Kleine und große Bewegungen im Cloud-Business

Die TÜV Süd AG wird Cloud-Anbieter und Facebook verlässt die IBM-Cloud

| Redakteur: Ulrike Ostler

Die einen werben für ein neues Cloud-Business, die anderen holen sich ihre Anwendung ins Haus: TÜV Süd kauft Cloud-Angebote, Facebook WhatsApp verlässt IBM Softlayer.
Die einen werben für ein neues Cloud-Business, die anderen holen sich ihre Anwendung ins Haus: TÜV Süd kauft Cloud-Angebote, Facebook WhatsApp verlässt IBM Softlayer. (Bild: gemeinfrei: skeeze/Pixabay / CC0)

Bisher hat die Uniscon GmbH mit 45 Mitarbeitern hochsichere Cloud-Angebote für die Datenverarbeitung offeriert. Nun ist das Unternehmen von der TÜV Süd AG gekauft. Bisher ist Facebook mit dem „WhatsApp“-Angebot einer der größten „IBM-Softlayer“-Kunden, doch noch in diesem Jahr wohl nicht mehr.

Mit der Akquisition der Uniscon GmbH aus München will die TÜV Süd AG ihr Spektrum an digitalen Leistungen strategisch weiterentwickeln und neutraler Betreiber einer sicheren und zuverlässigen Plattform für das Handling von sensiblen Daten werden. Insbesondere hat der Dienstleister das Internet der Dinge im Blick.

Im April 2017 hatte das Unternehmen bereits ein „Center of Excellence (CoE) for Digital Services“ in München eröffnet. Die Cybersecurity-Leistungen von TÜV Süd umfassen schon jetzt Prüfungen und Zertifizierungen nach ISO 27000, IEC 62443 und von Payment-Systemen (PCI-DSS) sowie Penetrationstests, das „s@fer-Shopping“-Zertifikat, die Bereitstellung von Datenschutzberatern und einen Cybersecurity-Check.

Professor Dr.-Ing. Axel Stepken, Vorsitzender des Vorstands der TÜV Süd AG.
Professor Dr.-Ing. Axel Stepken, Vorsitzender des Vorstands der TÜV Süd AG. (Bild: obs/TÜV SÜD AG)

So sagt Professor Axel Stepken, Vorsitzender des Vorstands der TÜV Süd AG: „Die Verfügbarkeit von Daten und das Vertrauen in die Sicherheit der Daten sind die grundsätzliche Voraussetzung für das Funktionieren und das weitere Wachstum des Internets der Dinge. Zugleich wird es für Unternehmen immer wichtiger, ihre eigenen Daten und die Daten ihrer Kunden und Lieferanten zu schützen beziehungsweise die Kontrolle über die Verwendung der Daten zu behalten.“

Genau das will der TÜV Süd nun anbieten: sichere Cloud-Dienste, die die Vorteile einer Public Cloud mit der Sicherheit einer Private Cloud kombinieren und somit Schutz vor Datenklau und Datenmissbrauch bieten. In Unison und dem Angebot der „Sealed Cloud“ will der TÜV Süd das Passende gefunden haben.

Das Unison-Angebot

Die bieten Unison GmbH wurde 2009 gegründet und bietet eine international patentierte Technologie für die sichere Datenverarbeitung in der Cloud an. Der Cloud-Anbieter selbst hat keinen Zugriff auf unverschlüsselte Daten, die von den Anwendern auf seiner Plattform gespeichert und verarbeitet werden.

Zum Produkt-Portfolio gehört „Idgaard“ sowie „Sealed Freeze“. Letzteres wurde im Hinblick auf die Gesetzgebung im Bereich der Vorratsdatenspeicherung entwickelt und wird in einem von TÜV Süd nach ISO 27001 zertifizierten Rechenzentrum betrieben. Nach Angaben von Hubert Jäger, Geschäftsführer der Uniscon GmbH, ist sei dieses „ein absolutes Alleinstellungsmerkmal“, das namhafte Kunden und Partner wie die Deutsche Telekom und PwC nutzen. Er sagt: „Mit einem Partner wie TÜV Süd im Rücken können wir diese Technologie weiter vorantreiben.“

So hat das Unternehmen bereits zusammen mit TÜV Süd weitere Fokusprodukte wie „Sealed Analytics“ für datenschutzkonforme Big-Data-Analysen und „Sealed Platform“ für sicherheitskritische Anwendungen entwickelt. Diese Sealed-Cloud-Angebote böten die Chance, bestehende Geschäftsfelder weiterzuentwickeln und neue digitale Produkte anzubieten, so TÜV Süd. Das betreffe beispielsweise die Verarbeitung von Daten aus den Hauptuntersuchungen von Kraftfahrzeugen, den sicheren Betrieb von Systemen zum Building Information Modeling oder Verarbeitung von Daten für Predictive Maintenance. Dazu kämen Unternehmensaktivitäten im Ausbau des Internets der Dinge und bei Prozessanwendungen für Industrie 4.0.

Insourcing bei Facebook

Statt Outsourcing soll es bei Facebook ein In-Sourcing geben. Gegen Ende des Jahres will der Anbieter von WhatsApp diesen Dienst aus der Public Cloud von IBM nehmen und von dort an in eigenen Rechenzentren laufen lassen. Den Dienst nutzen mehr als eine Milliarde Menschen weltweit und IBM stellt dafür rund 700 High-End-Server etwa im kalifornischen San Jose sowie Washington D.C. bereit. (Im Mai hatte die EU eine Strafe von 110 Millionen Euro gegen Facebook verhängt, weil der Konzern bei der Übernahme des Dienstes falsche Angaben zur Frage gemacht habe, wie der Konzern Nutzerdaten von Facebook mit WhatsApp-Konten verknüpft)

Auch wenn IBM bestreitet, mit WhatsApp sei Facebook einer der Top-5-Kunden seiner Public Cloud, ist dennoch klar, dass Big Blue einer seiner wichtigsten Kunden verliert. Öffentlich wird – ohne IBM - darüber gesprochen, Facebook zahle rund 2 Millionen Dollar monatlich an IBM. Zum Vergleich: Snap, das Unternehmen, das die Social-Media-App „Snapchat“ betreibt, soll nach eigenen Angaben in fünf Jahren rund 2 Milliarden Dollar an Google und 1 Milliarde an Amazon für das Hosting der Anwendung zahlen.

Facebook hatte WhatsApp 2014 für rund 19 Milliarden Dollar gekauft und im Gegensatz zu anderen vormals getätigten Akquisitionen liefen diese weiterhin auf Softlayer-Server. Einer der Gründe dürfte gewesen sein, dass Facebook noch dabei war, den Foto-Sharing-Dienst „Instagram”, der 2012 gekauft wurde, aus der AWS-Cloud in eigene Datacenter zu verpflanzen.

Offenbar nutzt der WhatsApp-Dienst dafür die Bare-Metal-Server von Softlayer; denn dafür war das Unternehmen bekannt, als IBM den Public-Cloud-Anbieter 2013 für rund 2 Milliarden Dollar übernahm. Bare Metal wird generell von vielen gegenüber virtuellen Maschinen bevorzugt, wenn eine sehr hohe Performance erforderlich ist. IBM bietet Bare Metal neben seiner „Bluemix“-Cloud an.

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