Public Cloud Services aus der Amazon Cloud

Amazon Web Services - ein Überblick

| Autor / Redakteur: Dr. Dietmar Müller / Florian Karlstetter

(Bild: gemeinfrei (geralt / pixabay) / CC0)

Es ist die mit Abstand populärste Public Cloud weltweit: Die Amazon Web Services (AWS) verfügen laut Angaben des Marktforschungsunternehmens Synergy Research über einen Marktanteil von mehr als 30 Prozent. Microsoft Azure bringt es auf etwas mehr als zehn Prozent, danach folgen die Infrastrukturangebote von IBM und Google. Alle vier zusammen halten mehr als den halben Kuchen des globalen Cloud-Markts.

Was macht die AWS so erfolgreich? Es sind offenkundig die permanenten Innovationen – seit 2006 offeriert Amazon immer neue Services und Features. Jüngste große Neuerung war im Oktober vergangenen Jahres die Kooperation mit VMware, aus der die „VMware Cloud on AWS“ hervorgegangen ist. Anwender können damit ihre herkömmliche „on-Premise“- IT sowie die Private Cloud um Ressourcen aus der Public Cloud ergänzen – das klassische Hybrid Cloud-Szenario.

Gestartet war man 2006 genauso klassisch, nämlich mit Infrastruktur aus der Cloud. Zielgruppe waren für die AWS stets andere Unternehmen, nie Privatanwender. Um die kümmerten sich die Kunden und Partner von AWS, zu nennen wäre hier beispielhaft Dropbox, aber auch andere Consumer-Angebote wie Netflix, Foursquare oder Reddit vertrauen auf Ressourcen von Amazon. Kunden und Partner können die vielen verteilten Rechenzentren auf der ganzen Welt nutzen. In Deutschland hat man etwa in Frankfurt einen entsprechenden Standort. Hier gibt es einen Überblick über die global verteilten Rechenzentren von AWS.

Wichtige AWS Dienste im Überblick

Der erste Dienst, den AWS 2006 anbot, war die Amazon Elastic Compute Cloud (Amazon EC2). Dabei handelt sich um einen klassisch zu nennenden virtuellen Server, auf dem entweder ein Linux- oder ein Windows-Server-Betriebssystem läuft. Das Angebot richtet sich vorrangig an Entwickler. Diese müssen keine feste Vertragslaufzeit eingehen und nur das bezahlen, was sie auch wirklich genutzt haben.

Weitere Dienste folgten Schlag auf Schlag. So bietet Amazon S3 (Simple Storage Service) hochskalierbare Speicherressourcen auf Abruf. Es gibt drei Speicherklassen: Amazon S3 Standard für die allgemeine Speicherung von Daten mit häufigem Zugriff, Amazon S3 Standard – Infrequent Access (Standard-IA) für Langzeitdaten mit selteneren Zugriffen und Amazon Glacier zur Langzeitarchivierung.

Amazon CloudFront ist ein globaler Netzwerkservice zur Bereitstellung von Inhalten, der die Bereitstellung von Websites, APIs, Videoinhalte und anderer Web-Assets beschleunigen soll. Der Service kann in andere Amazon Web Services-Produkte integriert werden und bietet Entwicklern und Unternehmen die Möglichkeit, Inhalte einfach und ohne Mindestnutzungsverpflichtung bereitzustellen.

Bei Amazon SimpleDB handelt es sich um eine relationale NoSQL-Datenbank zur Auslagerung des Arbeitsaufwands bei der Datenbankadministration. Mit Amazon SimpleDB können Entwickler Datenelemente über Web-Serviceanforderungen speichern und abfragen.

Auch Amazon DynamoDB ist ein schneller, flexibler NoSQL-Datenbankservice, der sowohl Dokument- als auch Schlüssel-Wert-Speichermodelle unterstützt. Der Service ist ausgelegt für mobile, Web-, Spiele-, Werbe- und IoT-Anwendungen.

AWS Elastic Beanstalk ist ein Service zum Bereitstellen und Skalieren von Webanwendungen und -Services, die mit Java, .NET, PHP, Node.js, Python, Ruby, Go und Docker auf Servern wie Apache, Nginx, Passenger und IIS entwickelt werden.

Der Verzeichnisdienst zur Verwaltung von Benutzern und Ressourcen AWS Identity and Access Management (IAM) erlaubt die Steuerung von Kundenzugriffen auf AWS-Services und -Ressourcen. Es lassen sich verschiedene Gruppen anlegen und Zugriffsrechte zuteilen.

Amazon CloudWatch ist ein Überwachungsservice für AWS-Cloud-Ressourcen und die Apps, die Kunden unter AWS ausführen. Es lassen sich Metriken erfassen und nachverfolgen, Protokolldateien sammeln und überwachen, Alarme festlegen und Dienste automatisch Reaktionen installieren. CloudWatch überwacht AWS-Ressourcen wie etwa Instanzen von EC2, Amazon DynamoDB-Tabellen und Amazon RDS DB.

Grundsätzlich bieten die Amazon Web Services eine Palette an Cloud-basierten Diensten für

Sie kommen etwa bei Web- und mobile Anwendungen, der Spielentwicklung, der Datenverarbeitung und dem Data Warehousing, sowie bei der Speicherung, Archivierung und vielem anderen zum Einsatz. Hier gibt es einen Überblick über das mittlerweile sehr breite Cloud-Angebot. AWS-Entwickler sollen dazu angehalten worden sein, pro Jahr wenigstens 1.000 neue Angebote zu ersinnen.

Neue Betätigungsfelder

Seit der Kundenkonferenz AWS re:Invent 2016 steht das Thema Hybrid Cloud ganz oben auf der Agenda der AWS. Kein Wunder: Analysten sagen der Hybrid Cloud enorme Wachstumsraten voraus. Mit ihr lassen sich in einer gut aufeinander abgestimmten, interoperablen Konfiguration die Vorteile der unterschiedlichen Cloud Delivery Modelle nutzen– von Private Clouds, überwiegend On-Premise, bis hin zu externen Clouds, meist Public.

Die gebräuchlichste Variante dabei ist die Erweiterung der bestehenden Umgebung um zusätzliche externe Rechen- und Speicherressourcen. Einen Schritt in diese Richtung hat AWS im vergangenen Oktober mit der Ankündigung von VMware Cloud on AWS getan. Die Bereitstellung soll Mitte 2017 erfolgen.

Neben der Allianz mit VMware hat man auf der re:Invent 2016 auch eine Kooperation mit dem Spezialisten für Cloud-basierte Unternehmensanwendungen Workday vereinbart. Sie ist aber nur eine von vielen engen Zusammenarbeiten, die Amazon in den vergangenen zehn Jahren vereinbart hat. Hier geht es zu den zahlreichen Neuerungen, die die AWS auf ihrer Kundenkonferenz Ende 2016 angekündigt haben.

Künstliche Intelligenz

Am Hype-Thema künstliche Intelligenz bzw. Artificial Intelligence (AI) kommen natürlich auch die AWS nicht vorbei. Der Amazon-Ansatz sieht vor, Entwickler Möglichkeiten für Deep Learning an die Hand zu geben, so dass diese damit ihre Anwendungen anreichern können. Das Ergebnis wären dann selbstlernende Apps.

Künstliche Intelligenz funktioniert ja im Prinzip wie menschliche: Im Gehirn stecken 100 Milliarden Neuronen, die über Synapsen miteinander kommunizieren. Sobald ein Mensch etwas trainiert, erhöht sich die Frequenz der Impulse an den Synapsen - ein Muster entsteht. Mit der so genannten Langzeitpotenzierung (LTP) prägen Menschen sich Dinge ein. Als entscheidend für den Erfolg sind die Intensität, der Zeitpunkt sowie die Anzahl der Impulse. Je stärker der Impuls, desto eher merken Menschen sich etwas. So funktionieren auch künstliche neuronale Netze.

Amazon hat mit „Alexa“ so ein künstliches neuronales Netz als Pendant zum AI-Vorreiter „Watson“ von IBM ersonnen. Die Entwicklung hat nach Angaben von Amazon weit mehr als 100 Millionen Dollar verschlungen und ist lange noch nicht am Ende. Als Vorbild für Alexa diente der Bordcomputer des Raumschiffs Enterprise.

Aktuell kommen die Sprachfunktionen von Alexa in Amazon Echo zum Einsatz – ein von Datenschützern zum Teil heftig kritisiertes Produkt. Dennoch gibt Echo und sein enger Verwandter „Echo Dot“ einen Ausblick auf das, was Amazon mit seiner künstlichen Intelligenz vorhat: Ein kleines Helferlein, das auf Zuruf Fragen beantworten und Services initiieren kann.

Folgende weitere AI-Funktionen haben die AWS kürzlich angekündigt:

  • Amazon Lex ist ein Service zur Erstellung von Konversationsschnittstellen für Sprache und Text. Die Lern-Engine, die Alexa antreibt, steht damit allen Entwicklern zur Verfügung.
  • Amazon Polly ist ein Service, der Text in natürliche Sprache konvertiert. Er unterstützt 24 Sprachen und 47 natürliche Stimmen.
  • Amazon Rekognition bietet eine einfach Bildanalyse, die auch Gesichter in Bildern erkennen soll.
  • MXNet ist ein programmierbares Open-Source-Framework für Deep-Learning-Anwendungen, das verschiedene künstliche neuronale Netze wie Convolutional Neural Networks (CNN) und Long Short-Term Memory Networks (LSTM) unterstützt.

Bereits länger gibt es Amazon Machine Learning, das die Basis für quasi alle anderen „intelligenten“ Services bildet. Generell steht die Entwicklung von AI erst am Anfang. Viele große IT-Firmen bauen derzeit entsprechende Produkte und Services auf.

Neue Umsatzgeneratoren gesucht

Das Management von Amazon sieht sich bekanntermaßen ständig nach neuen Beschäftigungsfeldern um. Während sich Riesen wie IBM oder HP nach Möglichkeit von der Hardware-Entwicklung abkoppeln, legen die AWS mit Echo gerade etwas Handfestes vor. Vermutlich wird es in diese Richtung weitere Entwicklungen geben.

Auch in den Markt für Fernsehserien und Filme ist Amazon gerade eingestiegen. Das wird vermutlich nicht der letzte überraschende Schritt der Firma von Jeff Bezos sein. Wer so hyperaktiv ist, dem schlägt naturgemäß viel Kritik entgegen. Die AWS wurden beispielsweise diverse Male für Ausfälle gescholten. Datenschützern gilt das Angebot oft als unsicher. Dem begegnete der Konzern mit dem Aufbau lokaler Rechenzentren, für Deutschland ist dies wie gesagt in Frankfurt angesiedelt. Amazon gewährt Entwicklern zudem die Möglichkeit, auf AWS hinterlegte Daten selbst noch einmal zu verschlüsseln.

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