Investment ins Cloud Computing

Oracle startet in die Cloud-Zukunft

| Redakteur: Dr. Stefan Riedl

Die Oracle-Zukunft liegt in der Cloud.
Die Oracle-Zukunft liegt in der Cloud. (Bild: samott - Fotolia.com)

Man muss kein Orakel sein, um zu wissen, dass dem Bereitstellungsmodell „Cloud Computing“ die Zukunft gehört. Aber es hilft, ein Konzern wie Oracle zu sein, um die massiven Investitionen in ein eigenes „As a Service Rechenzentrum“ stemmen zu können. Partnerlandschaft und Kunden müssen umdenken. Das geht nicht ohne Reibungsverluste – insbesondere bei den Margen.

Oracle baut das eigene Rechenzentrum in Frankfurt am Main weiter aus. In Konzernmitteilungen ist von der Stärkung der „Oracle Cloud EU Region in Deutschland“ die Rede, neben dem Standort in Großbritannien. In Frankfurt sorgt die ­Nähe zum Internetknoten Deutscher Commercial Internet Exchange (DE-CIX) für hohe Bandbreite und niedrige Latenz. ­Gemessen am Datendurchsatz ist der DE-CIX-Knoten der größte der Welt. Oracle arbeitet mit mehreren vollständig unabhängig voneinander arbeitenden Availability Domains (ADs) als Zugangspunkte am Knotenstandort.

Frank Obermeier, der das Deutschlandgeschäft von Oracle leitete, ist neuer CEO bei Oracle Japan.
Frank Obermeier, der das Deutschlandgeschäft von Oracle leitete, ist neuer CEO bei Oracle Japan. (Bild: Oracle)

Der Konzern investiert damit in seine Cloud-Zukunft. Frank Obermeier, der bis vor kurzem das Deutschlandgeschäft von Oracle leitete und inzwischen als neuer CEO bei Oracle Japan arbeitet, erläutert die drei Ebenen, die das Cloud-Angebot bedienen will: Die oberste Ebene in der Architektursicht ist Software as a Service. dazu zählen Applikationen wie ERP-Systeme, HR-Software sowie Finanz- und Marketingprogramme. „Das nächste Layer“, so Obermeier, „ist Platform as a Service. Das sind im Prinzip alle integrativen Services, beispielsweise IoT as a Service. Und die Ebene darunter ist Infrastructure as a Service, der die Infrastruktur durch Compute- und Storage as a Service zur Verfügung stellt“.

Den IoT-Services, also Diensten, die mit dem Internet of Things zu tun haben, kommt in Zukunft eine besondere Rolle zu. Obermeier erläutert das Thema anhand eines Praxisbeispiels: „Bosch hat eine sehr klare Strategie, nämlich dass ein Großteil aller von Bosch hergestellten ­Geräte in absehbarer Zeit IoT-fähig sind. Wenn ich IoT mal dahingehend übersetze, dass die Geräte untereinander kommunizieren können – ob das ein Kühlschrank, eine Heizung oder sonst irgendwelche Geräte oder Komponenten sind – dann brauchen Sie zur Kommunikation der Geräte untereinander unterschiedliche Services.“ Diese sind auf der Platform-as-a-Service-Ebene angesiedelt.

Abgrenzung zu Amazon

Die Abgrenzung von Oracle zu Amazon beschreibt Obermeier so, „dass Amazon sehr stark auf das Infrastruktur-Layer setzt – was auch vollkommen legitim ist und das wird auch sicherlich ein großer Bereich der Cloud werden – aber es ist eben nur ein Teilbereich“. Wenn es um ­Rechenleistung geht, dann fangen die Möglichkeiten der Cloud erst an. „Und bei den Applikationen angekommen spielt auch die Wertschöpfungstiefe eine Rolle. Da ist es eindeutig von Vorteil, wenn Sie, wie Oracle, eine große Bandbreite an Anwendungen und Fachbereichen abdecken: Wenn Sie also über die Sales Cloud oder CRM- und ERP-Anwendungen reden, geht es um einen konkreten Mehrwert für das Unternehmen.“

Das Oracle-Rechenzentrum in Frankfurt.
Das Oracle-Rechenzentrum in Frankfurt. (Bild: Oracle)

Diese Software-as-a-Service-Ebene im Cloud-Dreiklang dürfte im Tagesgeschäft der Partner eine größere Rolle spielen als beispielsweise IoT-Szenarien. In diesem Zusammenhang erinnert die Ankündigung Oracles zunächst an die Microsoft-Strategie, gemäß dem Motto: Großer Konzern investiert in Rechenzentrum und bietet dort Dienste an, die mit den EU-Datenschutzrichtlinien besser in Einklang zu bringen sind.

Ergänzendes zum Thema
 
Cloud-Pionier Riverland Reply

Bei Microsoft ging es vor allem darum, dass man mit seinen Daten juristisch nicht mehr unter US-Recht fällt, Stichwort Patriot Act. Über ein Treuhandmodell hat Microsoft dazu die Hoheit über die Daten in die Hände von T-Systems gelegt. Aber auch wenn Oracle die Bedeutung von EU-Datenschutzrichtlinien im Rahmen des Frankfurter Rechenzentrums betonte – mit einem entsprechenden Modell für Daten ist das nicht verknüpft, stellt Obermeier klar.

Einbindung der Partner

Ein zentrales Thema auf dem Weg in die Cloud ist für Oracle die Einbindung der Partner. Schließlich müssen diese sich erst mit dem Geschäft im As-a-Service-Umfeld vertraut machen. Im Interview findet der Oracle-Manager den Vergleich mit dem Geschäft eines Versicherungsmaklers gar nicht so verkehrt – im Hinblick auf die über die Laufzeit kontinuierlich fließenden, aber kleineren Margen, verglichen mit dem klassischen Lizenzgeschäft.

Laut Obermeier ist bei den Oracle-Partnern erkennbar, dass sie sich nicht mehr fragen, ob Cloud-Angebote ein Teil ihres Geschäftsmodells werden, sondern sie sind es bereits. Selbiges hört man auch seitens der Oracle-Partner, wie beispielsweise von Ulf Heinemann, Geschäftsführer Robotron Datenbank-Software. „Allerdings sind die Kunden bei konkreten Planungen und Projekten aufgrund von Bedenken noch recht zurückhaltend“, so Heinemann im Hinblick auf die Cloud-Nachfrage auf Kundenseite.

Kundengespräche ändern sich

Echte Zweifel an der Cloud-Zukunft sind aber kaum anzutreffen. Stefan Meyer ­olbersleben, Mitglied der Geschäftsleitung beim Oracle-Partner Riverland Reply (siehe Kasten), beschreibt den Wandel folgendermaßen: „Die Gesprächsthemen mit unseren Kunden verändern sich: Es geht verstärkt um fachlichen und geschäftlichen Mehrwert statt um infrastrukturelle Details. Also zum Beispiel darum, wie wir Vertrieb, Service, Produktion und andere Leistungsprozesse unterstützen können. Oder wie wir Digital Transformation umsetzen und Systeme erneuern können. Daneben spielen aber natürlich auch weiter ganz klar die IT-Kosten ein Rolle. Und da bekommen wir mit der Cloud mehr Handlungsspielraum. “

Stefan Meyerolbersleben, Mitglied der Geschäftsleitung, Riverland Reply
Stefan Meyerolbersleben, Mitglied der Geschäftsleitung, Riverland Reply (Bild: Riverland Reply)

Bei Riverland Reply will man mit Hilfe der Cloud in der Lage sein, viele Angebote schneller zu realisieren, da das Unternehmen in Projekten von physischen Schranken, wie beispielsweise der Lieferung von Hardware, befreit wird, so Meyerolbersleben. „Diese Kostenvorteile geben wir an unsere Kunden weiter. Insbesondere dann, wenn wir nicht nur neue Applikationen in die Cloud nehmen, sondern auch Applikationen aus der bisherigen On-Premises-Umgebung der Kunden und anderer Dienstleister heraus- und in die Cloud übernehmen.“

Wolke aus Europa

Im Hinblick auf die Oracle-Investition in eine „Europäische Cloud“, die derzeit unter anderem aus Amsterdam und in Kürze auch aus Deutschland angeboten wird, sieht der Oracle-Partner Vorteile für die Zukunft: „In Kombination mit der Oracle Cloud Machine (OCM) können wir damit Cloud-Vorteile anbieten und gleichzeitig die Kundenwünsche nach Datenhaltung in Deutschland und in abgegrenzten Umgebungen erfüllen.“

Die angesprochene Oracle Cloud Machine ist das Vehikel um eine Firewall-gesicherte Plattform sowie Infrastructure as a Service anbieten, beziehungsweise nutzen zu können. Dass Leistungen im anbrechenden Cloud-Zeitalter zunehmend in As-a-Service-Manier abgerechnet werden, sieht Meyerolbersleben trotz der geänderten Margensituation grundsätzlich positiv: „Das hat den Vorteil, einerseits Transparenz zu schaffen, andererseits vermeiden wir, dass einzelnen Unternehmensbereichen Kosten für nicht benötigte Leistungen aufgebürdet werden.“

Die Robotron-Sicht

Beim Oracle-Partner Robotron bleibt dagegen die Oracle Datenbank das wichtigste Produkt und zwar sowohl On Premises als auch in der Cloud, so Geschäftsführer Ulf Heinemann: „Hier sehen wir auch für uns als Oracle-Partner einen großen Vorteil, da es keinen Technologiebruch zwischen diesen Welten [Anmerkung der Redaktion: On Premises und Cloud] gibt und wir erworbenes Know-how weiterhin zielgerichtet einsetzen können.“

Ulf Heinemann, Geschäftsführer, Robotron Datenbank-Software
Ulf Heinemann, Geschäftsführer, Robotron Datenbank-Software (Bild: Robotron)

Außerdem, so Heinemann, hätten die Engineered Systems im Oracle-Universum, darunter fallen speziell die Oracle Database Appliance (ODA) sowie Exadata als Datenbankplattformen, für Robotron eine wichtige Bedeutung erlangt. „Aktuell sehen wir erwartungsvoll der weiterentwickelten Oracle Cloud in Form der Bare Metal Cloud Services entgegen, da wir als Partner hier eine Chance sehen, unser erlangtes Knowhow einzubringen und für unsere Kunden passgenaue Betriebslösungen platzieren zu können."

Der Wechsel in die Cloud-Welt steht und fällt mit dem entsprechenden Knowhow. Laut Heinemann ist die Situation in Sachen Weiterbildung im Umfeld von Presales und Vertrieb vorbildlich. Oracle hält Robotron sozusagen „immer ‚up-to-date‘, denn es werden kontinuierlich Angebote gemacht und von Oracle und den Distributoren forciert. Es sei letztlich sogar so, „dass aus der Vielzahl von Angeboten die passenden selektiert werden müssen, um sich zielgerichtet weiterzubilden“, beschreibt der Robotron-Geschäftsführer das Weiterbildungsangebot seitens Oracle und der beteiligten Distributoren.

Insgesamt, so resümiert Heinemann, spüre man bei Robotron inzwischen sehr stark die Cloud-Ausrichtung des Konzerns und den damit einhergehende Umbau der Strukturen und Prozesse. „Für Oracle war es zwar noch nie üblich zu stag ­nieren, aber in den letzten zwei Jahren gab es enorme Bewegungen. So fallen für die On-Premises-Produkte durchaus fachliche und vertriebliche Ansprechpartner weg, beziehungsweise werden geografisch verlagert. Auch der Rückbau des Support-Bereichs in Deutschland ist nun in den Prozessen spürbar geworden“, ergänzt der Manager.

Übergangsphase zur Cloud-Ära

Oracle-Manager Obermeier sieht die Partner ebenso wie den Konzern in einer Übergangsphase: „Natürlich wird da derzeit viel optimiert, um die Cloud in das eigene Geschäftsmodell zu integrieren. Unsere Partner arbeiten unabhängig von dem konkreten Datacenter-Announcement aktiv mit der Intellectual Property, die wir in der Oracle-Cloud haben und binden das in ihre Angebote mit ein.“ Für den Partner werde es nicht die wesentliche Frage sein, aus welchem Datacenter heraus der Service betrieben wird – nehme man mal Datenschutz-Richtlinien zur Seite. Schließlich könne aus Partner-Sicht davon ausgegangen werden, dass Oracle diese erfüllt. Daher gehe es eigentlich darum, inwieweit die Partner in ihrem Angebot an die Endkunden das ganze Thema Cloud-Delivery-Service – ob jetzt Infrastruktur oder Plattform oder Applikation – in ihr Angebot integrieren. „Ich würde sagen, dass die Zeiten, wo ich Server- beziehungsweise Storage, also den ganzen Komplex, den wir als Legacy-Infrastruktur kennen, als Hardware im Reselling-Modell verkaufe, vielleicht nicht vorbei sind, aber sich dem Ende zuneigen.“

Praxisbeispiel

Ein Szenario aus der„praktischen Cloud-Zukunft“ könnte beispielsweise so aussehen, dass ein Kunde seine Development- und Testing-Umgebung in die Cloud verlegen will. Eine Compute-, eine Storage-, eine Datenbanklizenz-Komponente sowie einige Entwicklungswerkzeuge wandern dann in der Cloud, für einige Wochen oder Monate. Dann sei es wichtig, Modelle zu finden, über die der Kunde für diesen Zeitraum in der Cloud die Services abrufen kann.

Das Oracle-Rechenzentrum in Frankfurt.
Das Oracle-Rechenzentrum in Frankfurt. (Bild: Oracle)

Aus den vielen Gesprächen mit den Oracle-Partnern hat Obermeier den Eindruck gewonnen, dass viele „den neuen Weg, über die Cloud zu gehen“, sehr offen aufnehmen. Nach wie vor ist die richtige Balance zwischen den Investitionen in die neue Cloud-Welt und in das tradierte Geschäftsmodell ein heikles Thema. „Ich empfehle jedem Partner, mehr Zeit in die Cloud zu investieren“, so der Ex-Deutschland-CEO.

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