Studie zur digitalen Transformation

Konzeptlose Digitalisierung ist die Regel

| Autor: Marisa-Solvejg Metzger

Nur 22 Prozent der Studienteilnehmer zählen laut Arthur D. Little Studie zu Vorreitern bei der digitalen Transformation.
Nur 22 Prozent der Studienteilnehmer zählen laut Arthur D. Little Studie zu Vorreitern bei der digitalen Transformation. (Bild: Mimi Potter_Fotolia.com)

Das Beratungsunternehmen Arthur D. Little hat eine internationale Studie veröffentlicht, welche den digitalen Reifegrad einzelner Branchen bewertet. Das Resultat: Rund 80 Prozent aller befragten Unternehmen schwächeln bei der Digitalisierung. Auch deutsche Topunternehmen schneiden nur mittelmäßig ab.

Im Rahmen einer Studie hat die Strategieberatung Arthur D. Little mehr als 100 europäische Unternehmen aus sieben Branchen unter die Lupe genommen. Ziel war es, ihren Reife bezogen auf die digitale Transformation systematisch zu bewerten. Das Ergebnis ist ernüchternd, denn nur circa 20 Prozent der Unternehmen verstünden es, die Digitalisierung aktiv zu gestalten. Der Rest versuche lediglich, auf digitale Entwicklungen zu reagieren – ohne schlüssiges Gesamtkonzept.

Für die Bewertung hat Arthur D. Little den „Digital Transformation Index“ (DTI) entwickelt, der den Digitalisierungsgrad umfassend und systematisch analysieren könne. Die Berater untersuchten die Felder Strategie, Umsetzungssteuerung, Produktportfolio, Kundenschnittstellen, interne Prozesse, IT und Kultur. Der Reifegrad wurde anhand einer Skala von 1 bis 10 bewertet. Im Schnitt beträgt die Reife nur 3,92, so das Ergebnis. Die Analysten von Arthur D. Little attestieren 22 Prozent der Studienteilnehmer, zu den Vorreitern der digitalen Transformation zu zählen. Nur zwei Unternehmen erhielten die Bestnote. Demgegenüber stünden 60 Prozent der Unternehmen, die laut Studie versuchen, sich an bestehende Trends anzupassen, dabei aber keine eigenen Visionen verfolgen. 18 Prozent der Unternehmen wären sich der Herausforderungen zwar bewusst, eine eigene Strategie fehle jedoch gänzlich. Die Detailauswertung ergab, dass keine spezifische Branche als Vorreiter angesehen werden könne.

Dr. Michael Opitz, Initiator der Studie und verantwortlicher Leiter der TIME Practice von Arthur D. Little in Central Europe, interpretiert die Resultate: „Viele Unternehmen haben leider noch nicht die Chancen und Risiken der Digitalisierung erkannt, sondern fokussieren sich nur darauf, ihr bestehendes Geschäftsmodell über digitale Kanäle zugänglich zu machen.“

Bernd Schreiber, Partner im Bereich Operations Management und Mitautor der Studie, führt weiter aus: „Die Untersuchung zeigt uns, dass die Unternehmen im Allgemeinen digitale Herausforderungen nur halbherzig angehen.“

Die deutschen Unternehmen landeten in der Untersuchung eher im Mittelfeld. Die Mehrheit der betrachteten Firmen habe Schwierigkeiten, ihr Produktportfolio an die Möglichkeiten der digitalen Welt anzupassen und dabei den Wechsel vom reinen Produkt- zum Daten-getriebenen Servicegeschäft zu meistern. Bernd Schreiber zeigt sich besorgt darüber, wie viele Anlagen- und Maschinenbauer das Thema Data-driven-Service-Business angehen: „Industrie 4.0 ist in aller Munde. Unsere Erhebung zeigt, dass Anspruch und Wirklichkeit aber noch weit auseinander klaffen. Bei der derzeitigen Dynamik innerhalb der Branchen ist es für Unternehmen gefährlich, den Anschluss zu verpassen.“

Laut Michael Opitz habe Deutschland besonders hohes Potenzial, die Führungsrolle in den Branchen Maschinenbau, Automobilbau und Logistik zu übernehmen. Voraussetzung hierfür sei, die digitale Agenda noch schneller nach vorne zu treiben.

Kommentare werden geladen....

Kommentar zu diesem Artikel abgeben

Anonym mitdiskutieren oder einloggen Anmelden

Avatar
  1. Avatar
    Avatar
    Bearbeitet von am
    Bearbeitet von am
    1. Avatar
      Avatar
      Bearbeitet von am
      Bearbeitet von am

Kommentare werden geladen....

Kommentar melden

Melden Sie diesen Kommentar, wenn dieser nicht den Richtlinien entspricht.

Kommentar Freigeben

Der untenstehende Text wird an den Kommentator gesendet, falls dieser eine Email-hinterlegt hat.

Freigabe entfernen

Der untenstehende Text wird an den Kommentator gesendet, falls dieser eine Email-hinterlegt hat.

Dieser Beitrag ist urheberrechtlich geschützt. Sie wollen ihn für Ihre Zwecke verwenden? Infos finden Sie unter www.mycontentfactory.de (ID: 43783621 / Allgemein)