Modernes Preismodell statt zusätzlicher Lizenzgebühren

SAP will neues Lizenzmodell für indirekte Nutzung ihrer Anwendungen

| Autor: Elke Witmer-Goßner

„Wir können und werden uns weiterentwickeln“, beschwor CEO Bill McDermott die SAP-Gemeinde. Das gilt auch für die Lizenzierung.
„Wir können und werden uns weiterentwickeln“, beschwor CEO Bill McDermott die SAP-Gemeinde. Das gilt auch für die Lizenzierung. (Bild: SAP SE/Eventrix AG)

Auf der diesjährigen Kunden- und Partnerkonferenz SAPphire Now in Orlando, Florida, machte Konzernchef Bill McDermott unter anderem die Problematik der indirekten Nutzung (Indirect Access) zum Thema seiner Keynote. SAP kündigte neue Lizenz-Optionen an für die gängige Praxis der indirekten Nutzung, indem andere Programme die SAP-eigenen Systeme ausschließlich zum Datenaustausch nutzen. Anwender sollen davor bewahrt werden, dass ihre Lizenzkosten ins Unermessliche steigen.

Die indirekte Nutzung von SAP-Software hat durchaus hohe Relevanz – und schürt Ängste. Größte Verunsicherung bei den Anwendern zog vor allem ein Gerichtsverfahren in Großbritannien nach sich. SAP hatte dort erfolgreich gegen den Getränkekonzern Diageo geklagt, der es Salesforce-Nutzern erlaubt hatte, auf in SAP-Systemen gespeicherte Daten zuzugreifen. Dem Unternehmen drohen nun Lizenznachzahlungen von bis zu 55 Millionen britischen Pfund bzw. fast 64 Millionen Euro. Erste Unternehmen bilden laut Medienberichten bereits Rückstellungen in mehrstelliger Millionenhöhe, um die Risiken einer Klage seitens des Software-Herstellers finanziell abzusichern. Die Deutschsprachige SAP-Anwendergruppe (DSAG) ist zwar skeptisch, dass sich dieses Urteil zur „indirekten Nutzung“ unmittelbar auf Anwender in Deutschland, Österreich und der Schweiz übertragen lässt, dennoch sorgt das Thema auch unter den DSAG-Mitgliedern für Gesprächsstoff.

Joachim Paulini, SAP Solutions Technical Architect bei Snow Software, Spezialist für Software Asset Management (SAM), vermutet gar eine Strategie SAPs, um die Lizenzkosten gewollt in die Höhe zu treiben: „SAP treibt S/4 HANA in der Cloud voran und die IoT-Initiativen mit SAP Leonardo tun ihr Übriges dazu, dass immer mehr Daten durch SAP-Systeme fließen. Das bedeutet, dass selbst Unternehmen, die in die Cloud wollen, festsitzen. Sie fragen sich, ob die Lizenzkosten in Zukunft nicht doch weiter ansteigen.“ Positiver bewertet Paulini das Konzept des „Static Read“, das SAP als Teil der zugrundeliegenden Software-Lizenz neu eingeführt hat: „So unterstreicht SAP die Aussage, dass Kundendaten auch wirklich den Kunden gehören. Das ist ein deutlicher Schritt nach vorne. Nur weil die Daten im SAP-System waren, sollten Kunden ja nicht dafür bezahlen müssen, wenn sie die Daten außerhalb des SAP-Systems betrachten.“

Modernen Zeiten gerecht werden

SAP selbst betont in einer Stellungnahme, man habe in letzter Zeit zu viel über Produkte, aber nicht ausreichend über das Preis- und Lizenzmodell kommuniziert. In dem Beitrag „Modern Pricing for Modern Times“ stellt SAP Corporate Development Officer Hala Zeine klar, dass man in Zeiten, wo traditionelle Geschäftsansätze sukzessive durch neuere, transparente, moderne Denk- und Handlungsweisen ersetzt würden, der Konzern auch seine Preispolitik entsprechend anpassen müsse. SAP denkt darüber nach, die indirekte Nutzung künftig auf der Basis von Bestellungen zu messen und somit den Wert der Lizenz am Geschäftsergebnis anstatt der Nutzerzahl festzulegen.

Die DSAG begrüßt zwar, dass sich SAP mit diesem Thema auseinandersetzt, hält die Stellungnahme jedoch für unzureichend. Sie kritisiert, dass es innerhalb der SAP gar keine klare Definition beziehungsweise Regelung zur indirekten Nutzung gebe. Man müsse das Thema „indirekte Nutzung“ grundsätzlich aus zwei Perspektiven betrachten: Auf der einen Seite gehe es darum, dass Anwender SAP-Software direkt oder indirekt nutzen. Diese Form der Nutzung müsse lizenzrechtlich bewertet werden. Gegebenenfalls benötige man je nach Nutzung ein entsprechendes Nutzungsrecht in Form einer „Named-User-Lizenz“ oder eine Engine, so die DSAG. Daher hält die DSAG die jetzt kommunizierten Preismodelle von SAP zur indirekten Nutzung für verschiedene Szenarien für unzureichend, da noch einige Themen unbedingt einer zufriedenstellenden Klärung bedürften.

„Die DSAG beschäftigt sich bereits seit Langem mit der indirekten Nutzung und es ist prinzipiell begrüßenswert, dass sich bei SAP nach vielen Jahren etwas bewegt“, erläutert Andreas Oczko, DSAG-Vorstand Operations/Service & Support. Allerdings sei das von SAP erarbeitete Dokument zur Preisgestaltung bei indirekter Nutzung derzeit noch unausgereift, da essentielle Fragen ungeklärt und viele Aspekte unberücksichtigt bleiben, und die DSAG habe von einer Veröffentlichung zum gegenwärtigen Zeitpunkt abgeraten. So betrachte das Papier beispielsweise vor allem bereits bekannte Fälle, lasse jedoch einige juristische Aspekte außen vor. So wird die Unsicherheit bei den Kunden nur noch größer und notwendige Investitionen in die Zukunft bleiben weiter blockiert. „Wir empfehlen SAP-Kunden daher, sich möglichst reflektiert mit den Forderungen der SAP zu beschäftigen und über eine gründliche Prüfung nachzudenken“, erläutert Andreas Oczko. Gleichermaßen sei eine Kontaktaufnahme zur DSAG-Geschäftsstelle empfehlenswert, um gemeinsam relevante Themen zu diskutieren, diese anschließend gebündelt an SAP zu kommunizieren und eine gemeinsame, adäquate Regelung zu erarbeiten.

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