Jahreskongress des Microsoft Business User Forums

Was Dynamics 365 aus der Cloud so erfolgreich macht

| Autor / Redakteur: Jürgen Frisch / Florian Karlstetter

Wie steht es um die Microsoft-Cloud? Rund 400 Anwender hören auf dem Jahreskongress der Microsoft-Anwendervereinigung mbuf die Ausführungen von mbuf-Vorstandssprecher Ralph Alkemade.
Wie steht es um die Microsoft-Cloud? Rund 400 Anwender hören auf dem Jahreskongress der Microsoft-Anwendervereinigung mbuf die Ausführungen von mbuf-Vorstandssprecher Ralph Alkemade. (Bild: Wolfgang Miedl)

Dynamics 365 zieht mehr Cloud-Anwender an als Microsoft geplant hat. Produzierende Unternehmen bestehen jedoch darauf, zumindest die wichtigen Systemteile inhouse zu betreiben. Das berichtet die Anwendervereinigung mbuf auf dem Jahreskongress in Stuttgart.

Sehr zufrieden mit der Resonanz auf die Cloud-Lösung Dynamics 365 zeigt sich Frank Naujoks, Lead für Dynamics Ax bei Microsoft Deutschland: „Wir haben in der Preview 150 Kunden im Live-Betrieb und weitere 400 in der Implementierung. Der Cloud-Anteil liegt höher als wir geplant haben“ Die Anwender kommen laut Naujoks aus allen Bereichen, darunter auch produzierende Betriebe oder die öffentliche Hand. In der Cloud seien sämtliche Größen vertreten, darunter auch Anwender mit vierstelligen Nutzerzahlen.

Dynamics 365 können Unternehmen komplett oder in Teilen in der Cloud betreiben. Die Bereitschaft für die Cloud-Migration macht der Microsoft-Manager am Zustand der Inhouse-Systeme fest: „Wer gerade in neue Server investiert hat, der betreibt typischerweise seine Systeme eher inhouse. In drei Jahren, wenn dann die Hardware abgeschrieben ist und zum Tausch ansteht, rechnen die Unternehmen neu und können ohne Vorbehalte in die Cloud gehen.“

Industrieanwender wollen Inhouse-Systeme

Eine andere Einschätzung liefert Martin Drude, Leiter der Arbeitsgruppe Dynamics Ax bei der Microsoft-Anwendervereinigung mbuf und Head of Group IT and Organization beim Textilmaschinenhersteller Trützschler: „Wir sehen in der Tat viele Cloud-Projekte für Dynamics 365, aber die kommen zumeist aus dem Handel und der Dienstleistungsbranche sowie Start-Ups. Industrieunternehmen sind bislang kaum dabei.“

Für Start-Ups ist laut Drude die Cloud-Variante sehr interessant, weil die Unternehmen keine Server anschaffen und auch kein Know-how für deren Betrieb aufbauen müssen. Völlig anders sei die Situation bei produzierenden Unternehmen, die automatisierte Lagersysteme oder Produktionsanlagen an das ERP-System angeschlossen haben. Derartige Systeme seien nur schwer mit einer betriebswirtschaftlichen Lösung in der Cloud zu integrieren. Darüber hinaus fürchteten Unternehmen eine Abhängigkeit vom Internet-Dienstleister. Trützschler habe beispielsweise seine Filiale in China mit einer Inhouse-Lösung ausgestattet, um Risiken zu minimieren, die durch eine instabile Datenverbindung entstehen könnten.

Industrieanwender von Dynamics 365 haben Microsoft laut Drude sehr schnell Feedback gegeben, dass sie sich keine reine Cloud-Lösung vorstellen können. Microsoft habe reagiert und eine Hybrid-Variante und sogar eine reine On-Premise-Lösung von Dynamics 365 zugesichert. Drude sieht darin einen Erfolg der Anwendervereinigung mbuf, die Stimmen von Industrieanwendern gegenüber Microsoft gebündelt hat.

„Alleine hätte mbuf nur wenig Chancen gehabt“, schränkt der Arbeitsgruppenleiter ein. Erfolg hatten wir erst, als wir uns mit anderen Anwendervereinigungen aus Europa und schließlich aus den USA zusammengefunden haben.“ Die amerikanischen Anwender hätten einen sehr kurzen Draht nach Redmond und könnten die Bedenken bei Microsoft sehr weit hoch eskalieren. Inzwischen habe es mit dem Microsoft Topmanagement aber auch Gespräche in Amsterdam gegeben.

Microsoft Dynamics 365 läuft bald auch inhouse

ERP und CRM integriert, aus der Cloud oder Inhouse

Microsoft Dynamics 365 läuft bald auch inhouse

24.01.17 - Mit einer Inhouse-Variante von Dynamics 365 will Microsoft die Cloud-Diskussion entspannen. Analysten verweisen auf eine relativ hohe Skepsis im deutschsprachigen Raum sowie auf die vergleichsweise hohen Preise von Mietsoftware. lesen

Anwender hadern mit Microsofts Cloud-Preisen

„Wir sehen in der Tat viele Cloud-Projekte für Dynamics 365, aber die kommen zumeist aus dem Handel und der Dienstleistungsbranche sowie von Start-Ups“, erklärt Martin Drude, Leiter der Arbeitsgruppe Dynamics Ax bei der Microsoft-Anwndergruppe mbuf. „Industrieunternehmen sind bislang kaum dabei, denn die haben oft automatisierte Lagersysteme oder Produktionsanlagen an das ERP-System angeschlossen.“
„Wir sehen in der Tat viele Cloud-Projekte für Dynamics 365, aber die kommen zumeist aus dem Handel und der Dienstleistungsbranche sowie von Start-Ups“, erklärt Martin Drude, Leiter der Arbeitsgruppe Dynamics Ax bei der Microsoft-Anwndergruppe mbuf. „Industrieunternehmen sind bislang kaum dabei, denn die haben oft automatisierte Lagersysteme oder Produktionsanlagen an das ERP-System angeschlossen.“ (Bild: mbuf)

Neben der Integrationsproblematik und den Leitungskapazitäten verweist Drude noch auf einen weitere Hürde beim Weg in die Cloud: vielen produzierenden Unternehmen seien die Preise für die Cloud-Lösungen zu hoch. „Auf unsere Kritik verweist Microsoft darauf, dass es sich um ein Full-Service-Modell handle, das Server und Maintenance beinhaltet“, berichtet der mbuf-Vertreter. „Die Rechnung können wir nicht nachvollziehen. Erstens können wir nicht sämtliche Server in die Cloud migrieren und behalten deshalb einen Kostensockel für Inhouse-Systeme und Personal. Zweitens machen die jährlichen Abschreibungen für Server in unserem IT-Budget gerade einmal einen Anteil von zehn Prozent aus. Nur diesen Anteil können wir im Vergleich ansetzen.“

Auf den Punkt gebracht heißt das: Die Hoffnung auf Kosteneinsparungen ist kein hinreichendes Motiv dafür, betriebswirtschaftliche Lösungen in die Cloud zu schieben. Um diesen Schritt zu rechtfertigen, müssen mehr Vorteile hinzukommen, zum Beispiel die globale Vernetzung: „Trützschler hat in allen Kontinenten Produktionswerke und betreibt daher eine globale Lieferkette, die in den ERP-Systemen abgebildet werden muss“, berichtet Drude. „Hier könnten die Common Data Services oder die Geo-Replikation von Datenbanken mit der Technologie von Azure Vorteile bringen, über die Cloud zu kommunizieren.“ Die für die Produktion wichtigen Systemteile würden in einem solchen Szenario allerdings stets inhouse laufen. Global agierende Mittelstandsunternehmen könnten sich laut Drude durchaus für ein Hybridsystem interessieren. „Sie wollen sich ein derartiges System zunächst bei einem Referenzkunden ansehen. Und Microsoft kann da bislang kaum Beispiele nennen.“

Die Diskussion um Cloud-Sicherheit entspannt sich

Die Diskussion um die Datensicherheit im Internet hat sich laut Drude inzwischen deutlich entspannt: „In der Microsoft-Cloud sind die Daten mindestens so sicher wie in einem On-Premise-System. Allerdings kann die NSA über den Patriot Act Microsoft zwingen, ihnen Daten aus der Cloud zur Einsicht vorzulegen.“ Vor Geheimdiensten würde wiederum auch kein Inhouse-System schützen: „Wenn unsere Daten die NSA wirklich interessieren, dann können die sich wohl Zugriff zu unseren Systemen verschaffen, und wir würden es möglicherweise nicht mal merken.“

„Wer gerade erst in neue Hardware investiert hat, betreibt Dynamics 365 typischerweise inhouse“, berichtet Frank Naujoks, Lead für Dynamics Ax bei Microsoft Deutschland. „Wenn in drei Jahren der Hardware-Austausch ansteht, stellt sich die Frage völlig neu.“
„Wer gerade erst in neue Hardware investiert hat, betreibt Dynamics 365 typischerweise inhouse“, berichtet Frank Naujoks, Lead für Dynamics Ax bei Microsoft Deutschland. „Wenn in drei Jahren der Hardware-Austausch ansteht, stellt sich die Frage völlig neu.“ (Bild: Uwe Nölke / Microsoft)

Einen Ausweg aus diesem Dilemma sieht Drude darin, dass die Unternehmen festlegen, welche Daten keinesfalls in die Cloud dürfen. Zum Beispiel die Konstruktionszeichnungen eines Maschinenbauers. Derartige Informationen dürften dann allerdings auch nicht per E-Mail verschickt oder unverschlüsselt auf einem Laptop gespeichert werden.

Microsoft bricht Dynamics 365 in Apps auf

Ausruhen auf den starken Anfangserfolgen von Dynamics 365 will sich Microsoft nicht: Zum 1. Juli sollen zwei neue Versionen der Lösung erscheinen, die Funktionen aus den Bereichen Talent Management und Retail beinhalten. „Wir brechen Dynamics 365 in Module auf die wir Apps nennen“, erklärt Naujoks. „Wir bündeln darin Funktionen, die nicht die Produktion betreffen. Wenn ein Unternehmen irgendwann auf die komplette Suite upgraden möchte, dann ist das problemlos möglich.“ Zwischen dem Sales-Tool des Business-Netzwerks LinkedIn und Dynamics 365 for Sales hat Microsoft einen Datenaustausch eingerichtet, der den LinkedIn Sales Navigator mit der CRM-Anwendung (Customer Relationship Management) verknüpft. Um diese Funktion zu nutzen, müssen Unternehmen einen kostenpflichtigen Service abonnieren.

Kommentare werden geladen....

Kommentar zu diesem Artikel abgeben

Anonym mitdiskutieren oder einloggen Anmelden

Avatar
  1. Avatar
    Avatar
    Bearbeitet von am
    Bearbeitet von am
    1. Avatar
      Avatar
      Bearbeitet von am
      Bearbeitet von am

Kommentare werden geladen....

Kommentar melden

Melden Sie diesen Kommentar, wenn dieser nicht den Richtlinien entspricht.

Kommentar Freigeben

Der untenstehende Text wird an den Kommentator gesendet, falls dieser eine Email-hinterlegt hat.

Freigabe entfernen

Der untenstehende Text wird an den Kommentator gesendet, falls dieser eine Email-hinterlegt hat.

copyright

Dieser Beitrag ist urheberrechtlich geschützt. Sie wollen ihn für Ihre Zwecke verwenden? Infos finden Sie unter www.mycontentfactory.de (ID: 44710896 / CRM)