Bestandsaufnahme bei SAP, Sage und Infor

ERP in der Cloud: Rasant wachsend, aber auch sicher?

| Autor / Redakteur: Dr. Dietmar Müller / Florian Karlstetter

Enterprise Resource Planning in der Cloud - eine Bestandsaufnahme.
Enterprise Resource Planning in der Cloud - eine Bestandsaufnahme.

Enterprise Resource Planning (ERP) in der Cloud? Der gemeine CIO winkt ab. Zu groß die Gefahr, dass unternehmenskritische Daten in die Hände Unbefugter fallen. Hieß es bislang. Doch langsam setzt ein Umdenken ein.

Der Analyst Matthias Zacher, gerade von der Experton Group zu IDC gewechselt, stellte beispielsweise bereits im vergangenen Jahr fest, dass das Interesse an ERP als SaaS, on-Demand und aus der Cloud signifikant zunimmt. Insbesondere kleine und mittlere Firmen wüssten die geringeren Kosten und das Plus an Flexibilität zu schätzen.

"Nach Einschätzung der Experton Group öffnen sich immer mehr Unternehmen dem Thema SaaS, insbesondere kleine und mittlere Unternehmen setzen stark auf den Kostenfaktor beim Ablösen oder Ersteinsatz von ERP-Lösungen und auf Flexibilität in der Bereitstellung von Services", so Zacher im vergangenen Jahr.

ERP on-Demand in Zahlen

Und die Zahlen geben ihm Recht: 2011 wurden knapp über 12 Milliarden Dollar weltweit für die Anschaffung SaaS-basierter Lösungen ausgeben, schätzt Gartner. Davon entfielen allerdings nur 1,7 Milliarden Dollar auf ERP-on-Demand-Lösungen. Die Tendenz ist aber klar steigend, sowohl für das gesamte Cloud-Business als auch den Teilaspekt ERP-on-Demand: Das Analystenhaus Forrester prognostiziert, dass der weltweite Markt für Cloud Computing von 2011 bis 2020 von 40,7 auf 241 Milliarden Dollar anwachsen wird. Das Gesamtvolumen des Marktes für Public-Cloud-Services soll von 2011 bis 2020 von 25,5 auf 159,3 Milliarden Dollar wachsen.

Getrieben wird das Wachstum im Bereich des Enterprise Resource Planning auf natürliche Weise: Rund ein Drittel der implementierten ERP-Systeme ist fällig – sie sind wenigstens 10 Jahre alt, viele stammen noch aus der informationstechnischen Steinzeit. Laut Forrester in seiner Studie "State of ERP in 2011" sind diese Altsysteme den Anforderungen des modernen Marktes kaum mehr gewachsen. Zunehmend setzen CIOs deshalb auf on-Demand-Ansätze.

Und tatsächlich meldeten im Laufe des vergangenen Jahres denn auch immer mehr Softwarehäuser Abschlüsse im Cloud-Umfeld. Zu nennen wären etwa SAP mit Business ByDesign, Comarch mit Semiramis, Microsoft mit Dynamics, myfactory und weitere. Mittlerweile, so Zacher, könne man mit Fug und Recht von einem tragfähigen Geschäftsmodell sprechen.

Das bestätigt auch Simone Kathrin Eiermann, Sprecherin der SAP AG, gegenüber CloudComputing-Insider.de: "Wir sind mit der Nachfrage nach unserer Geschäftslösung für kleine und mittlere Unternehmen SAP Business byDesign zufrieden und gehen davon aus, dass sie auch weiterhin ansteigt. Unser Ziel, bis zum Jahresende 2011 über 1000 Kunden für ByD gewonnen zu haben, haben wir erreicht."

"Auch Sage sieht im deutschen Mittelstand ein wachsendes Interesse an ERP-Lösungen aus der Cloud: So schätzen wir, dass sich zwischen 8 und 16 Prozent der mittelständischen Unternehmen vorstellen können, ihre Buchhaltung oder Warenwirtschaft über eine Internet-Software abzuwickeln", berichtet Andreas Heck, Leiter des Geschäftsbereichs kleine und mittlere Unternehmen der Sage Software GmbH. Weil eine Alternative zur fest installierten ERP-Lösung immer wichtiger werde, will der Mittelstandsexperte zur CeBIT 2012 mit der Office Line 365 eine etablierte ERP-Lösung für KMUs in die Cloud bringen.

Nedzad Fajic, Regional Vice President DACH Channel bei Infor, nennt konkrete Zahlen zur Nachfrage nach der Infor10 CloudSuite: "Stand heute haben wir über 800 zufriedene Kunden in der Cloud mit einem SaaS-Nutzungsmodell. Über unsere Business Solutions wie etwa Enterprise Asset Management, iProcurement, HCM oder ERP hinweg greifen über 500.000 Nutzer auf unser Cloud-Angebot zu." Die Wachstumsrate sei hierbei sehr steil und zeige, dass der von Infor verfolgte Plattform-Gedanke - die Infor10 Cloud-Architektur bietet die Möglichkeit, sowohl Infor-eigene als auch Fremdanbieterapplikationen in der Cloud zu integrieren - von den Kunden angenommen werde.

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