Freie Software plus offenes Denken als Erfolgsrezept

Der LinuxTag wird politischer

| Autor / Redakteur: Ludger Schmitz * / Florian Karlstetter

In einer sich schnell verändernden IT-Welt ist der LinuxTag eine Konstante, die sich neuen Themen zuwendet. Ein Stimmungsbericht von der Veranstaltung.
In einer sich schnell verändernden IT-Welt ist der LinuxTag eine Konstante, die sich neuen Themen zuwendet. Ein Stimmungsbericht von der Veranstaltung. (© LinuxTag e.V.)

Zum 18. LinuxTag vom 23. bis 26. Mai 2012 kamen rund 11.000 Besucher nach Berlin. Auf sie warteten rund 200 Vorträge von 187 Experten aus 17 Ländern – sowie die Ausstellungen von 41 Unternehmen und 80 freien Projekten. Das sind in etwa Größenordnungen wie in den letzten Jahren. Der LinuxTag ist also ein etabliertes IT-Event.

Gleichzeitig hat sich die inhaltliche Ausrichtung der Kongressmesse deutlich verschoben. Linux und Open-Source-Anwendungen sind insbesondere auf Infrastrukturebene inzwischen weit verbreitet und als Newcomer „kein Thema mehr“. Vielmehr hat der einstige Hype Folgen gezeitigt, die eine politische Dimension haben.

Offene Standards und Interoperabilität

Neben freier Software hatte die Bundes-CIO Cornelia Rogall-Grothe in einem Grußwort zum LinuxTag die Bedeutung von offenen Standards und Interoperabilität hervorgehoben. In Wirklichkeit ging das Themenspektrum weit über diese Begriffe hinaus. Petra Kuhfuß, Projektmanagerin für den LinuxTag bei der Messe Berlin, sollte mit ihrer Ankündigung recht behalten: „Dies wird der politischste aller LinuxTage.“

Das zeigte sich bereits in einer Podiumsdiskussion am Ende des ersten Messetages zu Streitfragen der Netzpolitik. Das war ein Heimspiel für die Piratenpartei, obschon die Mehrheit der Zuhörerschaft ihnen wohl nicht in allen Punkten Zuspruch gab. Aber ihre spürbar höhere Affinität zu IT-Themen verschafft den Piraten Vorteile gegenüber allen anderen Parteien. Deren Positionen wirken oft bemüht, angesichts des Erfolgs der Polit-Newcomer schnell aus dem Hut gezaubert. Twittern ist noch keine IT-Politik. Flott formulierte Sprüche kaschieren nicht die eigentliche Sprach- und Positionslosigkeit zu Themen wie Open Government oder Patent- und Urheberrecht.

Open Minds Economy

Der politischere Charakter des LinuxTags 2012 zeigte sich in diversen weiteren Vortragsthemen wie zum Beispiel „Wie Open Source der Politik helfen kann“. Es drückte sich auch in der ganztägigen Vortragsreihe „Open Minds Economy“ aus, welche die Open Source Business Alliance organisiert hatte. Sie sieht Open Source, die ihr eigene Kooperationsbereitschaft, als „Erfolgsmodell für viele Bereiche von Wirtschaft und Gesellschaft“, so Karl-Heinz Strassemeyer, Ehrenvorsitzender der OSB Alliance. Open Minds Economy stelle „die nachhaltige Wertschöpfung durch offene Formen der Zusammenarbeit in Industrie, Wissenschaft und Gesellschaft“ in den Vordergrund.

In den Vorträgen dieses Forums kamen erste Ansätze zur Sprache. Besonders im Bereich Bildung scheinen sich neue Möglichkeiten zu eröffnen. Noch aber sind die Überlegungen mehrheitlich geprägt vom IT-Background der Redner. Aber schon darin bekam der LinuxTag eine neue Ausprägung: Es geht nicht mehr nur um offenen Sourcecode, sondern vor allem um Open Computing, um offene Standards und Schnittstellen, Open Data, Open Access, Open Government, Lizenzfreiheit.

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