Voraussagen für 2016 von John Engates, Rackspace

IT-Transformation basiert auf Cloud und Security

| Autor / Redakteur: John Engates * / Florian Karlstetter

John Engates, Chief Technology Officer bei Rackspace wagt einen Ausblick, welche Themen dieses Jahr ganz oben auf der IT-Agenda stehen werden: Zu den Treibern der Cloud gehören Trends wie Big Data oder auch das viel zitierte Internet of Things. In Sachen Fachkräftemangel sieht der Experte vor allem eigene Weiterbildungsangebote auf dem Vormarsch.
John Engates, Chief Technology Officer bei Rackspace wagt einen Ausblick, welche Themen dieses Jahr ganz oben auf der IT-Agenda stehen werden: Zu den Treibern der Cloud gehören Trends wie Big Data oder auch das viel zitierte Internet of Things. In Sachen Fachkräftemangel sieht der Experte vor allem eigene Weiterbildungsangebote auf dem Vormarsch. (© iconimage - Fotolia.com)

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Auch im Jahr 2016 wird die IT-Transformation weiter voranschreiten. Sie basiert auf einer erweiterten Nutzung von Cloud-Anwendungen. Gleichzeitig müssen sich Unternehmen auf die Cybersecurity sowie die Suche nach Fachkräften konzentrieren.

Die Analysten von IDC bezeichnen 2016 als das Jahr, in dem „sich die digitale Transformation weiter verstärkt“. Das ist sehr richtig. Bereits 2015 wurde die Vision einer „Multi-Cloud-Welt“ deutlich, in der Mehrwert durch die Cloud viel mehr bedeutet als nur die Verringerung von Kosten. Unternehmen konnten damit beginnen, die exakte Mischung an Cloud-Infrastrukturen zu erstellen, die sie für ihre Arbeitsprozesse benötigen. Das war zum Beispiel an der schnellen Akzeptanz von Hybrid Cloud-Strategien zu sehen. Zudem erkannten IT-Führungskräfte, dass bestimmte Dinge einen gewissen Preis wert sind. Dazu gehört zum Beispiel die benötigte Expertise, die sie nur sehr schwierig mit eigenen Mitarbeitern abdecken können.

Der Fachkräftemangel und die daraus resultierende gegenseitige Abwerbung von erfahrenen IT-Experten, die in den letzten Jahren zu spüren war, zeigen keine Anzeichen einer Abschwächung. Trotzdem bleiben die IT-Budgets gemäß dem „2016 State of IT“ Report von Spiceworks auch im Jahr 2016 auf niedrigem Niveau. Das bedeutet, immer mehr Unternehmen halten ihre eigenen IT-Abteilungen schlank und verlassen sich auf vertrauenswürdige Partner, welche die Möglichkeiten besitzen, die richtigen Talente anzuwerben und zu behalten.

Apropos: Immer mehr Technologie- und Cloud Service-Unternehmen finden diese Fachkräfte nicht durch lautes Werben oder aggressive Methoden, sondern durch eigene Weiterbildungsangebote. Dazu gehören Partnerschaften mit Hochschulen und Universitäten oder zwischen Unternehmen, wie Rackspace dies mit der Gründung des OpenStack Innovation Center gemeinsam mit Intel gezeigt hat. Dessen Ziele umfassen zum Beispiel Entwickler-Training und schnelleres Aufnehmen von neuen Entwicklern in die Community sowie langfristig eine bessere Zusammenarbeit, um notwendige Enterprise-Funktionen in OpenStack zu erzeugen.

Sicherheit als zentraler Punkt

Der Fachkräftemangel ist ein weiterer Grund, warum sich Security as a Service zunehmend durchsetzt. Für die meisten Unternehmen gilt Sicherheit einfach nicht als Kernkompetenz. Der Einsatz der richtigen Expertise gegenüber einer sich immer weiter entwickelnden Bedrohungslandschaft wird immer schwieriger – und teurer. Zusätzlich zu den Vorteilen in Bezug auf effiziente Skalierung stellen die Cloud-Anbieter über Security as a Service auch effiziente Expertise zur Verfügung.

Trotz dieser Vorteile ist klar, dass Unternehmen beim Thema Cloud Security im Allgemeinen immer noch zögerlich sind. Laut einer aktuellen Umfrage von Sungard Availability Services bleibt Sicherheit tatsächlich die größte Sorge unter CIOs bei der Migration in die Cloud. Sicherheit sollte natürlich die höchste Priorität besitzen, jedoch sind in der Realität oft die eigenen IT-Infrastrukturen von Unternehmen deutlich weniger sicher als diejenigen in der Cloud.

Eine Analyse von 155 bekannten Sicherheitsvorfällen im Jahr 2014, die auf Hacking oder Malware basieren, zeigt, dass die große Mehrheit in eigenen Rechenzentren von Unternehmen und anderen proprietären Systemen passierten. Nur rund 10 Prozent geschahen in der Cloud, so die Studie von Privacy Rights Clearinghouse.

Big Data treibt die Cloud an

Big Data ist ein weiterer Grund, warum die Migration in die Cloud weiter voranschreitet. In den vergangenen Jahren stiegen die Datenmengen exponentiell an. Daher benötigen Unternehmen sichere und gleichzeitig einfache Wege, um diese zu speichern und zu analysieren. 2016 werden immer mehr Unternehmen sowohl durch den Markt als auch intern dazu gezwungen, alle diese Daten für ihre Business-Prozesse zu nutzen. Dies zeigt sich am Beispiel von Uber und der Taxibranche. Uber erkennt mit Hilfe von Daten, wer die Kunden sind und wann sie wohin fahren müssen. Darauf basierend optimiert das Unternehmen kontinuierlich sein Geschäftsmodell.

Taxi-Unternehmen besitzen zwar ebenfalls diese Daten, haben es aber nicht verstanden, diese richtig zu nutzen. Uber entstand dagegen in der Cloud und ist eine Firma, in der Daten an erster Stelle und Transportlogistik an zweiter Stelle stehen. Wenn herkömmliche Unternehmen damit konkurrieren möchten, müssen sie ihren Weg finden, um datengetrieben zu werden. Die Konferenz FutureStack, die von New Relic veranstaltet wird, unterstützt Firmen dabei, das Potential in ihren Daten zu erkennen und freizusetzen. Hier waren zahlreiche Beispiele von Unternehmen zu sehen, die Erkenntnisse aus ihren Daten gewinnen, die bereits in ihren Prozessen wie Logs von Web- und Mobile-Transaktionen oder E-Commerce-Anwendungen auftauchen. New Relic hat damit begonnen, sein eigenes Business buchstäblich zu transformieren – von einem Monitoring Service zu einem Daten- und Analyse-Unternehmen.

Das Internet der Dinge

Und das ist auch der Grund, warum das Internet der Dinge so leistungsfähig wird. Es ermöglicht Unternehmen den Zugang zu einem kontinuierlichen Datenstrom. Immer mehr Dinge und Geräte besitzen Sensoren und erzeugen damit eine Unmenge an Informationen, die nun genutzt werden müssen.

In diesem Jahr erhöht sich der Druck für IoT-Gerätehersteller zur Entwicklung interoperabler Standards. Wird Apple mit seinen HomeKit- und HealthKit-Lösungen die Angebote von Google mit Brillo, Weave und Thread überflügeln? Werden wir einen geteilten Markt sehen wie bei iPhone und Android? Oder werden praktische Open Source-Lösungen entstehen?

Jedenfalls bleiben Sicherheit und Datenschutz Herausforderungen bei IoT, so wie auch in vielen anderen Bereichen. Während sich Konsumenten wohl eher zurückhalten werden, springen Unternehmen und öffentliche Institutionen auf den IoT-Zug auf. Aber es werden auch Herausforderungen entstehen, die das kontinuierliche Wachstum der vernetzten Welt beeinträchtigen.

Was viele Unternehmen nicht wollen, ist ein Vendor Lock-In, also die vollständige Abhängigkeit von einem Hersteller. Die Auswahl der falschen Technologie oder des falschen Providers gehört etwa auf einer Stufe mit Sicherheit zu den größten Sorgen von CIOs. Daher wird Open Source weiterhin eine wichtige Rolle beim Cloud-Wachstum spielen. Bereits im vergangenen Jahr galt OpenStack als etablierte und stabile Technologie. Diese zuverlässige Grundlage ermöglicht es Unternehmen in diesem Jahr, Open Source Cloud-Lösungen vollständig zu nutzen und sie als Bestandteil ihrer umfassenden Cloud-Strategien zu integrieren.

Virtuelle Realität kommt

John Engates ist Chief Technology Officer bei Rackspace
John Engates ist Chief Technology Officer bei Rackspace (Bild: Rackspace)

Bei Privatanwendern wird dagegen eine andere Technologie 2016 im Fokus stehen: Virtuelle Realität. Hier entstehen zahlreiche neue Angebote, die auch in mobile Geräte integriert werden. Ein Beleg für den Durchbruch dieser Technologie ist zum Beispiel, dass die New York Times ihren Abonnenten ein kostenloses Google Cardboard sendet. Damit können sie immersive Geschichten in einer virtuellen 360-Grad-Sicht erleben. Unternehmen wie Samsung oder MergeVR bringen zudem VR-Brillen für den Massenmarkt heraus. Es geht aber nicht darum, dass neue, teure Geräte VR ermöglichen, sondern dass bereits vorhandene Geräte wie Smartphones oder Tablets auf neue, innovative Weise genutzt werden.

Und wie wird die allgemeine Nutzung von VR und Augmented Reality die Verwendung der Cloud beeinflussen? Sie wird dadurch sicherlich beschleunigt. Unternehmen benötigen nämlich zusätzliche Speicherkapazitäten, stabile und schnelle Verbindungen sowie mehr Tools von Software as a Service-Anbietern. Und dies wird alles Cloud-basiert sein.

Diese Voraussagen sind sicher nicht besonders spektakulär. Aber dafür sollten sich Unternehmen umso intensiver damit befassen, da sie praktisch unvermeidlich sind. Sie müssen die IT-Transformation weiter vorantreiben und die daraus entstehenden Möglichkeiten nutzen: von Big Data bis zu Augmented Reality. Aber die echte Realität der knappen IT-Budgets und des weiter voranschreitenden Fachkräftemangels wird Unternehmen auch immer stärker davon überzeugen, dass sie die steigenden Anforderungen nicht mehr alleine bewältigen können.

* John Engates ist Chief Technology Officer bei Rackspace

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