CLOUD Technology & Services Conference 2017

Mehr Effizienz durch autonome Teams

| Autor / Redakteur: Dirk Srocke / Florian Karlstetter

Die Amazon-Gründer Jeff Bezos zugeschriebene Zwei-Pizza-Regel empfiehlt: Kleine, schnell agierende Teams sollten mit zwei Pizzen zu sättigen sein.
Die Amazon-Gründer Jeff Bezos zugeschriebene Zwei-Pizza-Regel empfiehlt: Kleine, schnell agierende Teams sollten mit zwei Pizzen zu sättigen sein. (Bild: © - alotofpeople - stock.adobe.com)

Am 12.9.2017 startet die „CLOUD Technology & Services Conference“ der Vogel IT-Akademie in Frankfurt am Main. Im Vorfeld der Konferenzreihe hat uns AWS-Experte Constantin Gonzalez im Gespräch verraten, warum dezentralisierte Miniteams Unternehmen voran bringen und nicht ins Chaos stürzen.

Der digitalen Wandel steht nicht nur für technische Herausforderungen, sondern auch für organisatorische. Im Interview haben wir Constantin Gonzalez, Principal Solutions Architect bei AWS, daher gefragt, wie sich Unternehmen aufstellen sollten, um auch künftig am Markt erfolgreich am Markt zu agieren.

Was zeichnet das erfolgreiche Unternehmen der Zukunft aus?

Constantin Gonzalez: Bei unseren Kunden sehen wir eine deutliche Zunahme von neuen, digitalen Geschäftsmodellen und eine daraus resultierende Beschleunigung von Innovations-Zyklen. Erfolgreiche digitale Unternehmen entwickeln die Fähigkeit, auch größte Datenmengen zu sammeln, zu analysieren und daraus – etwa mit Methoden der künstlichen Intelligenz – Voraussagen abzuleiten. Sie stellen ihre Kunden in den Mittelpunkt und können enge Beziehungen auch zu einer sehr großen Anzahl an Kunden aufbauen. Vor allem aber haben erfolgreiche Unternehmen gelernt, neue Ideen schnell auszuprobieren und dabei Risiken gering zu halten, um besser zu verstehen, welche Geschäftsmodelle in Zukunft erfolgreich sein werden.

Dieser organisatorische Wandel schließt natürlich auch die EDV ein. Wie verändert sich das Tätigkeitsprofil der IT-Mitarbeiter?

Gonzalez: Lange Zeit war die IT geprägt von eingeschränkten Ressourcen und langwierigen Prozessen, die von Fachabteilungen als hinderlich empfunden wurden. Dagegen haben Konzepte aus der „Lean Startup“-Kultur, agile Entwicklungs-Methoden sowie die DevOps-Bewegung gezeigt, dass Fachabteilungen durchaus Hand in Hand mit beispielsweise Entwicklung und den für den Betrieb Verantwortlichen in kleinen, schnell agierenden Teams zusammenarbeiten können. Cloud Computing ist hier ein wichtiger Katalysator, der den traditionell hohen Aufwand für Planung, Beschaffung, Aufbau, Betrieb und Wartung von IT-Ressourcen für unsere Kunden weitgehend eliminiert hat. Dadurch haben Unternehmen jetzt die Möglichkeit, mehr Ressourcen in die Entwicklung und den Aufbau neuer, digitaler Geschäftsmodelle und Services oder die Anreicherung bestehender Produkte und Dienstleistungen durch IT investieren zu können. Für IT-Mitarbeiter ist das eine große Chance, einen höheren Mehrwert für die Wertschöpfung ihres Unternehmens beizutragen. Konkret sehen wir, dass Mitarbeiter in der IT sich mehr am Aufbau neuer Lösungen beteiligen und mehr Consulting für Fachabteilungen erbringen, statt nur dafür zu sorgen, dass „die Lichter grün blinken“.

Welche informationstechnischen Werkzeuge geben Sie der IT dabei konkret an die Hand?

Gonzalez: Ein Schlüssel für diesen Wandel ist sicher der Zugang zu beliebig vielen Ressourcen aus der Cloud – sei es CPU-Leistung, Speicher, Netzwerk-Kapazität, weltweite Präsenz oder auch spezielle Hardware wie GPUs für Deep Learning-Methoden oder FPGAs für spezialisierte digitale Schaltkreise. Zusätzlich profitieren unsere Kunden auch von höherwertigen Services, die komplexe IT-Systeme wie IoT-Messaging Plattformen, Hadoop-Cluster für Big Data, Mobile Back-End-Services, Bilderkennung, Spracherkennung und Sprach-Verstehen et cetera für Entwickler so einfach zugänglich machen, wie ein Funktionsaufruf in einer Programmier-Bibliothek. Das bedeutet, dass unsere Kunden in der Lage sind, aus diesen Bausteinen schnell neue Lösungen zu bauen, die automatisch skalieren, weltweit verfügbar sind, robust laufen und gegen Hacker-Angriffe geschützt sind.

Ergänzendes zum Thema
 
Weitere Infos & Anmeldung zur „CLOUD Technology & Services Conference 2017“

Skeptiker könnten organisatorisches Chaos und technische Herausforderungen befürchten. Wie lassen sich dezentrale Teams und Services sinnvoll steuern?

Gonzalez: Bei unseren Kunden setzt sich zunehmend die Erkenntnis durch, dass traditionelle Organisationsformen, die hierarchisch gesteuert sind, dazu tendieren, langsam zu agieren, wenig flexibel sind und dadurch den Anforderungen einer digitalen Welt nicht gerecht werden. Dagegen bieten dezentrale, kleine und agile Teams mit lokaler Verantwortung die Möglichkeit, schnellere Innovations-Zyklen zu erreichen und dadurch auch schneller auf Kundenbedürfnisse zu reagieren oder sich im Markt bietende neue Chancen zu nutzen. Dabei ist es wichtig, diesen Teams auch die Grundlage mitzugeben, eigene Entscheidungen zu treffen, die im Sinne des ganzen Unternehmens sind. Dabei helfen klar definierte Handlungsprinzipien, eine offene Unternehmenskultur und sinnvolle Messgrößen, an denen Team- und Abteilungs-Erfolge gemessen und belohnt werden können.

Skizzieren Sie doch einmal an einem Fallbeispiel wo und wie das gelungen ist.

Gonzalez: Ein Kunde von uns, AutoScout24, hat in ihrem Transformationsprozess von einem traditionell aufgestellten Unternehmen hin zu einer agilen Organisation mittlerweile 15 autonome Teams aufgebaut, was unter anderem eine sehr große Flexibilität beim Erproben und Erkunden von Technologien bewirkt. Für den Aufbau ihrer Services nutzt das Unternehmen zahlreiche Dienste von Amazon Web Services. Dabei geht es nicht nur um die reine Inbetriebnahme der einzelnen Dienste, sondern auch um die Möglichkeit schnell über verschiedenste Architekturen zu iterieren, Services miteinander zu kombinieren und Ansätze zu vergleichen. Diese Form des Experimentierens und Rapid Prototypings auf Basis verschiedenster Technologien war im eigenen Rechenzentrum so nicht umsetzbar.

Vermutlich haben Sie auch im eigenen Haus einige Erfahrungen gesammelt. Welche Empfehlungen können Sie Unternehmen abschließend auf den Weg geben?

Gonzalez: Ich empfehle meinen Kunden immer, ihre IT-Architekturen in kleinere, lose gekoppelte Systeme (Stichwort: „Microservices“) aufzuteilen und pro Service kleine, autonome Teams zu etablieren, in denen sowohl das Business als auch Entwicklung und Betrieb vertreten sind. Dadurch können dann schnell die richtigen Entscheidungen getroffen werden, der Service weiterentwickelt sowie Probleme schnell und effizient gelöst werden. Dabei hilft eine vollkommen automatisierte Continuous Delivery Pipeline, die nahtlos von der Entwicklung bis in die Produktion reicht und durch Monitoring, automatische Tests und kleine, kontinuierliche Änderungen an der Applikation die Fähigkeit bieten, schnell und bei niedrigem Risiko zu iterieren. Das sind die besten Voraussetzungen für eine hohe Innovationsfähigkeit im Unternehmen.

Zur Person:

Constantin Gonzalez unterstützt bei Amazon Web Services (AWS) Kunden von Start-ups bis zu großen, multi-nationalen Unternehmen.
Constantin Gonzalez unterstützt bei Amazon Web Services (AWS) Kunden von Start-ups bis zu großen, multi-nationalen Unternehmen. (Bild: AWS/ blende11_Fotografen)

Constantin Gonzalez beschäftigt sich seit über 20 Jahren mit IT-Technologien, von CPU- und System-Architekturen über Speichersysteme, Betriebssysteme, High Performance Computing und Web-Technologien bis hin zu Cloud Computing, Microservices-Architekturen, dem Internet der Dinge (IoT) und künstlicher Intelligenz (AI).

Bei Amazon Web Services (AWS) unterstützt er als Principal Solutions Architect Kunden von Startups bis zu großen, multi-nationalen Unternehmen dabei, die Cloud zu nutzen, um effizienter zu sein, Innovationen voranzutreiben und ihr Geschäft zu digitalisieren.

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