Studie liefert nicht nur positive Zahlen zu Private Clouds

OpenStack leidet an Fachkräftemangel

| Autor / Redakteur: Ludger Schmitz / Ulrike Ostler

(Bild: SUSE)

Nach einer vom Linux-Distributor Suse beauftragten Umfrage sind Private Clouds bei Großunternehmen sehr angesagt. Aber viele Projekte scheitern. Der Grund scheint der Mangel an OpenStack-Kennern zu sein. Entsprechende Fortbildungen sind sehr gefragt.

Public Clouds sind bei vielen europäischen Unternehmen für sensible Anwendungen tabu. Aber insbesondere große Firmen verfügen ohnehin schon über die Ressourcen, um Private Clouds aufzuziehen. Ist es häufig eine Maxime, ein auch hier drohendes Vendor Lock-in zu verhindern und Clouds unter Eigenregie offen zu halten. Das scheint OpenStack zu versprechen.

81 Prozent der Großunternehmen haben oder wollen OpenStack Private Clouds

Entsprechend groß ist das Interesse an diesem inzwischen gewaltig großen Open-Source-Projekt. 81 Prozent der leitenden IT-Verantwortlichen haben schon mit OpenStack Private-Cloud-Projekte aufgezogen oder wollen es. Das ist das Ergebnis einer Studie, die das Unternehmen Dynamic Markets im Auftrag von Suse durchgeführt hat. Dazu wurden 813 IT-Leiter großer Unternehmen aus Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Italien, Kanada, den USA und Skandinavien befragt. Dabei kamen aus jedem dieser Länder mindestens 110 Interviewte.

Demnach haben neun von zehn Großunternehmen schon mindestens eine Private Cloud implementiert. Fast alle (96 Prozent) würden sie auch für Business-kritische Anwendungen nutzen. Und genau so viele sind der Überzeugung, dass geschäftliche Vorteile für eine Private Cloud auf Open-Source-Basis gibt. Zwei Drittel geben als Gründe für eine Private Cloud Kostensenkungen und/oder Budget-Limitierungen an. Noch verbreiterter, nämlich bei 77 Prozent, ist die Intention, die Agilität und Innovation in ihrer IT zu verbessern.

Bedenken gelten Integration und Administration

„Wir glauben, insgesamt bringen die Befunde sehr positiv das Maß an Vertrauen und Zuversicht zum Ausdruck, das Unternehmen in OpenStack haben“, erklärt Ralf Flaxa, Suse Vice President of Engineering. „Verständlicherweise gibt es unter den Kunden deutliche Bedenken, wie ihre Cloud-Infrastruktur integriert und administriert werden soll.“ Dieser letzte Satz hat es in sich. Flaxa versucht hier, weniger positive Befunde zu umschreiben.

Denn die befragten leitenden IT-Verantwortlichen berichten in der Umfrage auch von weniger gut klingenden Erfahrungen. So ist die Hälfte der OpenStack-Projekte gescheitert. Zwei Drittel der Befragten bewerten die Implementierung als schwierig. Gleichwohl wollen 44 Prozent OpenStack mit eigenen Kräften installieren.

Häufiges Scheitern - nicht so wild

Dies Angabe über das häufige Scheitern ist vermutlich weniger desaströs, als es klingen mag. In der klassischen IT wäre eine Projektaufgabe gleichbedeutend mit dem möglicherweise kostspieligen Verlust einer Investition. Im Cloud Computing ist das anders.

Hier werden bewusst Cloud-Projekte schnell aufgesetzt, um Produkte am Markt zu testen, beispielsweise Dienstleistungen von Telekom-Carriern, die sich als Cloud Service Provider positionieren wollen. Hier gilt auch ein Scheitern als akzeptabel, weil das Projekt sich in der Cloud sehr viel kostengünstiger machen ließ als in der klassischen IT. Leider lassen die veröffentlichen Umfrageergebnisse nicht das finanzielle Ausmaß der gescheiterten Projekte und die Schlüsse daraus erkennen.

Eklatanter Mangel an Fachleuten

Hinweise auf eine mögliche Ursache der Probleme geben die Befragungsergebnisse allerdings. Zum einen wären da der oben genannte Befund, das 65 Prozent die OpenStack-Implementierung schwierig fanden. Zweitens beklagen 86 Prozent den Mangel von Fachwissen am Markt. Drittens geben vier von fünf Unternehmen, die noch keine Private Cloud eingerichtet haben, dass die Ursache dafür ein Mangel an Fachkräften ist.

Suse zitiert in diesem Kontext Ad Sadowski, Forschungsdirektor bei 451 Research: „Wegen der komplexen Natur der Projekte sind Managed Services und OpenStack-Distributionen zunehmend die Wahl für jene Anwender, welche die Plattform begrüßen, nachdem sie mit dem Do-it-yourself-Ansatz zu kämpfen hatte. Wir sind unverändert der Ansicht, dass OpenStack die De-Fakto-Open-Source-Option für die Einrichtung von Privaten Clouds ist.“

Vendor Lock-in auch bei Private Clouds

Das Zitat dürfte seinen Grund haben: Es ist Wasser auf die Mühlen der diversen Anbieter, die wie Suse Cloud-Lösungen quasi von der Stange anbieten. Jedoch hat es sich bei den Unternehmen herumgesprochen, dass der OpenStack-Heiligenschein Open Source versteckte proprietäre Fallen überstrahlen könnte. 92 Prozent der Befragten der Suse-Studie haben Bedenken wegen eines möglichen Vendor Lock-in.

Dies könnte auch erklären, warum die Nachfrage nach OpenStack-Schulungen geradezu durch die Decke schießt. Die OpenStack Foundation hatte im Jahr 2013 in acht Städten 17 Schulungen organisiert. 2015 veranstaltete sie 119 Kurse in 99 Städten.

Nachfrage nach OpenStack-Schulungen explodiert

Der OpenStack-Anbieter Mirantis hatte kürzlich gemeldet, im vergangenen Jahr rund 500 IT-Spezialisten geschult zu haben. In den Jahren 2012 bis 2014 waren es insgesamt halb so viele gewesen. Für 2016 hat Mirantis zwei neue Schulungsreihen eingerichtet, 15 Schulungsorte sind hinzugekommen.

Angesichts des durch die Suse-Umfrage offenbarten Defizits an Fachkräften könnten OpenStack-Schulungen ein interessantes Feld für IT-Fortbildungsunternehmen werden.

* Ludger Schmitz ist freiberuflicher Journalist in Kelheim.

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