SAP-Anwendungen auf und unter dem Schirm

SAP-Monitoring mit Open-Source-Tools

| Autor / Redakteur: Steffen Rieger * / Ulrike Ostler

Umbrella-Monitoring nennt der Autor Steffen Rieger es, wenn ein Tool SAP-Anwendungen und mehr als diese überwachen kann.
Umbrella-Monitoring nennt der Autor Steffen Rieger es, wenn ein Tool SAP-Anwendungen und mehr als diese überwachen kann. (Bild: lassedesignen / Fotolia.com)

Oftmals ist die gesamte IT-Landschaft rund um ein zentrales SAP ERP-System herum gebaut. Vertrieb, Finanzwesen, Produktion und Logistik hängen davon ab. Fällt es aus, werden keine Waren zugestellt, keine Rechnungen geschrieben, Maschinen stehen still und Rohstoffe bleiben im Lager.

Weil das einem Super-GAU gleichkäme, ist es unabdingbar, die SAP-Systeme ständig zu überwachen. SAP-Monitoring ist aber nicht nur sinnvoll, um die Stabilität des Systems zu erhöhen und katastrophalen Ausfällen vorzubeugen. Es kann auch zur Automatisierung von Routinetätigkeiten dienen.

Zudem machen die damit gewonnenen verlässlichen Performance-Daten das System transparent, lassen sich zur Optimierung nutzen und nicht zuletzt auch als Verfügbarkeitsnachweis verwenden.

Neue Wege ohne CCMS

Der von SAP verkündete Abschied von CCMS (Computer Center Management System) bedeutet, dass die bisher eingesetzten Monitoring-Lösungen in absehbarer Zeit obsolet werden und eine neue Überwachungsarchitektur für SAP-Systeme notwendig wird. Diese muss die Veränderungen berücksichtigen, die mit der Version 7.1 des „SAP Solution Manager“ eingeführt wurden.

Außerdem muss sie in der Lage sein, Daten aus unterschiedlichen Datenquellen einzubeziehen, unter anderen Datenbank-Connections, Informationen aus den Diagnostics-Agents, RFC-Calls oder BAPIs. Doch erst eine Implementierung einzelner Funktionen aus dem „SAP Control Framework“ ermöglicht es, die Diagnostics-Agents über einen Webservice direkt anzusprechen.

Dadurch werden nicht nur bislang über CCMS abgefragte SAP-Metriken zugänglich, sondern auch andere relevante Kennzahlen. Einige wichtige Methoden, die eine zukunftssichere Monitoring-Lösung auf jeden Fall beherrschen sollte, sind:

  • ABAPReadSyslog => Liefert Informationen ähnlich der Transaktion SM21
  • ABAPGetWPTable => Liefert Informationen ähnlich der Transaktion SM50
  • GetAlertTree => Liefert Informationen ähnlich der Transaktion RZ20
  • GetProcessList => Überwachung von Message-Server und Dispatcher
  • J2EE* => Informationen über diverse Java-Metriken und Statistiken
  • EnqGetStatistic => Enqueue Statistiken (Enqueue-Errors, Dequeue-Errors)
  • EnqGetLockTable => Informationen über Sperreinträge

Auf der Suche nach Plug-in-Alternativen

Prinzipiell ist es möglich, geeignete Monitoring-Lösungen mit verschiedenen Open Source-Produkten wie „Open NMS“, „Zabbix“, „Icinga“, „Neamon“ oder auch „Nagios“ aufzubauen. Insbesondere die „Nagios Plugins for CCMS“ gelten als Vorbild für die Integration von VVMS-Metriken.

In Open IT Cockpit lassen sich verschiedene Metriken komfortabel und übersichtlich visualisieren.
In Open IT Cockpit lassen sich verschiedene Metriken komfortabel und übersichtlich visualisieren. (Bild: Doris Oberfrank-List / Fotolia.com)

Doch mit dem Ende von CCMS müssen sich Unternehmen besser schon heute als morgen nach einer Alternative für diese Plugins umsehen, die ihrem Monitoring-System über Sub-Control-Webservices die Abfrage der Kennzahlen von den Diagnostic Agents ermöglicht. Verschiedene Anbieter haben derartige Plugins bereits entwickelt.

Umfassendes Monitoring heißt, mehr als nur SAP überwachen

Ein gutes SAP-Monitoring beschränkt sich aber nicht auf den SAP-Bereich. Nur die SAP-Basis und die Applikationen zu überwachen, reicht nicht: Will man umfassend überwachen, muss das Monitoring auch die Hardware, die Betriebssysteme und die Datenbanken im Blick haben.

Mehr als eine Anwendung im Blick

Nur dann können IT-Verantwortliche ausgefallene Festplatten oder ausgelastete Datenbanken rechtzeitig erkennen, die möglicherweise zu Problemen mit SAP führen. Deshalb sollte eine vollständige SAP-Monitoring-Lösung die fünf Bereiche Hardware, Betriebssystem, Datenbank, SAP-Basis und Applikationen abdecken. Auch diese Aufgaben lassen sich mit den gängigen Open Source-Monitoring-Lösungen umsetzen.

Die Manadantenübersicht in der jüngsten Fassung von IT Cockpit der IT-Novum GmbH.
Die Manadantenübersicht in der jüngsten Fassung von IT Cockpit der IT-Novum GmbH. (Bild: IT-Novum GmbH)

Den größtmöglichen Wert aus ihrer Monitoring-Lösung können Unternehmen erst dann ziehen, wenn sie die gewonnenen Daten in ein übergeordnetes Management-System integrieren. In einem solchen System, beispielsweise auf Basis des Open Source-Projekts „Open IT Cockpit“ ((http://openitcockpit.org/)), lassen sich die verschiedenen Metriken komfortabel und übersichtlich visualisieren.

Darüber hinaus können dort andere Systeme wie etwa ein Ticketing-System, eine CMDB oder End-to-End-Tests eingebunden werden. Sie ermöglichen erst ein umfassendes Umbrella-Management der gesamten IT-Landschaft. Statt mit ihrem Monitoring „nur“ Katastrophen zu verhindern, können Unternehmen so einen echten Business-Mehrwert generieren.

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