Cloud-basierte Datenweiterleitungsprozesse für weniger Erfassungsaufwand

Vorausgefüllte Steuererklärung verringert Bürokratie

| Redakteur: Elke Witmer-Goßner

Die Finanzverwaltung hat die Vorausgefüllte Steuererklärung Anfang 2014 freigegeben. Der Weg ist somit frei für eine komplett elektronische Steuerdeklaration.
Die Finanzverwaltung hat die Vorausgefüllte Steuererklärung Anfang 2014 freigegeben. Der Weg ist somit frei für eine komplett elektronische Steuerdeklaration. (Bild: M&S Fotodesign, Fotolia)

Das Nürnberger Softwarehaus und IT-Dienstleistungsunternehmen Datev hat einen wichtigen Schritt in Richtung Steuerdigitalisierung gemacht. Die erste vorausgefüllte Steuererklärung wurde jetzt bei der Finanzverwaltung abgerufen.

Erstmals hat der Neusser Steuerberater Heinz Matthiesen die bei der Finanzverwaltung bereits elektronisch vorliegenden Daten eines Mandanten heruntergeladen, der ihm dazu die Vollmacht erteilt hatte. Er gab damit den Startschuss, dass noch in diesem Jahr die Steuererklärungen über Einkünfte aus nichtselbstständiger Tätigkeit komplett digitalisiert abgewickelt werden können.

Das Projekt „Vorausgefüllte Steuererklärung (VaST)“ basiert auf dem Steuerbürokratieabbaugesetz der Bundesregierung, das 2008 beschlossen und zum 1. Januar 2009 in Kraft getreten ist. Das „Gesetz zur Modernisierung und Entbürokratisierung des Steuerverfahrens“ sieht vor, dass immer mehr papierbasierte Verfahrensabläufe durch elektronische Übermittlungsformen ersetzt werden sollen. Das betrifft neben der Steuererklärung beispielsweise auch Bilanzen, Gewinn- und Verlustrechnungen, beinhaltet aber auch Außenprüfungen von Unternehmen durch Finanzverwaltungen und Rentenversicherungsträger.

Umfassende Datenbank-Vernetzung

Die sinnvolle und konsequente Umsetzung des VaST-Projekts setzt den umfassenden Datenaustausch zwischen Arbeitgebern und Finanzbehörden, aber auch Banken und Versicherungen, Vereinen und Kirchen (Spenden!) und nicht zuletzt der Steuerberater voraus. Big-Data-Analysen für die gezielte Auswertung großer Datenvolumina bieten sich hier als erste Lösung an. Allerdings bleibt das Problem, beim Umgang mit personenbezogenen Informationen oder sensiblen Unternehmensdaten diese nur Befugten zugänglich zu machen und die Gefahr eines Missbrauchs zu minimieren.

Das Rechenzentrum der Datev bietet sich hier als Drehscheibe an, um Behörden, Banken, Geschäftspartner und Kunden sicher anzubinden und den vertraulichen Informationsaustausch zu gewährleisten. Hier laufen zahlreiche sensible Informationen zusammen. Unter anderem sind dort die Buchführungsdaten von rund 2,5 Millionen Unternehmen archiviert.

Übernahme per Mausklick

Die Vorausgefüllte Steuererklärung (VaSt) steht in enger Verbindung mit der Vollmachtsdatenbank. Erst über eine vom Mandanten erteilte Vollmacht, die schriftlich und nicht behauptet erfolgen muss, erhalten Steuerberater über einen elektronischen Identitätsnachweis Zugriff auf die zentralen Datenpools, die durch Meldungen von Institutionen, Behörden, Arbeitgeber usw. gefüttert werden. Abrufbar sind die Lohnsteuerdaten, die der Arbeitgeber an das Finanzamt übermittelt bzw. die dort vorliegenden Rentenbezugsmitteilungen. Außerdem Informationen über die Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung sowie zu Vorsorge-Versicherungen, die nach Riester- oder Rürup-Modell steuerlich gefördert werden. Um auch Spendenbelege elektronisch abrufen zu können, sollen bald auch Organisationen, Vereine oder Kirchen angebunden werden.

Alle diese Informationen können in die üblichen Programme zur Erstellung der Steuererklärung übernommen werden – egal ob es sich dabei um das von der Finanzverwaltung angebotene Elster-Formular handelt, ein Steuerprogramm für die Privatnutzung oder eine professionelle Steuerberater-Lösung. Die von Arbeitgeber, Sozialversicherungsträger und Versicherungen übermittelten Informationen können vom Steuerpflichtigen oder seinem bevollmächtigten Steuerberater jederzeit abgerufen werden. Es stehen jeweils alle Daten zur Verfügung, die der Finanzverwaltung vorliegen. Wie bisher muss der Steuerpflichtige bzw. sein Steuerberater alle Daten, die in die VaST übernommen wurden, auf Richtigkeit und Vollständigkeit prüfen.

Minimierter Erfassungsaufwand

Der neue Service der Finanzverwaltung ändert inhaltlich nichts an den Abläufen beim Erstellen der Steuerklärung. Er beseitigt aber einen Medienbruch, indem er bereits elektronisch vorliegende Daten bereitstellt, die dann nicht mehr extra per Hand eingegeben werden müssen. Im Umkehrschluss bedeutet dies aber auch, dass Daten, die der Finanzverwaltung nicht vorliegen, wie Einkünfte aus Vermietungen und Verpachtung, Werbungskosten oder außergewöhnliche Belastungen, noch ergänzt werden müssen. Damit erweist sich die VaST keinesfalls als fertige Deklaration, sondern macht lediglich Vorschläge zur Ausfüllung der Formulare.

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