materie eindringt, stellt man fest, dass es sich dabei eher um Mitarbeiter handelt, die sich von ihrem Unternehmen abgekoppelt fühlen, weil sie ihre persönliche Bindung an das Unternehmen und den Sinn ihrer Arbeit verloren haben. Der Einzelne trifft genauere Entscheidungen darüber, welche Art von Arbeit er ausüben möchte und wie sich diese in sein Leben einfügt.

Vor der Pandemie konnten wir uns alle an die gelegentliche Erfahrung erinnern, die einzige Stimme aus der Ferne bei einem Anruf zu sein; es war das Gefühl, einem Gespräch zuzusehen, ohne tatsächlich an einem teilzunehmen. Dann kam der Wechsel von mehr als 90 Prozent der Arbeit im Büro zu fast 100 Prozent digitaler Remote-Zusammenarbeit. Plötzlich sah jede Interaktion wie ein zweidimensionales Engagement aus, das zwar Produktivität bot, dem es aber an echter menschlicher Verbindung fehlte. Es gab nun eine begrenzte Interaktion von Angesicht zu Angesicht sowie neue Teamkollegen und Führungskräfte, die sich verändert haben, seit Mitarbeiter nach Hause geschickt wurden. Schwierigkeiten bei der Übernahme einer Aufgabe und eine frustrierende digitale Erfahrung waren die perfekte Formel für den potenziellen Verlust wertvoller Mitarbeiter.

Wenn dies nach wie vor das zentrale Arbeitserlebnis ist, ist davon auszugehen, dass die Mitarbeiter dies als unbefriedigend empfinden – und sich einen Arbeitgeber suchen, der sie „versteht“.

Digitale Erfahrung als primäre Erfahrung

Vor 2020 arbeiteten nur sieben Prozent der Mitarbeiter die meiste Zeit von zu Hause aus, doch nach 2020 sind 96 Prozent der Unternehmen bereit, ihren Mitarbeitern flexible Arbeitszeiten anzubieten. Die Rückkehr zu physischen Büros in der einen oder anderen Form wird jedoch den Frustrationsgrad der Mitarbeiter erhöhen, da wir uns von einer gleichberechtigten „One-Screen“-Erfahrung zu einer fragmentierten Erfahrung entwickeln.

In dieser neuen Welt müssen wir die digitale als primäre Erfahrung behandeln, unabhängig davon, ob es sich um vollständige Fernarbeit, Arbeit persönlich vor Ort oder eine Kombination aus beidem handelt. Selbst wenn sich mehrere Personen in einem Raum befinden, müssen wir uns darauf konzentrieren, ein gemeinsames Erlebnis für alle zu schaffen, unabhängig von ihrem physischen Standort. Andernfalls werden die Mitarbeiter, die sich aus der Ferne einloggen, das Gefühl haben, dass sie einer Besprechung zuschauen, anstatt an ihr teilzunehmen.

In diesem Jahr muss der Schwerpunkt auf dem Aufbau von Workspaces (Arbeitsräumen) anstelle von herkömmlichen Workplaces (Arbeitsplätzen) liegen und auf der Schaffung von Möglichkeiten für Mitarbeiter, sowohl digital als auch physisch zusammenzukommen. Dies kann sich nicht auf einen Konferenzraum beschränken, der einmal im Quartal für eine Teambesprechung dient. Verbindung und Zusammenarbeit müssen zu einem beständigen, täglichen Ereignis werden.

Hier kommt eine starke Vorbildfunktion ins Spiel. Führungskräfte sollten vorleben, wie man sich in einer hybriden Welt vernetzt und engagiert. Wenn das gesamte Führungsteam die ganze Zeit im Büro ist, haben die Mitarbeiter das Gefühl, dass ihnen eine Sache gesagt, aber eine andere gezeigt wird. Daher gilt es, die Kamera einzuschalten, sowohl digitale als auch physische Räume für die Zusammenarbeit zu nutzen, und Energie in beide Seiten der Erfahrung zu stecken.

Mitarbeiter als Person in den Mittelpunkt stellen

Beim Übergang zum hybriden Arbeiten müssen wir uns darüber im Klaren sein, dass die Erfahrung – per Definition – unzusammenhängend sein wird. Eine wichtige, wenn auch unbeabsichtigte Auswirkung könnte darin bestehen, dass die Mitarbeiter vor die Wahl gestellt werden, entweder ins Büro zu gehen, um sichtbar zu bleiben, oder zu Hause zu bleiben, aber eine frustrierende digitale Erfahrung zu ertragen. Letztere würde ihnen das Gefühl geben, nicht gesehen zu werden und den Anschluss zu verlieren. Beides ist keine gute Wahl.

Spulen wir ein paar Jahre vor: Werden sich Remote/Hybrid-Mitarbeiter wie Außenseiter fühlen? Werden sie bei Beförderungen oder Projekten übergangen, weil die Verbindung einfach nicht da ist, oder weil ihre Produktivität nicht die gleiche ist wie die der Mitarbeiter vor Ort? Haben wir eine völlig neue (unwillkommene) Gelegenheit für Voreingenommenheit geschaffen? Diejenigen, die sich dafür entscheiden, aus der Ferne oder flexibel zu arbeiten, haben vielleicht Angst, etwas zu verpassen. Ebenso sehen sie die Gefahr, dass sie bei wertvollen Gelegenheiten von denjenigen übersehen werden, die sich für eine Rückkehr ins Büro in Vollzeit entscheiden.

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Dies ist ein Hauptargument und vielleicht sogar der wichtigste Punkt, warum es unbedingt notwendig ist, das digitale Erlebnis, die Verbindung, richtig zu gestalten. Unternehmen müssen sicherstellen, dass sie ein Umfeld geschaffen haben, in dem sich alle Mitarbeiter unabhängig von ihrem Standort wohlfühlen können. Und sie müssen jeden Mitarbeiter ganzheitlich als Person betrachten, seine kurz- und langfristigen Ziele verstehen, sowohl persönlich als auch beruflich, und wissen, was ihn dazu befähigt, ein gut funktionierendes, wertvolles Mitglied des Unternehmens zu sein. Um im Jahr 2022 und darüber hinaus von einer integrativen, echten „Work-from-Anywhere“-Kultur profitieren zu können, müssen Unternehmen bereit sein, die Erfahrungen ihrer Mitarbeiter auf verschiedenste Weise anzupassen.

Die Ära des „Arbeitens von überall“ wird zu einer Ära des „Arbeitens von dort, wo man ist“. Das bedeutet nicht, dass wir auf das Ende der Pandemie warten sollten, bis wir wieder mobil sind oder die Dinge wieder „normal“ laufen, um zu versuchen, erstaunliche Dinge zu erreichen. Erstaunliche Dinge geschehen bereits jetzt.

Christy Wyatt, Absolute Software.
Christy Wyatt, Absolute Software.
(Bild: Absolute Software)

Es ist möglich, reichhaltige Erfahrungen zu machen, selbst im Angesicht der Ungewissheit. Unternehmen können die Vorteile der persönlichen Zusammenarbeit und die Effizienz der Fernarbeit nutzen und trotzdem ein gut funktionierendes, hoch engagiertes Team aufbauen, ohne Kompromisse einzugehen.

* Die Autorin Christy Wyatt ist President und CEO bei Absolute Software.

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