Vereinheitlichung im Cloud Computing

Cloud Unification versus Multi-Clouds

| Autor / Redakteur: Oliver Schonschek / Florian Karlstetter

Je mehr verschiedene Cloud-Ressourcen man nutzt, desto aufwändiger wird das Management derselben.
Je mehr verschiedene Cloud-Ressourcen man nutzt, desto aufwändiger wird das Management derselben. (Bild: © thodonal - Fotolia.com)

Die Nutzung verschiedener Clouds, die Multi-Cloud, gilt als der Trend im Cloud Computing. Doch es gibt Gründe, die für eine Vereinheitlichung, für Cloud Unification, sprechen. Einfach ist die Fusion von Clouds aber nicht.

Bei Multi-Clouds sollte man auch an die Risiken denken: Deutsche mittelständische Unternehmen werden sich mehrheitlich in hybriden und Multi-Cloud-Architekturen (68,8 Prozent) wiederfinden, so die Studie „Multi-Cloud-Management im deutschen Mittelstand“, die Crisp Research im Auftrag von Nexinto durchgeführt hat.

Die Studie „Hybrid Cloud: Die aktuelle Lage“ (PDF, 15 Seiten) von Veritas Technologies besagt, dass etwa 74 Prozent der Unternehmen mit mindestens zwei Cloud-Infrastrukturanbietern zusammenarbeiten, um ihre Workload-Anforderungen zu erfüllen. 23 Prozent der befragten Unternehmen setzen auf vier oder mehr Anbieter.

Für den bevorzugten Multi-Cloud-Ansatz sprechen viele Gründe, denn die Vorteile verschiedener Cloud-Anbieter lassen sich flexibel parallel nutzen, die Abhängigkeit von einem Cloud-Provider (Lock-In-Effekt) sinkt. Nicht vergessen werden darf aber: Der Multi-Cloud-Ansatz erhöht den Druck auf die IT-Abteilungen, die Daten über alle diese Umgebungen hinweg zu sichern und zu verwalten, wie auch die zuvor genannte Veritas-Studie betont.

Cloud Unification: Datenschutz führt zu einem Rückzug aus bestimmten Clouds

Doch nicht nur die komplexe Cloud-Security kann gegen die Multi-Clouds sprechen. Die Entwicklungen rund um Privacy Shield und die ab Mai 2018 anzuwendende Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) haben den Datenschutz bei Cloud-Nutzern verstärkt in den Fokus gerückt, noch stärker, als dies zuvor bereits der Fall war. Umfragen zeigen immer wieder, dass Cloud-Lösungen aus der EU oder erst recht aus Deutschland an Beliebtheit bei deutschen Cloud-Anwendern gewinnen.

So ist es nicht erstaunlich, dass Cloud-Provider dazu übergehen, ihre Cloud-Services (auch) aus der EU oder aus Deutschland heraus anzubieten, und dass Cloud-Nutzer durchaus ihre Daten aus Clouds, die in Drittländern betrieben werden, zurückholen wollen. Dadurch kann der Multi-Cloud-Ansatz eine Gegenbewegung erfahren, die Fusion der Clouds, die Cloud-Unification.

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Fusion von Clouds ist kein Spaziergang

Will man von mehreren Clouds, die teilweise in Drittländern betrieben werden, wechseln zu einer einzigen Cloud, die innerhalb der EU betrieben wird, müssen nicht nur die Kündigungsfristen bei den anderen Providern beachtet werden. Es steht ein beachtliches technisches Umzugsprojekt an. Trotzdem sollten Unternehmen das Projekt Cloud Unification angehen, wenn Gründe wie der Datenschutz oder der Abbau von Komplexität bei Verwaltung und Sicherheit dafür sprechen.

Wie geht man vor? Der erste und wichtigste Schritt ist die Ist-Analyse der Cloud-Strukturen, die man wieder verlassen will, und der Ziel-Cloud, mit der die Fusion vorgesehen ist. Wichtig ist es festzustellen, wo sich die Cloud-Strukturen gleichen und wo sie sich unterscheiden.

Herausforderungen stellen nicht nur die Unterschiede dar: Wird zum Beispiel in einer Cloud ein Storage-Dienst genutzt und in der Ziel-Cloud ein Storage-Dienst mit den gleichen Leistungsparametern und Funktionen, steht immer noch der Umzug einer oftmals großen Datenmenge an, in möglichst kurzer Zeit, auf sicherem Weg und bei häufig begrenzt guter Internetverbindung. Da sind dann alternative Verfahren für den Cloud-Daten-Transport gefragt.

Schritt für Schritt zur Cloud Unification

Bei den Unterschieden zwischen den Clouds, die abgelöst werden sollen, und der Ziel-Cloud sollten Unternehmen insbesondere auf Folgendes achten:

  • Die Lizenzmodelle und die Service-Level-Agreements (SLAs) können sich deutlich unterscheiden. Die Fusion von Clouds oder die Cloud Unification sollte nicht dazu führen, dass es zu Verringerungen bei den Service-Levels kommt, die für das Unternehmen nicht tragbar sind. Ebenso kann es zu höheren Kosten oder Änderungen in der Lizenzpolitik kommen.
  • Die Cloud-Sicherheitsstufe kann sich unterscheiden. Vor dem Umzug von Daten muss an den Schutzbedarf und die Sicherheitsanforderungen gedacht werden, die auch in der Ziel-Cloud erfüllt werden müssen, zusätzlich zu den Datenschutzaspekten.
  • Die Vorkehrungen für Backup und Ausfall müssen angepasst werden, insbesondere die Kapazität der entsprechenden Dienste in der Ziel-Cloud muss mit den größeren Datenmengen und dem ggf. höheren Schutzbedarf umgehen können.
  • Cloud-Anwendungen, die in den verschiedenen Clouds genutzt werden, müssen ebenso in der Ziel-Cloud genutzt werden können. Neben der Daten-Migration wird eine App-Migration anstehen. Das wird gerne übersehen. Die App-Nutzer müssen prüfen, ob sie mit einer ggf. anderen Cloud-App wirklich auskommen werden. Vielleicht ist die Cloud-App in der Ziel-Cloud besser geeignet, vielleicht aber auch nicht. Mitunter muss eine neue Cloud-App gefunden oder geschrieben werden, da keine passende App in der Ziel-Cloud verfügbar ist.
  • Sicherheitsfunktionen wie die Zugangs- und Zugriffskontrolle, die die jeweiligen Cloud-Provider für Daten und Anwendungen liefern, müssen auch in der Ziel-Cloud verfügbar sein, entweder über den Cloud-Provider der Ziel-Cloud oder über zusätzliche Sicherheitsfunktionen. Benötigt man für eine Cloud-App z.B. eine Mehr-Faktor-Authentifizierung (MFA) und wird diese durch den bisherigen Cloud-Provider realisiert, muss auch in der Ziel-Cloud dafür Sorge getragen werden.
  • Die Cloud-Schnittstellen, die in den abzulösenden Clouds verfügbar waren, müssen auch in der Ziel-Cloud verfügbar sein.
  • Unternehmen müssen sich ein genaues Bild über die Abhängigkeiten von den Clouds machen, um zu erkennen, wie die Ziel-Cloud die abzulösenden Clouds ersetzen kann.

Generell lässt sich sagen: Bei einer Cloud Unification muss die Ziel-Cloud die Summe aller notwendigen Cloud-Funktionen und -Eigenschaften bieten, die die abzulösenden Clouds jeweils bieten können. Andernfalls muss für entsprechenden Ersatz gesorgt werden.

Fazit

Die Cloud-Fusion kann zum Beispiel aus Datenschutz-Gründen sehr sinnvoll sein, sie ist aber auch anspruchsvoll. Die Ziel-Cloud muss die Funktionen der anderen Clouds wirklich ersetzen können, oder aber das Unternehmen muss auf bestimmte Funktionen wirklich verzichten können oder Ersatzlösungen finden. Dies sollte vor der Cloud-Migration genau geprüft und mit dem Provider der Ziel-Cloud geklärt werden. Nur dann führt die Cloud Unification nicht zur Problem-Vielfalt.

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