Open Allerlei statt Open Source? (Teil 1)

Offenkundige Verwandtschaft

| Autor / Redakteur: Ludger Schmitz * / Florian Karlstetter

Was ist geblieben vom Hype um Open Source? Allerlei, dies zeigt ein dreiteiliger Trendbeitrag des langjährigen Open-Source-Spezialisten Ludger Schmitz.
Was ist geblieben vom Hype um Open Source? Allerlei, dies zeigt ein dreiteiliger Trendbeitrag des langjährigen Open-Source-Spezialisten Ludger Schmitz. (© pro motion pic - Fotolia.com)

Große Schlagzeilen macht Open Source heutzutage nicht mehr. Dafür sind Begriffe wie Open Data, Open Access, Open Government oder Open Sonstwas offenbar angesagter. Ist Open Source deshalb einfach out, abgelöst von beliebiger Offenheit?

Sie sind rar geworden, die Artikel über den Wechsel von proprietärer Software auf Open-Source-Alternativen in Unternehmen und öffentlichen Verwaltungen. Deutlich häufiger ist zu lesen von Initiativen in Richtung Open Data oder Open Government. Der Hype um Open Source hat sich gelegt, während der um Open XYZ anläuft. Aber Hype bezeichnet nichts anderes als hohe öffentliche Wahrnehmung, (Medien-)Rummel. Die Realität muss das nicht sein.

Peter Ganten, Vorsitzender der Open Source Business (OSB) Alliance.
Peter Ganten, Vorsitzender der Open Source Business (OSB) Alliance. (Bild: Univention)

Weniger wahrnehmbar als Schlagzeilen ist das, was auf den Servern geschieht. Da ist Linux allgegenwärtig, und quelloffene Anwendungen erobern immer weitere Bereiche der Infrastruktur-Software. Open Source ist „in der Mitte der IT angekommen“, wie es Peter Ganten, Vorsitzender der Open Source Business (OSB) Alliance, sieht. Im Hypecycle „Emerging Technologies 2012“ von Gartner ist Open Source nicht mehr erfasst, das heißt, längst im Business angekommen. Und quelloffene Software bestimmt, so Ganten, den Kern der IT-Zukunft: Nicht nur basiert ein sehr großer Bereich der Cloud-Infrastruktur auf Open Source, sondern auch ein zunehmender Teil der mobilen Geräte, mit denen die Endanwender die Cloud nutzen.

Andreas Urban, der für Open Source zuständige Manager bei Microsoft Deutschland.
Andreas Urban, der für Open Source zuständige Manager bei Microsoft Deutschland. (Bild: Microsoft)

Auch die proprietäre Konkurrenz zollt Respekt. „Open-Source-Software ist Mainstream geworden“, bekundet Andreas Urban, der für Open Source zuständige Manager bei Microsoft Deutschland, „es hat sich als Entwicklungsmodell etabliert.“ Eine Einschränkung hat er aber doch: In einer Zukunft von Software as a Service (SaaS) spiele für die Anwender „nur der Nutzen und die Qualität der Software eine Rolle, weniger das Entwicklungsmodell“.

Diesem letzten Punkt widerspricht natürlich nicht nur Ganten, sondern auch Richard Seibt, Vorsitzender der Open Source Business Foundation (OSBF): Open Source sei als Modell für das Software-Business eher ernüchternd gewesen, aber „als Entwicklungsmodell wird es sogar wichtiger“, insbesondere für die „konsortiale Software-Entwicklung“. Bei der starten Anwenderfirmen dort herstellerunabhängige Softwareprojekte, wo sie gemeinsame Interessen haben. Beispielhaft verweist Seibt unter anderem auf das Zugsteuerungssystem openETCS europäischer Eisenbahngesellschaften oder die Eclipse Industry Working Groups.

Jenseits von Marktanteilen habe Open Source über die Entwicklung von Software hinaus Wirkung gezeigt, meinen Ganten und Seibt. Beide heben niedrigere Hürden für Innovation, Unabhängigkeit von Anbietern und offeneren Wettbewerb hervor. Das Ergebnis schlägt sich darin nieder, dass nun auch dort von Offenheit die Rede ist, wo es nicht mehr um Sourcecode geht. Eben in diversen Aspekten, denen jetzt das Adjektiv „Open“ vorangestellt wird.

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