Chancen wahrnehmen, Mut haben

Generationswechsel in Zeiten der Digitalisierung

| Autor / Redakteur: Harald Esch* / Elke Witmer-Goßner

Nachfolge- und Gründergeneration sollten sich auch in Hinblick auf die Digitalisierung des Unternehmens auf die Übergabe gründlich vorbereiten.
Nachfolge- und Gründergeneration sollten sich auch in Hinblick auf die Digitalisierung des Unternehmens auf die Übergabe gründlich vorbereiten. (Bild: © Karin & Uwe Annas - Fotolia)

Bis 2018 plant etwa jeder sechste Mittelständler in Deutschland die Übergabe oder den Verkauf an einen Nachfolger. Dieser Übergang fällt für viele in die gleiche Zeit, in der sie sich auch der Digitalisierung zuwenden – die neben dem technologischen auch einen kulturellen Wandel in Unternehmen mit sich bringt.

Gemäß dem KFW-Mittelstandspanel steht in diesem und im nächsten Jahr für 620.000 Unternehmen in Deutschland ein Generationswechsel an. Gleichzeitig sind immer mehr Mittelständler mit den Fragestellungen und Aufgaben der Digitalisierung befasst – und haben gleichermaßen Chance wie Herausforderung, den Wandel auf einmal zu durchlaufen. Stand heute beträgt der Anteil der Familienunternehmer, die sich vor allem einen Durchbruch bei der Digitalisierung ihrer Firma wünschen, lediglich fünf Prozent. Das ergab eine Umfrage von PWC. „Dieser Wert ist niedrig“, so Peter Bartels, PWC-Vorstandsmitglied und Leiter Familienunternehmen und Mittelstand. „Denn gerade die Digitalisierung eröffnet Wachstumschancen – wenn es gelingt, sie nicht nur als ein IT-Thema zu betrachten, sondern als umfassende Aufgabe, die das Geschäftsmodell eines Unternehmens grundlegend verändert.“

Dabei wird die Bedeutung des Themas durchaus erkannt. 90 Prozent der Befragten glauben, dass die Digitalisierung der wichtigste Trend 2017 ist. Sie eröffnet einzigartige Möglichkeiten für den deutschen Mittelstand, die Wünsche ihrer Kunden gezielt zu erfüllen. Dies bildet die Grundlage für einen langfristigen, nachhaltigen Erfolg und die künftige Wettbewerbsfähigkeit im Markt. Doch noch scheint vielen nicht klar zu sein, dass dies konkrete Auswirkungen auf ihr eigenes Unternehmen hat.

Haas Fertigbau hat es geschafft

Ein glänzendes Vorbild, das dazu beitragen kann, etwaige Befürchtungen abzubauen, ist das Bauunternehmen Haas Fertigbau. Der Gründer Xaver A. Haas hat bereits 2013 seinen drei Kindern die Firmenleitung übertragen. Sie führen das Unternehmen mit den notwendigen Veränderungen für einen nachhaltigen Erfolg in die Zukunft. Dabei haben sie die Aufgaben Generationswechsel und Digitalisierung in einem Schritt bewältigt. So setzte Haas Fertigbau als eines der ersten Unternehmen aus der Baubranche auf eine digitale Plattform, die sowohl interne Prozesse wie das Vertriebs-, Marketing- und Leadmanagement optimiert als auch dem Außendienst zeitgemäße Tools an die Hand gibt. „Unsere wichtigste Anforderung an die neue Lösung war, den Vertriebsmitarbeitern eine enge, nahtlose Kundenführung zu ermöglichen“, erklärt Haas. „Sie müssen in der Kommunikation und im Umgang mit dem Kunden schneller und besser sein als die Verkäufer unserer Wettbewerber.“ Der mobile Datenzugriff hat die Prozesse deutlich beschleunigt: „Unsere Vertriebler stehen heute mit dem Kunden auf dem Grundstück, zeigen ihnen auf dem Tablet eine 3D-Visualisierung ihres Wunschhauses und verschicken per Knopfdruck das Angebot per Mail“.

Die Bereitschaft mittelständischer Unternehmen zu großen Veränderungen wird oft davon gehemmt, dass erfolgreiche Konzepte der Vergangenheit noch ihre Wirkung tun. Die Zeichen der Zeit werden dann häufig spät erkannt und technische Neuerungen verzögert eingeführt. Auch das fehlende Wissen über neuartige Ansätze spielt eine wichtige Rolle. Doch gerade die jüngere Generation versteht meist sehr gut, dass Innovation nicht im Gegensatz zu traditionellen Werten stehen muss. Das Selbstverständnis und Werteset kann bestehen bleiben, auch wenn betriebliche Abläufe technologisch verbessert werden. Dies ist notwendig, um auch in Zukunft wettbewerbsfähig zu bleiben. Neben einer höheren Effizienz der Prozesse und mehr Flexibilität sind dabei auch zuverlässigere Prognosen wichtig. Damit lassen sich Risiken sowie Investitions- und Optimierungsbedarf frühzeitig erkennen. Für eine nachhaltige Sicherung der Wettbewerbsfähigkeit ist diese Transparenz unverzichtbar.

Wettbewerbsfähig in die Zukunft

Auch Mitarbeiter und Kunden fordern immer häufiger und eindringlicher die Nutzung aktueller Technologien. Sie erwarten Kommunikationswege und -mittel, um unabhängig von Ort, Zeit und Gerät alle Angebote zu nutzen. Zum Beispiel wollen Vertriebsmitarbeiter heute jederzeit und überall alle aktuellen Informationen zum Kunden auf ihrem Smartphone abrufen können. Die Kunden sehen es zunehmend als selbstverständlich an, dass ihr Ansprechpartner auf sämtliche Daten zugreifen kann, auch wenn sie vor kurzem mit einem anderen Mitarbeiter gesprochen haben oder verschiedene Kommunikationskanäle nutzen. „Wir stehen heute nicht nur um Kunden in einem harten Wettbewerb, sondern ebenso um gut ausgebildete und motivierte Fachkräfte“, bestätigt auch Xaver A. Haas. „So schön es im niederbayerischen Falkenberg auch ist – wir sind hier eben nicht München. Umso wichtiger ist es, dass wir als Arbeitgeber alle Register ziehen, um attraktiv für junge Menschen zu sein.“

Doch wie kann eine neue Führungskraft den aktuellen digitalen Status eines Unternehmens und die Prioritäten der Digitalisierung ermitteln? Dabei helfen folgende Punkte, damit der Übergang gelingt:

  • 1. Umgang mit digitalen Ideen: Wirtschaftlicher Erfolg und Innovationen basieren auf den Ideen von Mitarbeitern. Daher sollten Verantwortliche einen Ideenprozess für die Digitalisierung etablieren. Hier ist zu definieren, welche Filter und Validierungen die Ideen auf erfolgversprechende Konzepte eingrenzen. Deren Umsetzbarkeit sollte in Gesprächen mit Experten geklärt werden. Aber auch in Brainstormings und Konzeptionierungen können externe Experten für einen frischen, unabhängigen Blick sorgen, Ideen einbringen oder Ansätze kritisch hinterfragen.
  • 2. Verantwortung der Mitarbeiter: In der digitalen Welt kommt es auf eine schnelle Umsetzung von Innovationen an. Daher benötigen leitende Mitarbeiter und Teams die Freiheit, Entscheidungen treffen und umsetzen zu können. Fehler sind dabei ausdrücklich erlaubt, denn Unternehmen, die sich nicht verändern, werden gegen die Innovatoren an Boden verlieren.
  • 3. Frühzeitig und ständig testen: Wer heute noch „im stillen Kämmerlein“ an neuen Lösungen arbeitet, wird kaum erfolgreich sein. Denn er kann nicht alle Anforderungen der Nutzer oder mögliche Lösungsansätze kennen. Erfolgreiche Unternehmen testen heute Konzepte und Anwendungen iterativ, binden also ständig die Nutzer und später auch Kunden oder Lieferanten ein und berücksichtigen deren Feedback. Nur damit lässt sich gewährleisten, dass die Lösung in der Praxis wirklich funktioniert und alle Bedürfnisse erfüllt.
  • 4. Flexible Budgets: Der Prozess der Digitalisierung erfordert eine hohe Flexibilität und Offenheit. Daher wird sie durch starre Budgetrahmen und Freigabeprozesse behindert. So sollten angemessene Budgets für entsprechende Projekte zur Verfügung stehen, welche die Projektbeteiligten eigenverantwortlich investieren dürfen. Dabei sind natürlich Projektfortschritte und messbare Returns on Investment zu beobachten. Mit den richtigen Tools und Lösungen lassen sich schon bei geringen Investitionen große Fortschritte erzielen.
  • 5. Gestaltung der Kundenbeziehung: Der Kunde ist König – noch nie war das Motto so wichtig wie heute. Unternehmen sollten deshalb konsequent ihren wichtigsten Stakeholder in den Mittelpunkt stellen: den Kunden. Zu den wesentlichen Ansatzpunkten gehört der Servicebereich, der sich immer mehr zum wichtigsten Umsatzbringer und Differenzierungsmerkmal entwickelt. Kunden erwarten von Unternehmen, in Echtzeit auf dem Kanal ihrer Wahl erreichbar zu sein, schnelle Lösungen zu bieten und ihnen idealerweise vorausschauend die Services, Informationen und Produkte anzubieten, die sie benötigen.
  • 6. Schaffung von Datentransparenz: Gerade im Hinblick auf den Service gilt: der Kunde unterscheidet nicht, mit welcher Abteilung eines Unternehmens er im Kontakt steht. Die Datentransparenz über alle Bereiche hinweg sicherzustellen ist daher ein übergeordneter Erfolgsfaktor. So müssen die Teams und Abteilungen nicht nur reibungslos miteinander kommunizieren, sondern auch einen ganzheitlichen 360-Grad-Blick auf alle relevanten Daten in Echtzeit erhalten. In Gesprächen mit Unternehmen zeigt sich immer wieder, dass siloartige Datenstrukturen einen der größten Hemmschuhe für eine durchgängige Kundenerfahrung darstellen.

Mut zur Veränderung

Harald Esch, Salesforce.
Harald Esch, Salesforce. (Bild: Linsen-Blick.de/Salesforce)

Unternehmen dürfen die Digitalisierung weder als zeitlich oder inhaltlich begrenztes Projekt noch als technologiegetriebene Aufgabe sehen. Es handelt sich dabei vielmehr um einen ganzheitlichen Prozess, der einer Strategie folgt und diese mit neuen Technologien zum Leben erweckt. Dies ist an sich schon kein leichtes Unterfangen, aber bei den fordernden Aufgaben bei einem anstehenden Generationswechsel oftmals noch schwieriger durchzuführen. Doch gerade deshalb ist es umso wichtiger, die Chance der Veränderung zu nutzen. Denn wer zu lange wartet, wird von der Konkurrenz schnell überholt. Umfassende, effiziente, kundenzentrierte Lösungen können dabei helfen, diese Gefahr zu vermeiden.

* Der Autor Harald Esch ist Area Vice President DACH für Salesforce.

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