Alle IT-Ansätze zur Auswahl

Latenz-Optimierung mit der Colocated Hybrid Cloud

| Autor / Redakteur: Holger Nicolay * / Florian Karlstetter

Das Konzept der Colocated Hybrid Cloud von Interxion verspricht performante Übertragungswege.
Das Konzept der Colocated Hybrid Cloud von Interxion verspricht performante Übertragungswege. (Bild: Interxion)

Die meisten Unternehmen und Marktanalysten sehen hybride Lösungen als künftiges Muss. Eine integrierte Mischung aus eigener IT, Private und Public Cloud an einem Ort mit kurzen Latenzzeiten bietet das Konzept der „Colocated Hybrid Cloud“.

Der Trend in Richtung Cloud gewinnt derzeit richtig an Fahrt: Gemäß Gartner stieg der Anteil von Unternehmen weltweit, die den Einsatz von Public Clouds planen, von 2015 bis 2016 von 45 auf 80 Prozent. Demnach werden drei Viertel aller IT-Organisationen im Jahr 2017 hybride Lösungen einsetzen. Auch die lange Zeit zögerlichen deutschen Unternehmen holen auf, laut KPMG nutzen bereits 26 Prozent Public Clouds. Und eine spontane Umfrage unter deutschen Seminar-Teilnehmern zeigte, dass über 80 Prozent den Einsatz hybrider Lösungen in den nächsten Jahren erwarten.

Doch nach wie vor gibt es Bedenken, vor allem in den Bereichen Sicherheit und Datenschutz. Nach diversen Studien ist dies bei rund zwei Drittel der Unternehmen der Fall. 37 Prozent sehen die zu erwartende Performance kritisch, so IDG.

Von den USA aus in die Welt

Trotzdem ist Cloud Computing bereits eine Erfolgsstory. Standen Angebote zuerst nur in den USA zur Verfügung, verbreiten sie sich nun rund um den Globus. Befinden sich die Cloud-Rechenzentren aber in den USA, hat dies für europäische Kunden einige Nachteile: lange Signallaufzeit, unberechenbarer Datendurchsatz des Internets, nicht vorhersagbare Performance, Datenhaltung unter ausländischem Recht und zahlreiche mögliche Angriffspunkte für Cyberkriminelle.

Bereits durch die Expansion der US-Anbieter nach Europa haben sich die Bedingungen deutlich verbessert. Doch erst die Bereitstellung der Services durch Rechenzentren in Deutschland, sowohl von US-Providern als auch lokalen deutschen und europäischen Cloud-Anbietern, kann aktuelle Anforderungen erfüllen wie:

  • kurze Signallaufzeit
  • direkte Anbindung mit Wegfall von Angriffspunkten im Internet
  • kurze Wege bei Internetanbindung für mobile oder dezentrale Nutzung
  • direkte Anbindung für Business-kritische Szenarien
  • Datenhaltung im Inland

Darauf basierend entwickeln sich nun zahlreiche Alternativen zum „traditionellen“ IT-Betrieb. Diese mussten bislang weitgehend getrennt voneinander genutzt werden. Ein Parallelbetrieb führt aber immer zu recht hohem Management-Aufwand. So liegt die Idee nahe, die verschiedenen Optionen miteinander zu integrieren und sie aus einer Hand anzubieten.

Hierfür bietet sich die Nutzung der Access-Nodes der großen Cloud Service Provider an, auch ist der Betrieb weiterer Public Clouds und Private Clouds von regionalen oder branchenspezifischen Anbietern in unmittelbarer Nähe – beispielsweise auf demselben Data-Centre-Campus - hilfreich. Zudem sollten Kunden ihre eigenen Infrastrukturen in Colocation-Modellen im gleichen Rechenzentrum nutzen können, um sie direkt an diese Cloud Provider anbinden zu können. Gerade dieses Konzept des möglichst nahen Heranrückens der eigenen IT an die Clouds der verschiedenen Provider ist der Grundgedanke der Colocated Hybrid Cloud.

Colocation: Beste Gesellschaft für die Cloud-Infrastruktur

Dieses Konzept basiert auf Colocation – mit Racks, Cages oder ganzen Räumen – innerhalb desjenigen Campus, auf dem auch die Cloud Provider angesiedelt sind. Dabei sollten die Kunden eine freie Gestaltungsmöglichkeit ihres eigenen IT-Betriebs und der Vertragsverhältnisse mit den Cloud Providern erhalten sowie diskriminierungsfreie Verbindungen zwischen allen Beteiligten nutzen können.

Wenn dann die geschäftskritische eigene IT so nahe wie möglich bei den Cloud-Providern steht, profitieren die Kunden von extrem kurzen Latenzzeiten, robustem Betrieb und hohem Datendurchsatz. Allein durch die physikalische Nähe ist dies nirgendwo besser zu erreichen als in dem Data Centre, das auch die Cloud-Anbieter nutzen. Das Colocation-Angebot, in dem der Kunde seine eigene IT betreibt, sollte dabei zugangsgeschützt, mit Notstrom versorgt und klimatisiert zur Verfügung stehen – sowie mit Skalierungsmöglichkeiten vom einzelnen Stellplatz bis zum ganzen Stockwerk.

Die relevanten Anbieter für Housing Services - also Colocation - hat die Experton Group 2016 erstmals im „Infrastructure Services Vendor Benchmark“ untersucht und bewertet (siehe Grafik). Die Anbieter, die es in den „Leader“-Bereich geschafft haben, überzeugten die Marktforscher insbesondere durch Kriterien wie Marktposition, Image, Kundenzufriedenheit und die hohen Sicherheitsstandards der Data Center. Interxion wartet als einer der führenden Player hierzulande mit einer enormen Stellfläche von knapp 25.000 qm allein in Deutschland und einer europaweiten Präsenz von 42 Rechenzentren in 11 europäischen Ländern auf.

Neben einer technisch exzellenten RZ-Infrastruktur ist der zweite Bestandteil einer Colocated Hybrid Cloud die Cloud Connect Plattform. Dabei handelt es sich um eine robuste, skalierbare und redundante Ethernet-Plattform mit physischem Ethernet Port und logischen VLANs je nach Cloud-Connectivity-Bedarf. Die Netzwerkleistung lässt sich innerhalb weniger Minuten anpassen, zum Beispiel für Disaster Recovery, Marketing-Aktionen, den Erstverkaufstag eines populären Produkts oder die Einstellung von Saisonarbeitern. Vollständige API-Integrationen und ein Kundenportal stellen dabei „Network-as-a-Service“ bereit. Zudem sollte es zur optimalen Ausfallsicherheit auch Punkt-zu-Punkt-Glasfaserverkabelung auf demselben Campus geben.

Cloud-Nähe verkürzt Latenzzeit auf 1 Millisekunde

Das Konzept der Colocated Hybrid Cloud.
Das Konzept der Colocated Hybrid Cloud. (Bild: Interxion)

Welche Vorteile eine Colocated Hybrid Cloud bietet, zeigt ein konkretes Projektbeispiel. Bislang nutzte das Unternehmen an seinem Stammsitz in Hamburg zwei gespiegelte, redundante Rechenzentren. Über geschützte MPLS-Verbindungen waren die Hauptstandorte vernetzt, weitere Anwendungen sollten per Internet auf Cloud-Angebote zugreifen, die in Frankfurt lokalisiert waren. Die Verfügbarkeit betrug dabei 99,9 Prozent und die Latenzzeit 18 Millisekunden. Für menschliche Nutzer mögen diese Werte ausreichend sein, doch automatische Systeme benötigen kürzere Signallaufzeiten.

So lag es nahe, eines der beiden Rechenzentren aus Hamburg nach Frankfurt zu verlagern und dort in der Colocation am gleichen Campus wie die Cloud Provider zu betreiben. Durch die direkte Anbindung der in diesem Rechenzentrum verfügbaren Clouds reduzierte sich die Latenzzeit auf 1 Millisekunde und die Verfügbarkeit erhöhte sich auf 99,999 Prozent. Zusätzlich könnte der Kunde auf seine bisherige MPLS-Anbindung verzichten, da nur das in Frankfurt kollokierte Rechenzentrum direkt auf die Cloud-Anwendungen zugreift und demzufolge nur noch weniger sensible und nicht-geschäftskritische Daten zwischen Hamburg und Frankfurt über das Internet übertragen werden können.

Ein Beispiel für sich durch die Digitalisierung verändernde Geschäftsmodelle bildet das niederländische Systemhaus Solvinity. Es ergänzte sein traditionell Software-Lizenz- und Hardware-zentriertes Geschäftsmodell durch Cloud-basierte Service-Angebote. Dazu baute es in der Colocated Hybrid Cloud eine eigene Plattform mit NetApp-Storage und direkter Anbindung zur Microsoft-Cloud auf. Dadurch erreichte es Alleinstellungsmerkmale bei Funktionalität, SLA-Gewährleistung von 100 Prozent sowie glänzte durch ISO-zertifizierte Prozesse. Gleichzeitig blieb die traditionelle Wertschöpfung des Systemhauses im Bereich der Beratung, der Migration und im Support erhalten.

Holger Nicolay, Business Development Manager bei der Interxion Deutschland GmbH.
Holger Nicolay, Business Development Manager bei der Interxion Deutschland GmbH. (Bild: Interxion)

Fazit

Diese Beispiele zeigen, dass sich der IT-Betrieb aktuell vom Kostenfaktor zum Wettbewerbsvorteil wandelt. So ist Kostenoptimierung nur noch ein Aspekt unter vielen und die Unterstützung neuer Geschäftsmodelle rückt zunehmend in den Vordergrund. Dabei bildet die Cloud jedoch kein Allheilmittel, stattdessen sollten Unternehmen ihren IT-Betrieb nach statisch-traditionellen und agil-skalierenden Anwendungen einteilen.

Für letztere ist die Cloud zwar nicht immer billiger, aber stets flexibler. Zudem lassen sich nun auch mehrere Cloud Provider nutzen – wenn Unternehmen ihr Rechenzentrum in Colocation auf dem gleichen Campus betreiben sogar mit direkter Anbindung. Diese Colocated Hybrid Cloud reduziert die Latenzzeiten deutlich und erhöht die Flexibilität für neue Geschäftsmodelle.

Webcast zum Thema

In einem Webcast geht Holger Nicolay von Interxion nochmal näher auf das Konzept der Colocated Hybrid Cloud ein und erläutert, warum Cloud Connectivity, also die Anbindung an die Cloud, ein zentrales Entscheidungskriterium für Unternehmen ist.

* Holger Nicolay, Business Development Manager bei der Interxion Deutschland GmbH

Kommentare werden geladen....

Kommentar zu diesem Artikel abgeben

Anonym mitdiskutieren oder einloggen Anmelden

Avatar
  1. Avatar
    Avatar
    Bearbeitet von am
    Bearbeitet von am
    1. Avatar
      Avatar
      Bearbeitet von am
      Bearbeitet von am

Kommentare werden geladen....

Kommentar melden

Melden Sie diesen Kommentar, wenn dieser nicht den Richtlinien entspricht.

Kommentar Freigeben

Der untenstehende Text wird an den Kommentator gesendet, falls dieser eine Email-hinterlegt hat.

Freigabe entfernen

Der untenstehende Text wird an den Kommentator gesendet, falls dieser eine Email-hinterlegt hat.

Dieser Beitrag ist urheberrechtlich geschützt. Sie wollen ihn für Ihre Zwecke verwenden? Infos finden Sie unter www.mycontentfactory.de (ID: 44404741 / Service Level Management)