Artensterben bei großen Konzernen droht

Im digitalen Unternehmen definiert sich auch Arbeit neu

| Autor / Redakteur: Ingo Marienfeld* / Elke Witmer-Goßner

In Zeiten digitaler Transfomation muss sich der Blick auf interne und externe Abläufe in Unternehmen ändern.
In Zeiten digitaler Transfomation muss sich der Blick auf interne und externe Abläufe in Unternehmen ändern. (Bild: © denisismagilov - Fotolia)

Unternehmen aller Branchen müssen digital werden und dabei ändert sich mehr als nur die Technik. Mit der Digitalisierung steht Unternehmen ein kultureller Wandel ins Haus.

Die Verwirklichung und Verwaltung des digitalen Unternehmens ist die Mammutaufgabe unserer Generation und zugleich unsere größte Chance, das eigene Leben positiv zu formen. Doch wie packt man diese Aufgabe an? Der Wandel in den Unternehmen ist umfassend und bezieht sich nicht nur auf die Einführung von Cloud-Architekturen und der Zerschlagung von Monolithen. Es geht auch um einen kulturellen Wandel.

Natürlich, Unternehmen müssen heute agile Applikationen schneller bereitstellen, etwa über Multi-Source-Cloud-Umgebungen für cloud-native und traditionelle Anwendungen, einschließlich Monitoring, Workload-Automatisierung, Environment-on-demand und Release-Automatisierung. Digitale und traditionelle End-to-End-Services helfen Unternehmen, den schnellen Wandel zu meistern und den Nutzer-Erwartungen gerecht zu werden. Gleichzeitig erfahren mobile Angebote und hybride Cloud-Infrastrukturen eine immer größere Nachfrage.

Das Unternehmen der Zukunft

Auf der anderen Seite lohnt es sich aber auch, für einen kurzen Moment an mehr zu denken, als an die technischen Spezifikationen. Wir haben die Möglichkeit, uns das Unternehmen der Zukunft anzuschauen. Mit der Technik, die dahintersteckt, ändert sich auch die Art, wie wir Technik nutzen und die Definition von Büroarbeit per se. Eine aktuelle Studie von BMC untersucht den Status Quo europäischer Arbeitsplätze in Deutschland, Frankreich, Spanien und Großbritannien und wie sich diese im Zuge der Digitalisierung bis 2020 verändern werden. Geht man nach 34 Prozent aller Befragten, ist das Büro der Zukunft komplett vernetzt.

Die Digitalisierung hat auch Auswirkungen auf die jeweiligen Jobs: 76 Prozent gehen davon aus, dass sich ihr Jobprofil bis 2020 stark verändern wird. Inwiefern das sein wird, ist für die Befragten in Deutschland klar. 70 Prozent sehen digitale Skills vermehrt gefordert und nur 33 Prozent befürchten, dass sie sich diese nicht schnell genug aneignen können. Für diese Veränderungen sorgen für 36 Prozent aller Befragten neue Software-Tools und Applikationen, gefolgt von digitalen Aufgabenstellungen für 24 Prozent. Für 25 Prozent haben Lösungen für mehr Automatisierung am Arbeitsplatz einen wichtigen Einfluss.

Für die Studie hat BMC gemeinsam mit dem britischen Forschungsunternehmen Opinion Life insgesamt 1200 Arbeitnehmer in Deutschland, Frankreich, UK und Spanien online befragt, die in Unternehmen mit mindestens 250 Mitarbeitern arbeiten. Allein für Deutschland wurden die Antworten von 300 Teilnehmern ausgewertet. 88 Prozent der Befragten sind dabei mehr als 30 Stunden pro Woche im Unternehmen tätig.

Den Letzten beißen die bekannten Hunde

Auch wenn der deutsche Mittelstand es nicht gerne hört: die Digitalisierung betrifft auch ihn. Selbst die größten und einflussreichsten Konzerne der Welt können dem Sog der Moderne nicht widerstehen. Der Yale-Professor Richard Foster sagt ein regelrechtes Artensterben der großen Konzerne voraus; er ist überzeugt, dass 75 Prozent der 500 wichtigsten US-Firmen bis zum Jahr 2027 untergehen. Weil sie den Übergang zum digitalen Unternehmen nicht schaffen werden. Durch ständige Disruptionen sind Unternehmen mit dem Dilemma konfrontiert, ihre Infrastruktur, ihre Betriebsabläufe und Geschäftsmodelle immer wieder umzukrempeln, um neue Bedrohungen abzuwenden und neue Chancen wahrzunehmen. Wenn ein Unternehmen bis 2020 keine Maßnahmen in Richtung „digital Enterprise“ anstrebt, sei es dem sicheren Untergang geweiht, so Richard Foster.

Vorhersagen sind gut und schön, aber was bedeutet „digitales Unternehmen“ genau? Darunter lassen sich viele Dinge fassen, aber am besten lässt es sich so verstehen: Ein digitales Unternehmen liefert digitale Dienstleistungen, also etwa Mobile-First-Anwendungen, die intuitiv und intelligent sind, und Kontextinformationen liefern – je nachdem, wer der Nutzer ist, wo er ist, und was er gerade zu tun versucht.

Digitale Unternehmen bieten automatisierten Self Service, crowd-basierte Zusammenarbeit und arbeiten stets daran, sich selbst, ihre Prozesse und Anwendungen zu verbessern – mit hoher Geschwindigkeit. Das Ergebnis ist ein neues Zeitalter menschlicher Produktivität. Sobald digitale Dienstleistungen und das Management dieser Angebote das gesamte Unternehmen bereichsübergreifend durchdringt, erreichen wir das wirklich digitale Unternehmen.

Mustergültig: Amazon

Jedes Unternehmen basiert auf Prozessen. Fast jeder Schritt dieser Prozesse lässt sich automatisieren, und damit auch digitalisieren, messen und optimieren. Unternehmen können also in jede einzelne Transaktion alles stecken, das sie zu bieten haben. Ein Wunschgedanke? Keineswegs. Längst setzen Unternehmen genau das in die Tat um; man denke nur an die Masse an Prozessen, die jedes Mal in Gang gesetzt werden, wenn jemand bei Amazon einkauft und auf „One-Click-Bestellung“ drückt. Vor kurzem gab Amazon bekannt, seinen Prime-Kunden die Lieferung am gleichen Tag zu schenken, und erhöhte damit den Druck auf sich selbst, noch besser zwischen Prozessen, Menschen und Technik zu vermitteln, um dem Kunden das neue Objekt der Begierde so schnell wie möglich zu liefern. Das wirklich Beeindruckende daran ist, dass das ganze pro Tag mehrere Millionen Mal passiert – und meistens perfekt funktioniert.

Amazon ist ein einfaches Beispiel, weil es greifbar ist. Doch dahinter liegen Abertausende von digitalen Dienstleistungen, die der Großteil der Nutzer niemals zu Gesicht bekommt und doch von ihnen abhängig ist. Die IT muss diese Ressourcen und die dazugehörigen Dienste verwalten. Sie muss die wachsenden Informations-Silos auflösen oder zumindest integrieren, Compliance und Governance sicherstellen und zugleich Innovation im Unternehmen vorantreiben.

Die Einstellung zählt!

Ingo Marienfeld, BMC Software.
Ingo Marienfeld, BMC Software. (Bild: BMC)

Ein Faktor, der sich konsequent durch Privatunternehmen und Behörden zieht, ist die Festlegung der wichtigsten Prioritäten: Es gilt, die essenziellen Bereiche zu identifizieren und die digitale Reise dort anzusetzen. Dazu gehören technische Innovationen ebenso wie Prozesse und ein Verständnis, wie das Büro der Zukunft aussehen soll. Jetzt ist die Zeit gekommen, die Transformation in ein digitales Unternehmen zu starten. Auf dem Weg zum digitalen Unternehmen muss eines klar sein: am Anfang steht eine neue Einstellung. Entweder ein Unternehmen ist bereit zum Wandel – oder es geht bergab.

* Der Autor Ingo Marienfeld ist Geschäftsführer der BMC Software GmbH Deutschland.

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