Brexit schlägt Cloud-Anbieter in die Flucht

Deutschland – das neue Rechenzentrums-Zentrum Europas

| Autor: Elke Witmer-Goßner

Der Austrittsantrag Großbritanniens hat bereits heute Folgen: IT- und Cloud-Anbieter wählen neue Standorte innerhalb der Europäischen Union.
Der Austrittsantrag Großbritanniens hat bereits heute Folgen: IT- und Cloud-Anbieter wählen neue Standorte innerhalb der Europäischen Union. (Bild: © Delphotostock - Fotolia)

Die Entscheidung Großbritanniens, die Europäische Union zu verlassen („Brexit“), zieht nicht nur politische Kreise. Auch auf wirtschaftlicher Seite zeichnen sich bereits erste Folgen ab. Europäisches bzw. deutsches Datenschutzrecht, aber auch die Freizügigkeit im Arbeitsmarkt bestimmen die Entscheidung vieler (IT-)Firmen, Großbritannien den Rücken zu kehren.

Bereits kurz nach dem Volksentscheid, skizzierte Wolfgang Schwab von der Experton-Group, welche Auswirkungen der beschlossene Ausstieg Großbritanniens aus der EU auf IT-Anbieter und Anwender in Deutschland haben könnte. Da viele große IT-Anbieter vor allem aus Übersee die britischen Inseln als europäischen „Brückenkopf“ für ihre IT-Services in Form von Backups, primären Rechenzentren oder in Form von Hosting- oder Cloud-Services nutzen, erwartete Schwab insbesondere hinsichtlich der Compliance Probleme für IT-Anwender in Europa, die diese Services nutzen. Aber auch für Startups und internationalisierende IT-Anbieter war Großbritannien die erste Wahl, wenn es bei außereuropäischen IT-Anbietern um eine Internationalisierungsstrategie ging. Marktexperte Schwab sah daher Deutschland, als größten verbliebenen IT-Markt in der EU, sicher in der Beliebtheitsskala nach vorne rücken.

Erster Fingerzeig, der auf eine Verschlechterung der Situation für IT-Services hindeutete: Aufgrund der Kursverschlechterung des britischen Pfunds nach der Brexit-Entscheidung erhöhten viele Anbieter, allen voran Microsoft und VMware, die Preise für ihre Angebote in Großbritannien. In Folge suchten erste Anwender günstigere Alternativen unter anderem im EU-Raum. Viel auffälliger ist aber, dass immer mehr Cloud-Anbieter ihre Daten aus dem Vereinigten Königreich abziehen. Namhafte IT-Anbieter betreiben inzwischen mindestens ein Rechenzentrum innerhalb Deutschlands selbst (AWS), nutzen ansässige ISPs für ihre Services (Microsoft) oder planen in nächster Zeit entsprechende Investitionen in die Infrastruktur, wie es Rackspace und kürzlich Oracle angekündigt haben. Aber auch deutsche Rechenzentrumsbetreiber haben die Zeichen der Zeit erkannt und bauen ihre Rechenleistungen aus (beispielsweise SpaceNet) oder expandieren wie Maincubes innerhalb des EU-Raums.

Compliance-Vorgaben zwingen zum Handeln

Das Rechenzentrum von Rackspace in Frankfurt am Main soll war erst Ende Juni dieses Jahres eröffnet werden, einen ersten namhaften Kunden kann man schon vermelden: Die Thru Inc., Hersteller für Filesharing- und Kollaborationslösungen für Unternehmen, hat die Eröffnung eines neuen, lokalen Rechenzentrums als Basis für seine EFSS-Plattform in Frankfurt (Main) angekündigt. Das Unternehmen will damit seinen deutschen Kunden, aber auch aus anderen Ländern innerhalb der EU, die Nutzung seiner Plattform innerhalb der Rechtsprechung Deutschlands und der Europäischen Union ermöglichen.

Bisher nutzte Thru für diese Kunden das Rechenzentrum des Dienstleisters Rackspace im Vereinigten Königreich, das auch weiter in Betrieb bleiben soll. Mit dem drohenden Brexit erachtet Thru den Betrieb einer Cloud-Plattform, die Daten außerhalb der EU speichert, generell als äußerst problematisch. Aber auch hinsichtlich der Tendenz, dass sich IT-Infrastrukturen mehr und mehr in Richtung Hybrid-Cloud entwickeln, kann Thrus deutschen Kunden die Option einer EFSS-Lösung mit Anbindung an eine lokale Cloud bieten. Thru wird innerhalb des neuen Rackspace-Rechenzentrums eigene, isolierte Server betreiben, die nicht von anderen Rackspace-Kunden genutzt werden. Weitere Vorteile für die deutsche Klientel sind signifikant geringere Latenzzeiten durch das zentral in Deutschland gelegene, neue Rechenzentrum.

Damit kristallisiert sich immer deutlicher heraus: Deutschland werde nach dem Brexit nicht nur als Finanzplatz an Bedeutung gewinnen, „sondern auch als Rechenzentrum Europas“, wie es Wolfgang Schwab und Heiko Henkes von der Experton Group in einem Gastbeitrag Blog „Digitales Wirtschaftswunder“ der QSC AG formulieren.

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