„Die Erwartungshaltungen der CIOs ändern sich“

Outsourcing-Konzepte im Wandel

| Redakteur: Florian Karlstetter

Wie verändern Cloud Services, Hybridmodelle und Konzepte wie "bring your own device" die Anforderungen an CIOs in Unternehmen? Ein Experte nimmt Stellung. (© T. L. Furrer - Fotolia.com)
Wie verändern Cloud Services, Hybridmodelle und Konzepte wie "bring your own device" die Anforderungen an CIOs in Unternehmen? Ein Experte nimmt Stellung. (© T. L. Furrer - Fotolia.com)

Cloud Services, Hybridmodelle und Konzepte wie „bring your own device“ – die Anzahl der von Analysten und Medien aktuell diskutierten Neuerungen ist groß. Doch welche dieser Trends bewegen CIOs und IT-Leiter tatsächlich?

Reiner-Wolfgang Horch, Senior Director IT Outsourcing bei der TDS, erläutert im Interview, wie sich die Anforderungen und IT-Strategien der Unternehmen verändern und welche Konzepte für IT-Verantwortliche eine nähere Betrachtung wert sind.

Herr Horch, wie kann das in den Medien viel diskutierte „bring your own device“-Modell mit hohen Sicherheitsstandards von Unternehmen in Einklang gebracht werden? Wie verbreitet ist ein solcher Ansatz überhaupt in Unternehmen?

Reiner-Wolfgang Horch: Die Fragestellung, ob oder inwieweit Mitarbeiter mit privaten Endgeräten auf Unternehmensdaten zugreifen dürfen, bewegt tatsächlich viele CIOs. Nicht zuletzt, da Mitarbeiter anscheinend häufig eine nicht zu unterschätzende Eigeninitiative entwickeln – etwa, indem sie sich kurzerhand einen Zugriff von ihrem privaten Smartphone auf ihren Outlook-Kalender einrichten. Auf den ersten Blick mag man darüber schmunzeln. Aber bei näherer Betrachtung öffnen sich durch solche Aktionen teils erhebliche Sicherheitslücken. Insbesondere, wenn Unternehmensdaten auf dem Endgerät gespeichert werden. Daher ist derzeit die Einbindung privat genutzter Endgeräte mit Sicherheitszertifizierungen wie der ISO 27001 auf der Basis von IT-Grundschutz kaum in Einklang zu bringen. Nicht zuletzt deswegen ist meiner Erfahrung nach ein solcher Ansatz derzeit in Unternehmen kaum anzutreffen.

Ist „bring your own device“ somit ein Hype ohne realistische Chance auf die Umsetzung in der betrieblichen Praxis?

Ich persönlich glaube, dass die Konsumerisierung insgesamt und Einbindung von privaten Endgeräten in die Unternehmens-IT im Speziellen ein Trend ist, der sich nicht aufhalten lässt. Die Nutzung von PDAs oder Tablets für private Zwecke wird zunehmend mit der Nutzung für berufliche Zwecke verschwimmen.

Anforderungen an die Sicherheit

Die Herausforderung dabei ist, die Sicherheits- und Supportfragen zu lösen. Dies bedeutet, dass die IT-Abteilungen – oder wir als Dienstleister – die entsprechenden Voraussetzungen schaffen müssen, um die erforderlichen Sicherheitsanforderungen zu erfüllen. Daher evaluieren unsere IT- und Sicherheitsexperten bereits entsprechende unterstützende Technologien. Dazu zählen unter anderem spezielle, gesicherte Zugriffsmöglichkeiten über das Netz oder der Einsatz virtualisierter Desktop-Umgebungen.

Mit letzteren lassen sich die Endgeräte sicher kapseln. Solange derartige Konzepte jedoch nicht Compliance-konform sind, wird die Umsetzung in der Praxis für die meisten IT-Verantwortlichen nicht in Frage kommen. Persönlich rechne ich übrigens damit, dass auch Institutionen wie das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) ihre Vorgaben an die Anforderungen dieser neuen Konzepte anpassen werden.

Sicherheit ist auch ein häufig genannter Knackpunkt im Zusammenhang mit Cloud Services. Wie sieht hier die Akzeptanz der Cloud durch CIOs und IT-Leiter von mittelständischen und großen Unternehmen aus?

Unsere Erfahrungen zeigen, dass unsere Kunden Private Cloud Services mit einem hohen Sicherheitsniveau sehr aufgeschlossen gegenüberstehen. Gerade bei temporär benötigten Testumgebungen und Sandbox-Systemen sind Private Cloud Services ein gerne eingesetztes Angebot, da sie Flexibilität und niedrige Kosten vereinen. Aber auch die schnelle und flexible Bereitstellung von IT-Ressourcen ist ein hoher Motivationsfaktor für den Einsatz von Cloud Services.

Dabei ist generell feststellbar, dass unsere Kunden sich nicht mehr mit Hardware-Ressourcen auseinandersetzen wollen. Sie erwarten einfach einen verfügbaren Service mit bestimmten Leistungsparametern und hoher Skalierungsbandbreite.

Ergänzendes zum Thema
 
Cloud-Baukasten

Durch Instrumente wie unseren Cloud-Baukasten lassen sich die Cloud Services zusätzlich stärker auf individuelle Anforderungen zuschneiden. Dies senkt die Einstiegshürden in die Cloud weiter. Insgesamt rechne ich damit, dass sowohl mittelständische als auch große Unternehmen verstärkt auf Hybrid-Modelle setzen. Diese sind eine Kombination aus klassischen IT-Konzepten für individuelle Anforderungen einerseits und Cloud Services andererseits. Letztere sind insbesondere für standardisierbare Lösungen bei weniger kritischen Leistungsanforderungen geeignet.

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