CLOUD COMPUTING & VIRTUALISIERUNG Technology Conference 2014

Die Zukunft gehört der Cloud – trotz Sicherheitsbedenken

| Autor / Redakteur: Ludger Schmitz / Ulrike Ostler

Professor Peter Buxmann: „Eine größe Chance auf Kooperation gehört zu den Vorteilen des Cloud-Computing, die nicht von Beginn im Fokus der Entscheidung stand“.
Professor Peter Buxmann: „Eine größe Chance auf Kooperation gehört zu den Vorteilen des Cloud-Computing, die nicht von Beginn im Fokus der Entscheidung stand“. (Bild: Peter Buxmann)

Professor Dr. Peter Buxmann, Inhaber des Lehrstuhls für Wirtschaftsinformatik an der Technischen Universität Darmstadt, ist ein international anerkannter Experte für Cloud-Computing. Im Interview spricht er über die wachsende Bedeutung der Cloud-Technologien, die Sorgen um die Sicherheit der Daten und über unterschätzte Vorteile des Cloud Computing.

Von Anfang an waren deutsche Anwenderunternehmen im internationalen Vergleich laut diverser Marktstudien zurückhaltend gegenüber Cloud Computing. Hat sich das verändert?

Peter Buxmann: Cloud Computing gewinnt überall immer weiter an Bedeutung, und ich bin mir sicher, dass das Thema in Zukunft noch viel wichtiger wird. Gerade in Deutschland waren die Unternehmen natürlich wirklich lange sehr zögerlich, aber auch hier trauen sich mehr und mehr Anwender an das Thema Cloud Computing und auch Software as a Service heran. Im internationalen Vergleich, etwa zu den USA, ist Deutschland jedoch in Bezug auf die Nutzung noch hintendran. Aber es bewegt sich etwas.

Was waren und was sind die Gründe für dieses Verhalten?

Peter Buxmann: Das liegt insbesondere an den Sorgen um Datensicherheit, die oft mit Cloud Computing in Verbindung gebracht werden. Wir haben in einer aktuellen Studie nachgewiesen, dass die wahrgenommene mangelnde IT-Sicherheit von Cloud-Diensten das Haupthemmnis bei vielen Unternehmen ist, das sie davon abhält, stärker auf Cloud Computing zu setzen. Ich betone: Es handelt sich um die wahrgenommenen nicht um die tatsächlich existierenden Risiken.

Hat die Snowden-Affäre die Skepsis noch verstärkt?

Ergänzendes zum Thema
 
Hinweise zur Veranstaltung

Peter Buxmann: Ja, nach meiner Wahrnehmung allerdings stärker im Bereich Business-zu-Endverbraucher (B2C) als im B2B-Bereich (Business-to-Business). Es gibt aber auch Beispiele von Unternehmen, die aufgrund der Snowden-Affäre ihre Cloud-Software ablösen und wieder durch klassische On-Premise-Software ersetzen.

Beispielsweise hat ein Unternehmen, das selbst Anbieter von Sicherheitssoftware ist, nach den Nachrichten um den NSA-Skandal und vielen Nachfragen von Kundenseite seine CRM-Software wieder zurück ins eigene Rechenzentrum geholt.

Wie hoch sind denn die Risiken in einem Realitätscheck tatsächlich? Werden da nicht vor lauter Sorgen um unbekannte Größen Chancen vertan?

Peter Buxmann: Man muss hier schlicht und ergreifend abwägen: Ist der Eigenbetrieb wirklich sicherer? Ich persönlich würde es bezweifeln, dass die Mehrheit der kleinen und mittelständischen Unternehmen in der Lage ist, ihre Software sicherer oder besser zu betreiben, als es große Cloud-Anbieter können.

Sind die Cloud-Anbieter nicht auch selbst schuld, dass die Cloud-Entwicklung nicht ihren riesigen Erwartungen entspricht? Schließlich ist es nicht immer einfach und schon gar nicht kostengünstig, Daten aus einer Cloud auch wieder heraus zu bekommen.

Peter Buxmann: Das stimmt in vielen Fällen. Einen gewissen Lock-In gibt es auch bei den meisten Cloud-Angeboten. Allerdings ist das nichts, was spezifisch gegen Cloud Computing spricht. Viele Anwender, mit denen ich gesprochen habe, berichten, dass der Wechsel zwischen Cloud-Lösungen auf keinen Fall komplexer ist als erstmals von einer On-Premise- auf eine Cloud-Software zu wechseln. Das liegt aber auch daran, dass häufiger eher standardisierte als individuelle Lösungen in die Cloud verlagert werden.

Der Begriff Vendor Lock-in erinnert an Mainframe-Zeiten vor mehr als 30 Jahren.

Peter Buxmann: Das stimmt. Einen Lock-In zu kreieren ist ein klassisches strategisches Instrument von Anbietern, das schon lange genutzt wird, um Kunden zu binden. Das ist so gesehen kein Spezifikum der Cloud. Dadurch, dass Cloud-Lösungen überwiegend standardisiert und relativ wenig anpassbar sind, ist der Grad des Lock-Ins tendenziell auch nicht so hoch wie bei Systemen, die über Jahre an die individuellen Anforderungen eines bestimmten Unternehmens angepasst wurden.

Die üblichen Argumente für die Cloud sind nun angekommen in der IT: höhere Flexibilität, günstiges Preis/Leistungsverhältnis, Rechenpower auf Abruf zum Beispiel. Wie schaut denn die Cloud-Anwendungsrealität im Verhältnis zu den Cloud-Versprechen aus?

Peter Buxmann: Ich denke, was Sie da anführen, sind wesentliche Vorteile. Daneben könnte man noch weitere Aspekte nennen, wie zum Beispiel die schnelle Implementierbarkeit von Cloud-Lösungen, den ermöglichten Fokus auf Kernkompetenzen oder die einfache und moderne Bedienbarkeit, die fast alle Lösungen besitzen. Hinzu kommt eine weitere Form einer erhöhten Flexibilität, nämlich der ortsunabhängige Zugriff von unterschiedlichen Geräten.

Ein weiterer Punkt, der für viele zu Beginn gar nicht so im Fokus der Entscheidung für die Cloud stand, ist die Möglichkeit der Kooperation. Da die Lösungen alle über das Internet zur Verfügung stehen, kann ich natürlich Kunden oder Partnern auch Zugriff auf gewisse Bereiche meines Systems geben, was vielfach die Zusammenarbeit erleichtert.

Nach all den Jahren reger Diskussion verstehen die Anwender Cloud Computing anders als die Anbieter?

Peter Buxmann: Es scheint eine gewisse Verzerrung in den Wahrnehmungen zwischen Anbietern und Kunden zu geben. Bezogen auf IT-Sicherheit ist es so, dass Anwender das Thema deutlich kritischer sehen als Anbieter. Hierzu haben wir auch Daten aus einer empirischen Untersuchung.

Ein anderes interessantes Ergebnis zeigt, dass automatische Updates von Software as a Service zwar von Anbietern immer wieder als großer Vorteil ihrer Lösungen angepriesen werden, aber vielfach von Kunden gar nicht gewünscht sind. Diese unterschiedlichen Wahrnehmungen sind natürlich in der Zusammenarbeit zwischen Anbietern und Anwendern kritisch und können an der einen oder anderen Stelle für Reibungen und Missverständnisse sorgen.

Insgesamt ist es aber so, dass die Mehrheit der Anwender mit ihren Cloud-Lösungen in der Regel zufrieden ist und ihre Entscheidung nicht bereuen. Dies gilt insbesondere für Cloud-Lösungen für standardisierte Fragestellungen.

Der Autor:

Das Interview führte Ludger Schmitz, freiberuflicher Journalist in Kelheim.

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