KPMG-Umfrage: Cloud ist kaum Option bei der Transformation

Digitalisierung im Rechnungswesen ist meist Chefsache

| Autor: Elke Witmer-Goßner

Selbst sind die Chefs bei der Digitalisierung des Rechnungswesens und in den meisten Unternehmen primär für die Umsetzung verantwortlich.
Selbst sind die Chefs bei der Digitalisierung des Rechnungswesens und in den meisten Unternehmen primär für die Umsetzung verantwortlich. (Bild: KPMG, 2017)

Unternehmen, die im Rechnungswesen auf digitale Lösungen setzen, verbessern die Qualität ihrer Daten bzw. deren Konsistenz. Zudem erhöht sich meist die Schnelligkeit im Reporting. Dennoch setzen überraschend wenige Unternehmen derzeit im Rechnungswesen schon auf Cloud-Lösungen.

Das sind wesentliche Erkenntnisse aus einer gemeinsamen Umfrage des Marktforschungsunternehmens KPMG und der Ludwig-Maximilians-Universität München unter knapp 150 deutschen Unternehmen zur Digitalisierung im Rechnungswesen. Die Umfrage zeigt vor allem: Digitalisierung des Rechnungswesens ist in erster Linie Chefsache. Bei 28 Prozent der Unternehmen wird diese vom CFO verantwortet und bei weiteren 50 Prozent vom Leiter Rechnungswesen – und nicht etwa von der IT-Abteilung.

Für elf ausgewählte digitale Lösungen gaben die Teilnehmer an, ob diese in ihrem Unternehmen bereits umgesetzt wurden oder für die nahe Zukunft auf der Agenda stehen. Zu einer ausgereiften digitalen Transformation des Rechnungswesen zählen demnach: Papierlose Buchhaltung, Schnittstellen zu (externen) Systemen, Management der Datenqualität, Prozessautomatisierung, Homogenität der Systeme, ein integriertes Konsolidierungssystem, Realtime-Reporting, Schaffung von Transparenz, Big-Data-Analysen, Tools zur Visualisierung sowie der Einsatz von Applikationen aus der Cloud.

Nur wenige Vorreiter

Den befragten Unternehmen wurde auf Basis ihrer Antworten ein sogenannter Reifegrad zugeordnet. Das Reifegradmodell zeigt, dass sich die überwiegende Mehrheit der Unternehmen noch mitten im Prozess befindet. 66 Prozent aller befragten Unternehmen liegen sowohl im Bereich der bereits implementierten digitalen Lösungen als auch im Management der Digitalisierungsmaßnahmen im Mittelfeld. Nur 15 Prozent aller Unternehmen können als digitale Pioniere bezeichnet werden, bei denen sowohl zahlreiche digitale Lösungen im Rechnungswesen implementiert sind, als auch der Digitalisierungsprozess einem klaren Plan folgt und gesteuert wird. (Angaben in Prozent)
Den befragten Unternehmen wurde auf Basis ihrer Antworten ein sogenannter Reifegrad zugeordnet. Das Reifegradmodell zeigt, dass sich die überwiegende Mehrheit der Unternehmen noch mitten im Prozess befindet. 66 Prozent aller befragten Unternehmen liegen sowohl im Bereich der bereits implementierten digitalen Lösungen als auch im Management der Digitalisierungsmaßnahmen im Mittelfeld. Nur 15 Prozent aller Unternehmen können als digitale Pioniere bezeichnet werden, bei denen sowohl zahlreiche digitale Lösungen im Rechnungswesen implementiert sind, als auch der Digitalisierungsprozess einem klaren Plan folgt und gesteuert wird. (Angaben in Prozent) (Bild: KPMG, 2017)

Die überwiegende Mehrheit der Unternehmen befindet sich mitten im Prozess der Digitalisierung des Rechnungswesens (66 Prozent). Lediglich 22 von 146 Unternehmen (15 Prozent) lassen sich als „digitale Pioniere“ bezeichnen. Bei ihnen sind zahlreiche digitale Lösungen im Rechnungswesen implementiert, deren Einsatz gezielt geplant und auch gesteuert wird. Bei 74 Prozent der Unternehmen haben sich Datenqualität und -konsistenz durch die Digitalisierung des Rechnungswesens eigenen Angaben zufolge verbessert. Bei 71 Prozent hat sich die Geschwindigkeit des Reportings erhöht. Und 62 Prozent der Befragten geben an, dass sich das Leistungsspektrum des Rechnungswesens erweitert habe.

Überraschend ist aber, dass Cloud Computing bisher kaum eine Rolle spielt. Lediglich sieben Prozent der Unternehmen nutzen diese Option. Und auch nur jedes fünfte Unternehmen (21 Prozent) denkt zumindest teilweise daran, in den kommenden zwei Jahren Cloud-Lösungen einzusetzen. Für Markus Kreher, Head of Finance Advisory bei KPMG Deutschland, ist dieses Ergebnis insofern bemerkenswert, „da beispielsweise die neuesten marktführenden ERP- und Datenbanklösungen nur noch in einer Cloud-Variante zur Verfügung gestellt werden. Offenbar haben sich viele Unternehmen noch nicht abschließend mit den Vor- und Nachteilen von Clouds im Rechnungswesen der Zukunft auseinandergesetzt.“

Über diese Feststellung hinaus zeigt die Auswertung der Studie noch folgende zentrale Ergebnisse:

  • Die bisherigen digitalen Lösungen im Rechnungswesen erfassen im Wesentlichen nur die grundsätzlichen Komponenten der Digitalisierung. Bisher stehen die Homogenisierung der eingesetzten Basissysteme sowie die regelmäßige Überprüfung der Stammdaten auf Richtigkeit und Qualität im Fokus. Kaum interessiert sind Unternehmen daran, Realtime-Reporting, Cloud Computing oder Big-Data-Analysen einzusetzen.
  • Wichtig ist die Beseitigung von Medienbrüchen bei den Datenflüssen. Hier liegt das größte Potenzial beim Einsatz digitaler Lösungen im Rechnungswesen.
  • Digitalisierungsprojekte zielten bisher vor allem auf die Verbesserung der Datenqualität bzw. -konsistenz.
  • Und auch bei künftigen Digitalisierungsprojekten will man hauptsächlich an bestehende Maßnahmen anknüpfen, um beispielsweise Kosten zu senken oder Mitarbeiter stärker an die IT anzubinden.
  • Größte Hindernisse auf dem Digitalisierungsweg sind für die meisten befragten Unternehmen unzureichend optimierte Prozesse. Die Umsetzung ist deshalb oft sehr langwierig und komplex.
  • Deshalb erreicht die überwiegende Mehrheit der Befragten auch nur einen mittleren Reifegrad beim Einsatz digitaler Lösungen und dem Management der Digitalisierung innerhalb des Rechnungswesens.
  • Insgesamt knüpfen die Unternehmen im Zuge der Digitalisierung des Rechnungswesens sehr hohe Erwartungen an den Wirtschaftsprüfer, sowohl hinsichtlich einer effizienteren wie auch in der Qualität steigenden Abschlussprüfung.

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