Offene Kompatibilitätsprüfung versus geschützte Zertifizierung

OpenStack hat das Potential Source-Vendor-Certifications zu sprengen

| Autor / Redakteur: Boris Renski, CMO, Mirantis / Florian Karlstetter

Mirantis liefert die gesamte, zur Ausführung von OpenStack erforderliche Software sowie Service, Schulung und Support und wird von Dell, Intel, Red Hat, SAP und WestSummit Capital risikokapitalfinanziert.
Mirantis liefert die gesamte, zur Ausführung von OpenStack erforderliche Software sowie Service, Schulung und Support und wird von Dell, Intel, Red Hat, SAP und WestSummit Capital risikokapitalfinanziert. (Bild: Mirantis)

OpenStack ist eine unaufhaltsame Kommerzialisierungsmaschine. Bei ihrem Start schlug sie regelrecht in den Cloud-Software-Markt ein und zwang etablierte Akteure wie Eucalyptus, CloudStack und sogar VMware, ihre Marktausrichtung zu überdenken. Mit der Entwicklung der Community begannen sie, die schlecht differenzierten Technologien um Cloud-Umgebungen herum zu kommerzialisieren.

Immer mehr Infrastruktur-Unternehmen müssen eine Antwort auf die viel gefürchtete Frage finden: „Was unterscheidet uns von OpenStack?“

Hier entsteht ein großes Geschäft, könnten Skeptiker sagen. MySQL folgte auf Oracle; JBoss folgte auf WebSphere. Der Umbau von Amazon Web Services (AWS) unter Apache 2.0 ist ein Gegenbeispiel für den Kommerzialisierungstrend. Nun ist die Community wieder an etwas dran, das beweist, dass OpenStack mehr als nur ein Umbau von AWS ist. OpenStack entwickelt sich dahin, eine der Hauptsäulen des Lock-in, der wenig mit einem Software-Code zu tun hat, zum Einsturz zu bringen nämlich die Säule der „Hersteller-Zertifizierungen“. Mirantis wird dazu seinen Teil beitragen.

Einer der effektivsten Wege, die große Unternehmen zum Aufbau von Wettbewerbsbarrieren nutzen, sind vor allem Plattform-Zertifikate. Aus einer Mischung von Kapabilitättests und ein paar Veröffentlichungen entsteht so eine regelrechte Wettbewerbsbarriere und derzeit häufen sich Anzeichen, dass genau das bei OpenStack rechts und links passiert. Große Software-Häuser sind dafür bekannt, dass sie die Plattformvorteile jahrelang gegen kleinere, störende Marktbegleiter eingesetzt haben. Die OpenStack-Community ist allerdings gerade dabei, diese üblichen Marktmechanismen zu verändern.

Offene Kompatibilitätsprüfung ersetzt geschützte Zertifikate

Die OpenStack-Community erstellt derzeit einen standardmäßigen, offenen Satz an Tools, den Anbieter nutzen können, um die Kompatibilität ihrer Lösungen mit der vorgelagerten OpenStack-Codebasis selbst zu zertifizieren. Anbieter bauen ihre Labore intern auf, verlinken diese mit einem Community-betriebenen OpenStack Continuous Integration System und stellen Ergebnisse dieser Zertifizierungsprüfungen dynamisch in einem öffentlich verfügbaren Dashboard dar. Jay Pipes, der vor kurzem zum Mirantis-Team kam, unterstützt die Einführung dieser Bemühungen und startete eine Reihe von Posts, um Infrastrukturanbietern zu helfen, dieses Programm anzunehmen.

Unterstützung erhält diese Initiative über ein Dutzend Infrastrukturanbieter, einschließlich VMWare, NetApp und HP sowie OpenStack-Nutzer, wie Yahoo, Dreamhost und AT&T.

Setzt sich das durch, so lässt sich für die Zukunft das folgende Szenario skizzieren: jedes Unternehmen, dass OpenStack einsetzen möchte bekommt Zugang zu genauen objektiven Informationen wie gut eine Anbieterlösung x mit OpenStack harmoniert. Der Clou an diesem Szenario ist der, dass keine dritten Vertriebspartner mehr als Mittler nötig sind. Die Offenlegung lässt außerdem ein Wissen darüber zu, welche Tests durchgeführt wurden und welches Verfahren verfolgt wurde.

Mirantis unterstützt diese Initiative, weil es die größere Mission der OpenStack-Community unterstützt. Hierbei geht es nicht nur um Software, denn die hat wenig damit zu tun, wie leicht OpenStack einzuführen ist, wie gut es skaliert oder wie viele Fehler es hat. Es geht vielmehr darum gleich zu Anfang die Wettbewerbsbarrieren niederzureißen, die große Anbieter nutzen, um bei Kunden unfaire Margen durchzusetzen.

Als Amazon EC2 herausbrachte und das Infrastrukturkonzept der Cloud geboren wurde, brauchte die Welt ein bisschen, um zu verstehen, dass „Cloud” ein Paradigmenwechsel im Infrastruktur-Computing ist, und kein VMS-on-Demand-Angebot. Heute verharren viele, die OpenStack kritisieren, darin, dass OpenStack nur eine Open-Source Cloud-Software ist, wo es sich in Wirklichkeit doch um eine Infrastrukturkommerzialisierungs-Bewegung handelt. Schließlich geht es bei OpenStack nicht um die Software. Es geht darum, gleiche Bedingungen für alle zu schaffen, bei denen innovative Technologien, wie Ceph, eine Chance gegen die Großen haben. Mit der Initiative definiert OpenStack die Grenzen der offenen Communities wieder einmal neu, und bringt die Vision der Anbieter-agnostischen Cloud der Realität ein Stück näher.

Auf der nächsten Seite erläutert Boris Renski von Mirantis die Initiative zur offenen Kompatibilitätsprüfung bei OpenStack.

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