Warum technische Marktführerschaft alleine nicht mehr reicht

Deutschlands Zukunft liegt in digitalen Diensten

| Redakteur: Elke Witmer-Goßner

Unternehmen müssen sich heute völlig frei machen von eingefahrenen Denkmustern, wenn sie im digitalen Weltgeschäft konkurrenzfähig bleiben wollen: Sie brauchen „Mut, anders zu denken“.
Unternehmen müssen sich heute völlig frei machen von eingefahrenen Denkmustern, wenn sie im digitalen Weltgeschäft konkurrenzfähig bleiben wollen: Sie brauchen „Mut, anders zu denken“. (Bild: Google)

Bundeskanzlerin Angela Merkel ist besorgt, dass Deutschland seine Wettbewerbsfähigkeit auch in Zeiten der Digitalisierung weiter behält. Zu recht. Noch nie war die Gefahr so groß, dass deutsche Unternehmen die historische Chance verpassen, mit Hilfe digitaler Technologien in hohem Tempo in neue Märkte vorzustoßen, und stattdessen digital abgehängt zu werden.

Wer bei der reinen Produktherstellung bleibt, dürfte über kurz oder lang zu einem besseren Zulieferer degradiert werden und einen wichtigen Teil der Wertschöpfungskette verlieren, warnt Frank Riemensperger, Vorsitzender der Geschäftsführung von Accenture Deutschland und Präsidiumsmitglied des IT-Branchenverbands Bitkom. Die deutschen Unternehmer brauchen „Mut, anders zu denken“, zeigen die Ergebnisse der jüngsten Accenture-Studie „Digitalisierungsstrategien der deutschen Top500“. Noch sind diese Top500 der Wachstumsmotor Deutschlands. Die Steigerungsraten ihrer Umsätze liegen immer wieder höher als die Veränderungsraten des Bruttoinlandsprodukts – allerdings tendenziell rückläufig. Der Motor ist also ins Stottern geraten. Neue Wachstumsimpulse fehlen scheinbar.

Every business is a digital business

Aber eben nur scheinbar. Für Riemensperger müssen die Themen Industrie 4.0, Internet of Things (IoT, Internet der Dinge) und Big Data dringend auf die Tagesordnung, damit die hiesigen Industrien diese Riesenchance nicht verpassen. Indem Produkte, Prozesse und Dienstleistungen künftig digital zu Smart Services veredelt werden, bestimmen neue Dienste und Businessmodelle unser (Geschäfts)-Leben, prophezeit Riemensperger. Da heute quasi jedes Produkt eine digitale Komponente bereits aufweist oder bald aufweisen wird, benötigt also jedes Unternehmen auch eine ausgefeilte digitale Strategie. Sonst gehen Wachstum und Marktanteile einfach verloren. Schmerzhaft erleben musste dies bereits der Einzelhandel: Dort knöpfen E-Commerce-Spezialisten dem stationären Handel immer mehr Marktanteile ab.

Beim Megatrend Industrie 4.0 liegen viele deutsche Unternehmen schon gut im Rennen. Jedenfalls gilt das für die wichtigsten Leitbranchen wie die Automobilindustrie oder den Maschinen- und Anlagenbau. Der Accenture-Studie zufolge haben die meisten Unternehmen die Zeichen der fortschreitenden Digitalisierung erkannt. „Sehr deutliche“ Auswirkungen in ihrer Branche erwarten 66 Prozent, 12 Prozent sehen diese sogar als „disruptiv“ an. Bei dieser Erkenntnis bleibt es dann aber. Die meisten Unternehmen müssten bei der Umsetzung der Wachstumschancen mit digitalen Technologien einen Zahn zulegen. Und auch die Ziele neuer digitaler Geschäftsmodelle sind noch zu eng gesteckt: Meist geht es nur um Kosteneinsparungen durch Effizienzverbesserungen in der Verwaltung und im Kundenservice.

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